COMPASS MAGAZINE #10
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DIE INNOVATION DER INFRASTRUKTUR Eine gemeinsame und effiziente Designplattform vereinfacht Großbauprojekte

Wachsende Bevölkerungen brauchen für ihr Wohlergehen eine größere und bessere Infrastruktur – Straßen, Brücken und andere öffentliche Einrichtungen, die Bauingenieure und Bauunternehmen für die öffentliche Hand entstehen lassen. Budgetüberschreitungen sind typisch für solche Projekte, dennoch sind sich Experten einig, dass sich viele Probleme durch eine verstärkte Zusammenarbeit aller Beteiligten lösen lassen.

Großbauprojekte inklusive der Infrastruktur für Wasser, Transport, Kommunikation, Energie und Abfallsysteme helfen Gemeinden zu funktionieren, sich weiterzuentwickeln und zu wachsen. Aber ein Großteil der weltweiten Infrastruktur ist unzureichend und marode, während wachsende Bevölkerungen doch gerade mehr davon bräuchten.

Laut McKinsey, einem New Yorker Beratungsunternehmen, müssen die globalen Investitionen in die Infrastruktur von heute bis 2030 um 60% erhöht werden, das entspricht 57 Billionen US-Dollar weltweit, um allein das geplante wirtschaftliche Wachstum zu unterstützen. Doch höhere Ausgaben sind nicht der Weisheit letzter Schluss: McKinsey schätzt, dass eine optimierte Produktivität des Bauwesens jedes Jahr 1 Billion US-Dollar einsparen könnte, sodass die Baubranche unter dem Druck steht, effizienter zu werden.

„Im Vergleich zum Bau von einzelnen Gebäuden sind großformatige Bauprojekte, die die Volkswirtschaften stärken, äußerst komplex,” erklärt Mark Hansford, Redakteur des New Civil Engineer, einer Fachzeitschrift der Baubranche. „Und da diese Projekte durch den Steuerzahler finanziert werden, unterliegen sie oft dem strengen Blick der Öffentlichkeit.“

Die Institution of Civil Engineers, ein internationaler Fachverband mit Sitz in London, nennt noch einen weiteren Grund für eine eingehendere Prüfung: Die rückläufige öffentliche Finanzierung von Bauprojekten erfordert, dass die öffentlichen Investitionen durch Privatkapital ergänzt werden. Private Geldgeber sind erfahren darin, jeden überflüssigen Cent aus einem Projekt herauszuquetschen. Dementsprechend zwingt ein gesteigertes Interesse an Projekten, die fristgemäß, innerhalb des Budgets und mit einem neuen Fokus auf Gewinnen realisiert werden, die Baubranche zu einer schnellen Anpassung.

GEMEINSCHAFTLICHE MODELLE

Bauprojekte sind häufig unwirtschaftlich aufgrund von „überholten und fragmentierten Geschäftsstrukturen, die zu einem mangelnden Wissensaustausch zwischen Experten und der Öffentlichkeit zu den vielschichtigen Problemen bei vielen großen und komplexen Bauprojekten führen“, sagt Andrew Hawes von Hawes Associates, einem britischen Hochwasserschutzberater für nationale und regionale Regierungen.

Hawes ist für die Schutzdeiche am Meer verantwortlich, die Land, Nutzpflanzen, Unternehmen und Häuser im Wert von Milliarden Dollar vor Überschwemmungen schützen. „Bei Projekten von dieser Bedeutung, mit dieser Komplexität, Größe und einem durchaus hohen Risiko brauchen Auftragnehmer und Interessenvertreter eine gemeinsame Plattform für den Austausch von Expertenwissen mit Design-, Bau- und Betriebsinformationen in Echtzeit“, sagt er.

