COMPASS MAGAZINE #10
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WECHSELSEITIGE IMPULSE AKKA Technologies treibt Forschung durch branchenübergreifendes Wissen voran

AKKA Technologies nutzt seine Erkenntnisse, die es als globaler Dienstleister für die Luftfahrt-, Automobil-, IT- und Energiebranche gewinnt, um Innovationen zu entwickeln, indem es Ideen aus einem Industriezweig in einen anderen überträgt und schaut, was daraus entspringt. Der Aufsichtsratsvorsitzende und CEO der AKKA-Gruppe, Maurice Ricci, erläutert, wie dieses Konzept funktioniert. 

COMPASS: AKKA führt viele neue Technologien und Ideen ein. Wie schaffen Sie das?

MAURICE RICCI: Wir haben ein Forschungszentrum, das AKKA Research. Wir beschäftigen Ingenieure aus unterschiedlichen Fachrichtungen, wodurch das Know-how von einer Branche auf die andere übergehen kann. Das fördert die interne Zusammenarbeit, weil die Ingenieure miteinander reden. AKKA Research macht sich in Sachen Innovationsgeist absolut bezahlt. 

Welchen Wert bietet diese branchen-übergreifende Bündelung ihren Partnern?

MR: Nehmen wir beispielsweise die Technologie hinter dem Link & Go- Konzept. Sie stammt nicht aus der Automobilbranche, sondern aus der Luftfahrt. Und sie enthält Ideen aus dem Schienenverkehr und dem öffentlichen Nahverkehr.

Sie erwähnten Link & Go. Können Sie das Konzept erklären?

MR: Unser Link & Go-Konzept ist genau genommen die zweite Generation eines Gedankengangs, der vor vielen Jahren mit den Elektrofahrzeugen seinen Lauf nahm. Link & Go ist heute ein autonomes Fahrzeug, das eine digitale Landkarte oder ein Modell der Umgebung – also der Stadt – verwendet.

Link & Go 2.0 kommuniziert mit intelligenten Infrastrukturen, wie Verkehrsschildern, Ampeln, Mautstationen und Straßen, und auch mit Smartphone-Apps. Als Teil einer Infrastruktur, die alle Transportmittel umfasst und somit sicheres Reisen ermöglicht, könnten die Kosten gesenkt und der CO2- Ausstoß minimiert werden.

Link & Go 2.0 hat offenbart, dass autonome Fahrzeuge ein enormes Datenwachstum verursachen werden. Wie können wir uns darauf vorbereiten?

MR: Wenn eines Tages Autos und andere Fahrzeuge zu vernetzten Objekten werden, wie es unsere Smartphones heute schon sind, wird es zu viele Daten geben, um alle aufnehmen zu können. Darum brauchen diese Fahrzeuge eine integrierte Datenautonomie, eine eigene Entscheidungskompetenz, um die Sicherheit von Fahrzeug, Daten und IT zu gewährleisten. Aber je mehr Sicherheit man einbaut, umso größer wird das Problem der Datenspeicherung und des Datenzugriffs. Regierungen und Behörden müssen einsehen, dass Regeln aufgestellt werden müssen. Die digitale Industrie arbeitet bereits an den Bauteilen, aber wir müssen auch die Mentalität der Nutzer verändern.

Es scheint, als würden Sie gezielt über die unmittelbaren und offensichtlichen Herausforderungen hinausblicken. Ist das Absicht oder liegt Ihnen das im Blut?

MR: Es liegt in den Genen unseres Unternehmens und unserer Gruppe, technische Entwicklungen, aber auch die Bedürfnisse und Probleme unserer Kunden zu verstehen und vorherzusehen, um bereit zu sein, diese zu meistern.

Wie schaffen Sie es als Lieferant, Innovationen als routinemäßigen Mehrwert anzubieten?

MR: Ich nenne Ihnen ein Beispiel. Wir haben 2013 mit dem Link & Go ein neues Konzept für urbane Mobilität vorgestellt. Das war nicht länger ein Auto, das man besitzt und selbst fährt, sondern eine rollende Lounge, in der Passagiere die Reisezeit auf beliebige Weise nutzen können. Heutzutage sehen wir diverse Adaptionen des Lounge-Konzepts in autonomen Fahrzeugen. Am beeindruckendsten ist das von Mercedes Benz präsentierte Konzept-Fahrzeug F015 Luxury in Motion.

Wir zeigen den Weg zu etwas Neuem, und wir besprechen und leben Innovationen jeden Tag.

Wie konnten die Ingenieurwissen-schaften die Zukunft von Transportwesen und Mobilität mitgestalten?

MR: Als wir 2009 mit unserem Link & Go- Konzept begannen, bestand die Mehr-heit der Elektrofahrzeuge aus Autos, deren Verbrennungsmotor durch einen Elektromotor ersetzt wurde. Fahrzeuggröße und Passagierkapazität sowie Reichweite und Sicherheit waren die größten Schwierigkeiten, denen sich Link & Go-voller Einfallsreichtum annahm. Wir haben das Problem der Passagierkapazität durch Drive-by-Wire gelöst, das ist ein ähnliches Konzept wie Fly-by-Wire in der Luftfahrt. Und wir haben Energieabsorptionssysteme entwickelt, mit denen selbst kleine Fahrzeuge Kollisionen überstehen und die Crashtests bestehen.

Wie werden sich Innovationen auf das Transportwesen und die Mobilität in den kommenden Jahren auswirken?

MR: Ich glaube, dass auf Initiativen wie in Kalifornien und Deutschland, die Testfahrten auf öffentlichen Straßen erlauben, weitere folgen werden. Der Prozess wird sich beschleunigen. Politiker werden sich weiteren Aufgaben widmen müssen, wie dem Umweltschutz und den Verkehrsregeln für solche Fahrzeuge im Stadtverkehr. Wenn eine solide Basis gefunden ist, wird man auf politischer Ebene schneller bessere Vorschriften erarbeiten können.

Wie werden diese innovativen Fahrzeuge Ihrer Meinung nach angenommen?

MR: Vor 30 Jahren haben junge Leute davon geträumt, sich einen Ferrari zu kaufen. Ich bin mir nicht ganz sicher, dass dieselben jungen Leute es heute traumhaft fänden, ein Auto zu fahren, das keinen Lärm macht, selbstständig einparkt und komplett anders ist. Wir müssen den Menschen Zeit geben, Ihre Meinung über Fahrzeuge zu revidieren. Das sind keine Autos mehr, wie wir sie kennen. Das ist etwas anderes. Es ist eine andere Art der Mobilität.

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von Thomas A Cannell