ATEMBERAUBENDE PERSPEKTIVEN

Der deutsche Edgar Müller erlangte mit seiner 3D-Straßenmalerei Berühmtheit, und die Verwandlung öffentlicher Plätze versetzt die Passanten in aller Welt in Erstaunen. Compass sprach mit dem Meister der 3D-Asphaltkunst über seine Arbeit und Inspirationsquellen.

Compass: Wann hat Ihre Faszination mit der Kunst angefangen?

E. Müller: Sobald ich einen Pinsel in der Hand halten konnte, habe ich mit dem Malen angefangen – sagen zumindest meine Eltern. Ich war davon fasziniert, alle möglichen Techniken auszuprobieren, die mir in den Sinn kamen. Mit 14 Jahren nahm ich an einem Zeichenkurs teil, aber ich konnte es nicht ertragen, mir von anderen sagen zu lassen, was und wie ich zeichnen sollte. Jede eigene Erfahrung, jeder Schritt, den man selbst macht, ist viel produktiver als alles, was einem noch so viele Kunstlehrer erzählen könnten.

Was hat Sie dazu inspiriert, sich auf Straßenmalerei zu konzentrieren?

E.M.: Ich ging auf ein kleines Gymnasium im nordrhein-westfälischen Geldern, wo einer der ältesten internationalen Wettbewerbe der Straßenmaler stattfindet. Ich war gefesselt von den vergänglichen Meisterwerken, die mit Kreide auf dem Asphalt geschaffen worden waren. Während meines Studiums in Kommunikationsdesign verdiente ich mir mit Straßenmalerei in ganz Europa meinen Lebensunterhalt. Die Erfahrungen und Möglichkeiten, die sich mir auf der Straße eröffneten, waren etwas völlig anderes als mein Alltag an der Universität. Also brach ich das Studium ab, um mich auf die Straßenmalerei konzentrieren zu können, was sich für mich viel authentischer anfühlte.

„Ich hole mir Inspiration, indem ich Fragen stelle wie: Was tue ich hier? Was kann ich besser machen? Wie erschaffen wir unsere Realität? Verläuft Zeit linear?“

Edgar Müller für seine 3D-Gemälde international bekannter Straßenkünstler

Woher kommt Ihre Inspiration?

E.M.: Welche Inspirationsquelle ist kraft­voller und ergiebiger als das Ausfechten innerer Konflikte? Ich hole mir Inspiration, indem ich Fragen stelle wie: Was tue ich hier? Was kann ich besser machen? Wie erschaffen wir unsere Realität? Verläuft Zeit linear? Glaube ich an Gott? Manche denken, diese Fragen seien kindisch. Aber das sehe ich als Kompliment.

Welche Wirkung möchten Sie mit Ihren 3D-Straßengemälden bei den Menschen erreichen?

E.M.: Neben den persönlichen Botschaften, Fragen und manchmal auch Antworten, die in meinen Bildern zu finden sind, möchte ich die alltägliche Wahrnehmung der Menschen ins Wanken bringen, indem ich die Erscheinung öffentlicher Plätze verändere.

Warum sind Ihrer Ansicht nach Straßenmalerei und 3D-Straßenmalerei so populär geworden?

E.M.: Obwohl Straßenmalerei nicht den illegalen Touch von Graffiti hat, wird die Kunst im öffentlichen Raum ausgestellt, und ein junger Straßenkünstler kann sein Publikum direkt erreichen, ohne Umwege über Galerien und Museen. Wenn man jemanden auf der Straße nach 3D fragt, wird er wahrscheinlich Computerspiele oder moderne Fernsehgeräte erwähnen. Bei 3D-Straßenmalerei wird aber eine völlig andere Technik genutzt, um die dritte Dimension zu simulieren. 

Was kommt als nächstes? 

E.M.: Am liebsten würde ich irgendwoin der Wüste, wo es keine störenden Lichtquellen gibt, ein leuchtendes Ge­- mälde erschaffen, so dass die strahlenden Sterne Teil des fertigen Bildes werden. 

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von Amber Stokes