COMPASS MAGAZINE #10
COMPASS MAGAZINE #10

EFFIZIENZ IM ENTWURF Mit Visualisierungstechnologien gestaltet die A. Zahner Company die Gegenwart und plant die Zukunft

Seit fast 120 Jahren ist die US-amerikanische A. Zahner Company ein Vorreiter in Sachen Technologie und Innovation in der Architektur und Baubranche. Nun hat das Unternehmen eine cloudbasierte Lösung für den Entwurf und die Planung eingeführt, um die Kommunikation in dieser oftmals schnelllebigen, fragmentierten Branche zu erleichtern. Compass Magazine sprach mit L. William Zahner, CEO und Präsident von A. Zahner, darüber, wie das Unternehmen in diesem risikoreichen Markt seinen Erfolg und seine Innovationsstärke ausbaut.

Die A. Zahner Company ist ein Familienunternehmen. „Genau genommen sind es 210 Familien; eine für jeden unserer Mitarbeiter“, sagt L. William Zahner, CEO und Präsident.

Die Architektur- und Baufirma wurde im Jahr 1897 gegründet und fertigte zunächst dekorative Metallsimse für Gebäude. In der nunmehr vierten Generation konzipiert, entwirft, fertigt und installiert Zahner gemeinsam mit führenden Architekturbüros, wie Frank Gehry und Zaha Hadid Architects einige der innovativsten Gebäude der Welt.

Das Unternehmen beschäftigt 30 Architekten, weitere 90 Mitarbeiter sind in der Produktion und für die Montage angestellt; der Jahresumsatz liegt bei ca. 50 Mio. US-Dollar. „Wir kombinieren Erfahrung mit Qualifikation, Technologie und Handwerk, vereinfachen so komplexe Aufgaben und errichten Gebäude pünktlich und innerhalb oder sogar unterhalb des Budgets“, sagt Zahner.

Die Firma arbeitet an markanten Architekturprojekten, deren Entwurfsabsicht trotz der ineffizienten Komplexität „einer sehr fragmentierten Baubranche“, wie Zahner sie nennt, gewahrt bleiben muss. In diesem häufig unstrukturierten Umfeld ist das Unternehmen bestrebt, das größte Problem der Baubranche zu reduzieren: das Risiko.

EIN RISKANTES GESCHÄFT

„Wir arbeiten an Großprojekten, die sehr komplex erscheinen und noch nie realisiert wurden. Deshalb tragen wir ein sehr hohes Risiko in dieser Branche, in der bekanntermaßen das Budget oft gesprengt wird und man schnell vor Gericht endet“, sagt Zahner. Um das Risiko zu reduzieren und die Projektkosten zu senken, setzt das Unternehmen ein cloudbasiertes 3D-Visualisierungsprogramm ein, um Entwürfe zu präsentieren und genau zu definieren, wie diese konstruiert und realisiert werden. „Damit reduzieren wir Ausschuss, Arbeitszeit, Materialbedarf, Gewicht und Kosten und verbessern die Qualität“, sagt er.

Die Komplexität ergibt sich aus der Tatsache, dass das Unternehmen mit vielen verschiedenen Eigentümern, Partnern, Projektbeteiligten, Baufirmen und Interessengruppen, darunter auch Stadtplaner und Behörden, in Kontakt ist, während es immer größere und komplexere Bauwerke entwickelt. Allzu oft limitieren vermeintliche Risiken nach Zahners Auffassung die Kreativität und bremsen Innovationen aus.

Doch wenn die Firma ihre Ideen und Pläne vorstellt, indem sie diese visuell und digital in der Cloud darstellt, kann sie ihre Vision für jeden verständlich und in jeder Sprache erläutern, ganz gleich, welchen Kenntnisstand die Personen haben. Dieses Vorgehen steht im Einklang mit der 2016 von der britischen Regierung erlassenen „Construction Strategy“, die besagt, dass bessere Beziehungen zwischen Auftraggebern und allen Projektbeteiligten wichtig sind, um Innovationen zu fördern und Risiken zu senken. Kostentransparenz und Zusammenarbeit verbessern letztendlich das Preis-Leistungs-Verhältnis.

HOHE ERWARTUNGEN

„Bauen ohne geradlinige Abläufe kann verwirrend sein“, sagt Zahner. „Unsere Aufgabe ist es, das einfach zu gestalten. Dadurch sind die Menschen eher geneigt, neue Ideen zu entwickeln, zusammen daran zu arbeiten und daraus etwas Innovatives zu erschaffen.“ Ein besseres Verständnis steigert auch die Effizienz, weil sich redundante Vorgänge reduzieren und bis zu 20% der Projektkosten einsparen lassen. Erst kürzlich hat Zahner dieses Verfahren angewendet, um die Redundanzen beim Bau eines Gerichtsgebäudes zu verringern, das 6 Mio. US-Dollar über dem Budget lag; die Firma schloss das Projekt 1,5 Mio. US-Dollar unter dem ursprünglichen Budget ab.

