UNBEGRENZTE MÖGLICHKEITEN Kundennutzen schaffen im digitalen Grenzbereich

Ein Manager eines weltweit tätigen Kaffeeherstellers sagte mir einmal, es habe „in der Kaffeebranche seit fünfzehn Jahren keine Innovationen mehr gegeben“. Meine Antwort: „Sie haben noch nie von Starbucks gehört?“ Dieser Mann konnte sich Innovation nur im Rahmen physischer Güter vorstellen, der Wechsel von gemahlenem Kaffee zum von Starbucks eingeführten Kaffee-­Erlebnis war ihm völlig entgangen. 

„Da wir die volle Leistungs­fähigkeit der digitalen Technologie zur Verfügung haben, sind die Möglichkeiten nun endlos und nur beschränkt durch unsere Vorstellungskraft.“

B. Joseph Pine II

Leider ist er damit nicht allein. Trotz der fortdauernden Wirtschaftskrise ist die Tatsache, dass wir nun in einer Erlebniswirtschaft leben, noch nicht in die Köpfe von ausreichend Unternehmensführern und politischen Entscheidern vorgedrungen, um eine wirklich neue – und dringend benötigte – Wirtschaftsordnung schaffen zu können. Der Schwerpunkt liegt immer noch zu stark auf Gütern und Dienstleist­ungen allein, was die Veränderung hin zu dynamischeren Unternehmen und robusteren Volkswirtschaften verhindert. Um Wirtschaftswachstum zu fördern, neue Arbeitsplätze zu schaffen und den wirtschaftlichen Wohlstand sichern zu können, müssen wir zuerst akzeptieren, dass Erlebnisse eine eigene Form von Wirtschaftsleistung darstellen.

Zudem dürfen wir nicht ignorieren, wie digitale Technologie nahezu jede Branche und jede Industrie verändert. Unternehmen müssen daher nach Erlebnis-Innovationen im digitalen Grenzbereich streben, um die reale mit der virtuellen Welt zu verschmelzen. Immer mehr Menschen haben ihre technischen Geräte – iPods, iPhones, iPads, iEtc. – immer bei sich, wo auch immer sie gerade sind. Die Möglichkeit, sich die Zeit zu vertreiben, Aufmerksamkeit zu zerstreuen und Geld auszugeben ist nur einen Fingertipp entfernt.

Man stelle sich nur vor, wie beispiels­weise Augmented Reality das Erleben von Reisen durch andere Länder verändert, wenn man die reale Welt um sich herum mit Hilfe des Smartphones mit virtuellen Informationen und Objekten oder sogar mit Menschen anreichert. Man betrachte nur die Konsequenzen für das Studium von Fachgebieten wie Geschichte oder Botanik: Man kann entdecken, wie eine historische Stätte zu einem bestimmten Zeitpunkt in der Vergangenheit ausgesehen hat, kann Zeuge längst vergangener Schlachten werden oder die Gattung, Spezies und medizinische Verwendung jeder Pflanze in einem Baumgarten erfahren.

Die Realität wird immer die reichhaltigste aller Erfahrungen bieten. Aber durch die derzeit stattfindende Bewegung hin zur Virtualität wird es für die Unternehmen zunehmend erforderlich, beide Welten zu verschmelzen, um Erlebnisse zu schaffen, die zuvor nicht denkbar gewesen wären. Da wir die volle Leistungsfähigkeit der digitalen Technologie zur Verfügung haben, sind die Möglichkeiten nun endlos und nur beschränkt durch unsere Vorstellungs­kraft. Und die kennt keine Grenzen.

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von B. Joseph Pine II