COMPASS MAGAZINE #10
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FAHRZEUGBAU UND MOBILITÄT AUTONOME AUTOMOBILE: Stressfreies und sicheres Fahren mit selbstfahrenden Fahrzeugen

T. E. “Ed” Schlesinger ist Dekan der Fakultät für Ingenieurwissenschaften an der Johns Hopkins University in Baltimore, Maryland (USA), und gründete während seiner Anstellung an der Carnegie Mellon University gemeinsam mit General Motors das Collaborative Research Laboratory on Autonomous Driving. Als Experte für die Entwicklung von Systemen für selbstfahrende Autos glaubt er, dass schon innerhalb der nächsten 15-20 Jahre das Zeitalter der autonomen Fahrzeuge anbrechen wird.

COMPASS: Fahrzeughersteller schließen sich mit Google, Apple oder Microsoft zusammen, um Betriebssysteme zu entwickeln, die Autos mehr Autonomie verleihen. Warum gerade jetzt?

ED SCHLESINGER: Der Mehrwert von Autos definiert sich zunehmend durch die IT­Infrastruktur, die sowohl im Fahrzeug selbst wie auch für die Kommunikation der Fahrzeuge untereinander genutzt werden kann. Es geht also vor allem um wirtschaftliche Aspekte. Die Menschen werden immer Wert auf Stil und Komfort legen. Aber Technologien, die Sicherheit und Konnektivität ver­ sprechen, werden immer wichtiger.

Die US-Verkehrssicherheitsbehörde vermeldete kürzlich, dass alle Fahrzeuge ihren Standort, ihre Geschwindigkeit und andere Daten übermitteln sollten.

ES: Das ist der Startschuss für den Ausbau dieser Infrastruktur. Man stelle sich nur die Fahrzeuge vor, die miteinander, aber auch mit anderen Geräten und Systemen auf dieser Welt kommunizieren können.

Wie wird sich also das autonome Fahren praktisch umsetzen lassen?

ES: Es muss eine gewisse Standardisierung geben. Es darf nicht passieren, dass Fahrzeuge und Geräte unterschiedlicher Hersteller nicht zuverlässig miteinander kommunizieren können. Wahrscheinlich wird es ähnlich werden wie bei den Flugsicherungssystemen. Denn wir erwarten ja auch von einem Airbus und einer Boeing, dass beide so miteinander vernetzt werden können, dass alles problemlos funktioniert.

Wird es keinen Wettbewerb zwischen Herstellern aus Nordamerika, Europa, Japan, Südkorea und China geben, bei dem jeder sein eigenes System entwickelt?

ES: Ich glaube, es wird anfangs schon ein Gerangel darum geben, wer den Standard setzen darf. Das konnten wir schon bei anderen Technologien beobachten. Wenn Sie sich früher in einem Land eine DVD gekauft hatten, so konnten Sie diese nicht unbedingt auf einem Gerät abspielen, das aus einem anderen Land stammte. Es ist aber nicht erstrebenswert, Autos zu bauen, die nur in den Vereinigten Staaten oder nur in Europa vernetzt funktionieren. Ich denke, dass alle Hersteller der Welt bemüht sein werden, sich auf einen Standard zu einigen.

„DER MEHRWERT VON AUTOS DEFINIERT SICH ZUNEHMEND DURCH DIE IT-INFRASTRUKTUR.”

ED SCHLESINGER DEKAN DER FAKULTÄT FÜR INGENIEURWISSENSCHAFTEN, JOHNS HOPKINS UNIVERSITY

Sie glauben also, dass die Unstimmigkeiten aus der Welt geschafft werden können, damit komplett autonome Fahrzeuge realisierbar sind?

ES: Ja, ich persönlich bin der Meinung, dass wir immer größere Autonomie bis hin zur vollständigen Autonomie errei ­ chen werden. Autonome Fahrzeuge wird es anfangs nur in Nischen­ anwendungen geben. Beispielsweise werden die 18­Rad­Lkw in Häfen autonom sein. Oder die Shuttle­Busse auf Flughäfen. Es wird eigene Fahrspuren zwischen Los Angeles und San Francisco geben und Lkw werden 80% der Strecke autonom fahren. Wenn sie kurz vor San Francisco sind, steigt ein Fahrer zu und wird den schwierigeren Streckenabschnitt übernehmen.

Und das wird alles sicherer sein als heute?

ES:
Ich bin absolut überzeugt, dass autonome Fahrzeuge sicherer sind, ähnlich wie im Flugverkehr. Jeder weiß, dass Fliegen statistisch gesehen viel sicherer ist als Autofahren. Das System basiert auf sehr ausgereiften Maschinen und die Piloten sind extrem gut ausgebildet, überwacht und überprüft. Ebenso wird es mit autonomen Autos sein. Es besteht nicht mehr die Gefahr, dass Menschen müde werden, betrunken fahren oder sich ablenken lassen. Die Fahrzeuge werden von selbst Verkehrsmuster erkennen und die optimale Route wählen, und die Straßen werden nicht mehr so überfüllt sein. Es wird viel weniger Unfälle geben. Und aggressives Fahren wird der Vergangenheit angehören.

Wenn dieses System einmal in Betrieb ist, wird man zurückdenken und sich fragen: „Kannst du dir vorstellen, dass sich jeder 16­Jährige hinter das Steuer eines tonnenschweren Autos setzen und einfach losfahren durfte?“ Es wird uns absurd vorkommen, dass so etwas einmal erlaubt war. ◆

von William J. Holstein Zurück zum Seitenbeginn
von William J. Holstein

Scannen Sie den Code ein, um Carnegie Mellons selbstfahrendes Fahrzeug in Aktion zu sehen : http://www.youtube.com/watch?v=kW5AnrtVor8