Der Inner Arbor Trust (IAT) beauftragte die A. Zahner Company mit Planung und Bau des Chrysalis Amphitheaters in Columbia, Maryland (entworfen von Marc Fornes & THEVERYMANY aus New York). Der Präsident und CEO des IAT, Michael McCall, sagt, der 460m² große und komplett aus geschwungenen Bögen bestehende Veranstaltungsort „wird wie ein lebendiger Teil der Umgebung wirken und mit dem Wald und dem Himmel verschmelzen.“

„Indem wir über cloudbasierte 3D-Dashboards an unseren Entwürfen und Ideen arbeiten, können wir Fortschritte besser erkennen und selbst die feinsten Details dieses komplexen Projekts verstehen, auch wenn wir uns nicht am selben Ort befinden“, sagt McCall. „Das gibt uns Vertrauen in den Entwurf und ist einfach zu bedienen.“ McCall schätzt zudem, dass „in einer Zeit der Transparenz die Software Schwierigkeiten und Lösungen deutlicher aufzeigt und Probleme erkannt werden. Die andernfalls nicht sichtbar wären. Die Tatsache, dass die A. Zahner Company Cloudlösungen einsetzt, hat uns davon überzeugt, dass sie auf dem neuesten Stand ist und zu den Führenden der Branche gehört.“

„Mit neuen Spin-off-Unternehmen, die Arbeitnehmerbeteiligungen und Erfolg für jeden ermöglichen, erfinden wir uns immer wieder neu, um weiterhin zur Branchenspitze zu gehören.“

L. William Zahner Präsident und CEO, A. Zahner Company

In den spektakulärsten Entwürfen der heutigen Zeit, die mit beeindruckenden geschwungenen Fassaden aufwarten, spielen präzise Kanten und Übergänge die Hauptrolle für eine ansprechende Ästhetik.„Wir arbeiten an wunderschönen Gebäuden, die einen wunderschönen Feinschliff benötigen“, sagt Zahner. „Wir erstellen digitale Visualisierungen von Gebäuden, die manche Kunden für nicht realisierbar halten. Darum laden wir sie in unser Werk ein, zeigen ihnen reale Beispiele und belegen, dass Entwürfe umsetzbar sind, die all ihre Erwartungen übertreffen und viel schöner sind, als sie je für möglich gehalten haben.“

Eines dieser Gebäude ist das Petersen Automotive Museum in Los Angeles, das im Dezember 2015 nach einer 90 Mio. US-Dollar teuren Renovierung eröffnet wurde. Der Architekturkritiker der Los Angeles Times, Christopher Hawthorne, beschrieb die neue, von der A. Zahner Company gefertigte Fassade aus Edelstahl und rotem Aluminium als „die extrovertierteste Fassade, die je in einer Stadt errichtet wurde, die für ihren architektonischen Übermut berühmt (und in einigen Stadtteilen auch berüchtigt) ist.“

INTELLIGENTERE ZUKUNFT

Nach 120 erfolgreichen Jahren als Familienunternehmen wird nun in zukünftige Generationen investiert. „In der Zukunft werden sich Gebäude dynamisch an ihre Umgebungen anpassen und Strukturen besitzen, die auf die Anforderungen intelligenter Städte, intelligenter Bewohner und veränderter klimatischer Bedingungen reagieren“, sagt Zahner. „Es werden neue Oberflächen erfunden, die Energie erzeugen und speichern und sogar die Luft reinigen können. Roboter werden den Großteil der eigentlichen Bauarbeiten übernehmen. Vielleicht gibt es auch irgendwann Master Designer, also Menschen, die Lösungen für die fragmentierte Baubranche und die ineffiziente Rolle der traditionellen Baumeister entwickeln und Technologien einsetzen, um alles perfekt zusammenzufügen.“

Gemäß dem Unternehmensmotto „be smarter tomorrow“ erforscht und entwickelt die A. Zahner Company Geschäftsabläufe, die mittels Cloudtechnologie das Wissen und die Erfahrung erfassen und anwenden, damit jeder stets gut informiert ist und bestmöglich arbeiten kann. „Mit neuen Spin-off-Unternehmen, die Arbeitnehmerbeteiligungen und Erfolg für jeden ermöglichen, erfinden wir uns immer wieder neu, um weiterhin zur Branchenspitze zu gehören“, sagt Zahner. So ist gewährleistet, dass moderne Technologie, Roboter, neue Denkweisen, eine starke künstlerische Ausrichtung und eine Machermentalität die Familien dieses Unternehmens auch durch die nächsten 120 Jahre führen werden

von Nick Lerner Zurück zum Seitenbeginn
von Nick Lerner

L. William Zahner shares the design process behind the Chrysalis amphitheater: http://3ds.one/Chrysalis