COMPASS MAGAZINE #10
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IMPACT INVESTING Auch die Finanzierung einer guten Sache kann sich lohnen

Während sich Entwicklungshilfe und Nächstenliebe nach jahrelanger Sparpolitik langsam erschöpfen, gewinnt eine neue Art von Investitionen an Dynamik. „Impact Investing“ bietet marktübliche Renditen und hilft dabei, einige der weltweit schwierigsten sozialen Probleme zu lösen.

Innovative Lösungen für die sozialen Probleme der Welt gibt es in Hülle und Fülle – wenn man das Geld dafür hat. Doch gemeinnützige Stiftungen haben nicht genügend Ressourcen, viele Länder haben sich immer noch nicht von der globalen Rezession 2008 erholt und staatliche Förderungen sind zusammen mit den Steuereinnahmen zurückgegangen.

In diesem Investitionsloch ist Impact Investing (II) aufgetaucht. II nutzt die Kraft der globalen Finanzmärkte, um Kapital für Projekte – häufig Start­up­ Unternehmen – aufzubringen, die sich in sozialer oder ökologischer Hinsicht rentieren. Die Investitionen zahlen sich für Investoren aus und generieren gleichzeitig eine stetige Einnahmequelle für gute Zwecke.

„Wir haben hier eine großartige Idee, die unsere Gesellschaft verändern kann. Sie nutzt die Finanzkraft, um die schwierigsten sozialen Probleme in Angriff zu nehmen“, erklärte der britische Premierminister David Cameron anlässlich einer internationalen II­Konferenz 2013. „Probleme, die für jede Regierung, jedes Land, jede Generation immer wieder frustrierend waren.“

3,8 MILLIARDEN US-DOLLAR, TENDENZ STEIGEND

II wurde 2007 von der Rockefeller Foundation ins Leben gerufen, hat sich aber mittlerweile weltweit etabliert. Laut einer Studie der US­amerikanischen Bank JPMorgan Chase zog der II­Markt allein 2013 schon 3,8 Milliarden US­Dollar neues Kapital an. JPMorgan Chase geht davon aus, dass dieser in den nächsten zwei Jahrzehnten bis auf 400 Milliarden US­Dollar wächst.

„Obwohl der Markt noch in den Kinderschuhen steckt, bemerken wir eine steigende Zahl von Investoren, die aktiv auf der Suche nach diesen Strategien sind“, so Luther M. Ragin Jr., CEO von Global Impact Investing Network (GIIN), einer gemeinnützigen Organisation, die sich für die Förderung von II einsetzt.

Wie funktioniert II? Stellen Sie sich ein britisches Unternehmen vor, das Altöl von Tankstellen und Autowerkstätten sammelt. Obwohl das Recyceln von Öl gut für die Umwelt ist, fällt ihm die Beschaffung von Startkapital schwer. Doch Bridge Ventures, ein II­Fondsmanager in London, brachte 460 Millionen US­Dollar Kapital aus einer Gruppe von Rentenfonds auf und bildete einen allgemeinen II­Fonds, der dem Unternehmen Kapital lieferte. Der Rentenfonds hatte eine Rendite zwischen 12% und 20%, vergleichbar mit den üblichen Zinsen am Markt.

„Finanzielle Inklusion und die Infrastruktur für erneuerbare Energien sind zwei Bereiche, die fantastische, risikobereinigte Renditen bringen – verbunden mit großartigem sozialen und ökologischen Nutzen“, sagt Adam Wolfensohn, der den Bereich Impact Investing von Wolfensohn Fund Management, L.P. (New York, London und New Delhi) leitet. Anthony Hewat, Geschäftsführer in Johannesburg, und der südafrikanische Lereko Metier Sustainable Capital Fund brachten letztes Jahr 690 Millionen Südafrikanische Rand (61 Millionen US­Dollar) auf, um neue, private Energieunternehmen in Afrika zu finanzieren, die erneuerbare Energien nutzen.

