COMPASS MAGAZINE #10
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AUTO UND FAHRER AUTO UND FAHRER, PARTNER IN SACHEN SICHERHEIT: Toyotas umsichtige Vision vom Autofahren der Zukunft

Bei Toyota ist man der Überzeugung, dass fahrerlose Autos nicht so schnell kommen, wie die meisten meinen. Der Hersteller setzt daher zunehmend darauf, die Beziehung zwischen Fahrer und Auto neu zu definieren. Compass berichtet über den neuesten Medienauftritt von Toyota.

I ch sitze auf dem Rücksitz eines Toyota Prius. Die Stadtautobahn von Tokio. Rushhour. Von meinem Platz hinter dem Beifahrer habe ich einen guten Blick auf den Fahrer.

Wir fahren mit 60 km/h, als der Fahrer die Hände vom Lenkrad nimmt. Trotzdem lenkt das Auto, während wir die Ausfahrt nehmen, bremst und beschleunigt, wie ein Mensch es tun würde. Unser Prius ist über Funk mit einem anderen vor uns verbunden. Eine Millimeterwellen­Frequenz hält den Abstand zwischen uns konstant, auch wenn das Tempo sich ändert.

Das ist für Toyota Motors der Stil des autonomen Fahrens – ermöglicht durch das Cooperative Adaptive Cruise Control System des Unternehmens. Obwohl mehrere Mitbewerber versprechen, bis 2020 autonome Fahrzeuge anzubieten, glaubt Toyota, dass es länger dauern wird, um die Zusammenarbeit zwischen Fahrer und Auto nachzubilden. Daher konzentriert man sich auf fahrerunter­ stützende anstelle von fahrerlosen Systemen.

Auf einer von Toyota gesponserten Pressetour stellte das Unternehmen kürzlich eine Reihe seiner Technologien vor:

Pre-Collision System. Auf einem großen Parkplatz mit eingezeichneten Parkplätzen erreicht das Auto Reise ­ geschwindigkeit, der Parkplatz ist bis auf einen abgestellten Transporter leer. Als sich das Auto mit Fahrer nähert, taucht ein mechanischer Dummy neben dem Transporter auf. Noch bevor der Fahrer reagiert, tritt das Auto auf die Bremse und lenkt nach rechts – an dem Dummy vorbei, ohne auszubrechen.

Panoramic View. Mit vier Weit­ winkelkameras außerhalb der Fahrgastzelle gewährt Toyota Fahrern den Blick auf das ganze Fahrzeug, so dass diese Fußgänger sehen können, die sonst im toten Winkel sind.

Lane Trace Control. Dieses System passt den Lenkeinschlag, die Geschwin­ digkeit und die Bremskraft des Autos an, um optimal in der Spur zu bleiben.

EINE ECHTE BEZIEHUNG

Um diese Arbeit weiter voranzutreiben, hat Toyota ein Collaborative Safety Research Center eingerichtet. Es betreut 26 Forschungsprojekte mit 16 Universitäten und Krankenhäusern weltweit. Das Zentrum in Ann Arbor, Michigan (USA), wird von Chuck Gulash geleitet.

Heutzutage müssen Fahrer Informationsbildschirme und Head­up­Displays im Auge behalten, während sie auch noch Sprachmeldungen und einer ganzen Reihe verschiedener Warntöne aus ­ gesetzt sind. Toyotas Ziel, so Gulash, sei es, eine „echte wechselseitige Bezie hung zwischen dem Fahrer und einem intelligenten Fahrzeug herzustellen“, wobei Auto und Fahrer als „Teamkollegen“ das gleiche Ziel verfolgen: Leben retten. „Die besten Teamkollegen lernen voneinander“, erklärt Gulash. „Sie schauen zu, hören zu und behalten Dinge. Sie passen sich an. Über die Zeit hinweg entsteht ein Vertrauensverhältnis.“

„TOYOTA WILL EINE ECHTE WECHSELSEITIGE BEZIEHUNG ZWISCHEN DEM FAHRER UND EINEM INTELLIGENTEN FAHRZEUG HERSTELLEN.”

CHUCK GULASH DIRECTOR, TOYOTA COLLABORATIVE SAFETY RESEARCH CENTER

Toyota nutzt die Microsoft Kinect Technologie, um sein Driver Awareness Research Vehicle (DARV) so zu program ­ mieren, dass es mehrere Fahrer erkennt. Bevor die Fahrt losgeht, besprechen das stehende Fahrzeug und der Fahrer das Ziel. Das Auto informiert den Fahrer über die Verkehrssituation und schlägt alternative Routen vor.

Toyota hat auch mit dem Fahrsimulator der Stanford University gearbeitet. Er zeichnet Gehirnaktivitäten, Augen­bewegungen und das Verhalten des Fahrers mittels Sensoren und Elektroden auf. „Der Simulator kann unmittelbar von einer vollautomatischen Kontrolle zu einer alleinigen Kontrolle durch den Fahrer oder einer kombinierten Kontrolle wechseln“, so Gulash. Solche Technologie könnte helfen, ein System zu schaffen, bei dem ein Auto, das selbst im autonomen Modus fährt, ein Warnsignal „Jetzt übernehmen“ an den Fahrer schickt, wenn die Bedingungen zu komplex werden, als dass sie autonom durch das Fahrzeug verwaltet werden könnten.

Aber können die Menschen überhaupt schnell genug reagieren, wenn ihnen das Auto plötzlich wieder die Kontrolle überlässt? Diese Frage ist mit ein Grund, weshalb das Unternehmen daran zweifelt, dass die breite Bevölkerung schon bald für vollautonome Autos bereit sein wird. Das Gleichgewicht zwischen Mensch und Maschine kann sich zu einem gewissen Grad verschieben, doch Gulash und sein Team glauben, dass die letztendliche Kontrolle den Menschen vorbehalten bleiben muss – zumindest zum jetzigen Zeitpunkt. ◆

von William J. Holstein Zurück zum Seitenbeginn
von William J. Holstein