Obwohl derartige Plattformen in der Produktion üblich seien, würden sie im Bauwesen nur selten eingesetzt, so Hawes. „Neue kollaborative Geschäftsmodelle könnten helfen, Abfall und Nacharbeit zu reduzieren, indem Projektteams und Hersteller vor Ort und darüber hinaus mit einbezogen werden.“

GENAU RICHTIG

Interdisziplinäre, kollaborative Plattformen könnten Bauprojekten auch dabei helfen, an das so dringend benötigte Kapital zu kommen, meint Matthieu Favas, Redakteur des InfrastructureInvestor.com, der über den Fluss des Privatkapitals in Infrastrukturprojekte berichtet. „Investoren verlangen Offenheit und Transparenz“, erklärt Favas. „Sie wissen, dass sie das Risiko senken können, wenn sie sicherstellen, dass Projektinformationen allen Beteiligten genau in dem Format zur Verfügung gestellt werden, das zu ihnen passt.“

Hochwertige Informationen, so Favas, könnten auch einen wichtigen Wettbewerbsvorteil bieten. „Investoren wollen einen schnellen Abschluss sehen, damit sie die Konkurrenz hinsichtlich der Einnahmequellen aus dem Rennen schlagen. Sie befürworten den Wissensaustausch, um eine Zusammenarbeit mit Regierungen, Auftragnehmern und der Öffentlichkeit zu erreichen.“

Im schnell wachsenden China sei eine effiziente Schaffung von Infrastruktur ein wichtiger Fokus – nicht nur aufgrund des von Investoren ausgeübten Drucks, sondern auch wegen des erforderlichen Tempos, sagt Lv Wei Zhang, Association Chief Engineer des IT Center vom Shanghai Municipal Engineering Design Institute (SMEDI). „Einer der Faktoren, die Chinas rasante Entwicklung begleiten, ist die Einführung einer Methode von ‚drei Parallelen‘“, erläutert Zhang. „Hierbei laufen die drei Prozesse – Planung, Design und Bau –parallel, sodass schon während des Designprozesses die Bauphase eingeläutet wird.“

Das Management eines Projekts, das sich während der Bauphase stets ändert, ist nach Zhang nur mit ausgefeilten Systemen machbar. „Durch unsere bauspezifische BIM-Lösung ist es viel einfacher geworden, Veränderungen am Entwurf, die häufig erforderlich sein können, durch den Einsatz von wissens- und templatebasierten Designtechniken vorzunehmen. So hat sich der Aufwand für unzählige Änderungen deutlich verringert.“

MENSCHEN BEWEGEN

In Saudi-Arabien, wo Newtecnic, ein britisches Bauunternehmen, momentan die Fassade des neuen, von Zaha Hadid entworfenen Metro-Systems im King Abdullah Financial District konstruiert, bestimmt die Zusammenarbeit die Notwendigkeit für fortschrittliche Bauingenieursysteme. Der mit mehreren Milliarden US-Dollar veranschlagte Verkehrsknotenpunkt liegt im Geschäftszentrum von Riad, wird ein großer Umsteigepunkt für die sechs neuen U-Bahn-Linien der Stadt sein und Zugang zum Monorail-Netz der Stadt wie auch zum King Khalid International Airport und zu den außerhalb liegenden Universitäten bieten. Das Projekt nutzt ein gemeinsames Informationssystem, um die Ziele der unterschiedlichen Gruppen abzustimmen. „Es stellt sicher, dass alle Parteien involviert sind und gleichzeitig an aktuellen Designs und entsprechenden Informationen sinnvoll zusammenarbeiten können“, erklärt Andrew Watts, Gründer von Newtecnic.

„DATEN ZU ZUGÄNGLICHEM WISSEN ZU MACHEN, SORGT FÜR EINE BESSERE BETRIEBLICHE EFFIZIENZ UND FINANZIELLE ERTRÄGE FÜR DAS BAUWESEN.“

ANDREW WATTS GRÜNDER, NEWTECNIC

Der nächste logische Schritt für große Infrastrukturprojekte, so Watts, sei „die Nutzung einer Technologie, die die Fragmentierung reduziert, die Dokumentation vereinheitlicht und die Design- und Bauphase zuverlässig durch simultan laufende, flexible und gemeinsame Arbeitsmethoden beschleunigt. Daten zu zugänglichem Wissen zu machen, sorgt für eine bessere betriebliche Effizienz und finanzielle Erträge für das Bauwesen, für Investoren und Interessenvertreter, während gleichzeitig mehr wirtschaftliche und soziale Vorteile für jeden geboten werden.“

von Nick Lerner Zurück zum Seitenbeginn