II WIRD VIELFÄLTIGER

Impact Investments bekommen ihr Kapital hauptsächlich von Rentenfonds und vermögenden Privatpersonen, die Kapital anlegen, aber sich gleichzeitig sozial engagieren möchten. So investierte beispielsweise ein großes US­amerikanisches Versicherungs­ unternehmen vor kurzem 120 Millionen US­Dollar in Anleihen, um einen Gebäudekomplex für Geringverdiener zu finanzieren. Die Zinsen auf diese Anleihen werden mit den Miet ­ e innahmen des Projekts gezahlt.

Ein Beraterteam sammelt Investoren­ kapital in einem II­Fonds und kauft dann Anteile an unters chiedlichen Unternehmen. Mittlerweile gibt es mehr als 280 II­Fonds, haup t sächlich in Europa und den USA, aber auch vereinzelt in ganz Asien, Afrika und Lateinamerika. Die Unterstützung mehrerer Projekte hilft dabei, das individuelle Risiko für Investoren zu reduzieren, da ihre Mittel in zahlreiche Aktivitäten fließen.

2013 kamen die Dachfonds ins Spiel. Sie bündeln das Geld der Investoren und arbeiten mit einem Vermittler, um in viele verschiedene II­Fonds zu investieren und so das Risiko zu mindern und die Tragweite jedes investierten Dollars zu steigern. Der erste war ein II­Fonds mit 55 Millionen US­Dollar der Schweizer Bank UBS, die Mittel von ihren Kunden mit großem Privatvermögen aufbrachte.

„Die ganze Vorstellung von verant­ wortungsbewusstem Verhalten ist jetzt viel mehr Teil unseres Denkens als noch vor einer Generation. Die nächste Generation wird sich daher dem Impact Investing sehr viel enger verbunden fühlen und mehr Interesse haben“, sagte Mario Marconi, Global Head of Family Services bei UBS.

Eine weitere Innovation ist der so genannte Social Impact Bond (SIB). Die Bank of America Merrill Lynch brachte im Dezember 2013 13,5 Millionen US­Dollar für den Bundesstaat New York auf. Dort wurde mit einem SIB ein Schulungsprogramm für ehemalige Häftlinge finanziert, um die Gefahr einer erneuten Straffälligkeit zu mindern. Die Unterstützung durch bundesstaatliche Regierungen gewährte den Investoren einen marktüblichen Zins und ein verringertes Risiko.

HERAUSFORDER UNGEN BLEIBEN

II kämpft nach wie vor mit einer Reihe von Hürden. Ein Problem ist die Größe. Die meisten institutionellen Anleger wollen in einer Größenordnung von 50 Millionen US­Dollar oder mehr investieren. Das Gesetz verbietet ihnen aber häufig, mehr als 20% eines Fonds zu besitzen. Da II­Fonds relativ klein sind, kann es für institutionelle Anleger schwierig werden, eine ausreichend große Investition zu finden.

Auch die Bestimmung des Risikos kann aufgrund fehlender Informationen schwierig sein. Viele Investoren wissen zum Beispiel, welches Risiko ein Kraftwerk in London bedeuten würde – aber wie sieht es mit einem ähnlichen Projekt in Sambia aus?

Dennoch sagen die Befürworter II eine rosige Zukunft vorher. „Wir spüren, dass wir kurz vor einer neuen unternehmerischen Revolution, einer sozialen Revolution stehen“, erklärt Sir Ronald Cohen, Vorsitzender der G8 Taskforce ‚Social Impact Investment‘, die von den acht größten Industrienationen der Welt organisiert wird. „Impact Investing weist auf eine echte Revolution hin, die durch Innovation entsteht.“ ◆

Charles Wallace war früher Auslandskorrespondent und schreibt von seinem Wohnort New York aus über Weltfinanzen.

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von Charles Wallace

Scannen Sie diesen Code ein, um sich anzusehen, was Luther Ragin von GIIN zu Impact Investing sagt: http://www.youtube.com/watch?v=PTA2BqXWjjc