COMPASS MAGAZINE #10
COMPASS MAGAZINE #10

HOCHEFFIZIENTER EINZELHANDEL Technologie-Partnerschaften lassen die Grenzen zwischen physischen und virtuellen Läden verschwimmen

Eine wegweisende Partnerschaft der Unternehmen SES-imagotag, Atos und Dassault Systèmes sorgt für eine nahtlose Verbindung zwischen dem virtuellen Shop und dem physischen Ladengeschäft. Durch die Kombination elektronischer Etiketten mit digitalen Diensten auf der 3DEXPERIENCE Businessplattform ermöglicht diese Partnerschaft Services wie Click&Collect, sodass der Kunde Waren online kaufen und dann im Laden abholen kann. Compass sprach mit Guillaume Portier, Vice President Marketing, SES-imagotag, über das Projekt.

COMPASS: Mit welchen wichtigen Herausforderungen sind die Unter- nehmen der Verbrauchsgüterindustrie und der Einzelhandel konfrontiert, wenn es um die Optimierung von Marken und Kategorien geht?

GUILLAUME PORTIER:Einzelhändler müssen die Effizienz optimieren und in allen Kommunikationskanälen ein einheitliches Einkaufserlebnis schaffen. Services wie Click&Collect machen heute in Frankreich über 10% des Gesamtumsatzes im Lebensmittel-Einzelhandel aus. Ein- zelhändler müssen sicherstellen, dass die Mitarbeiter die bestellten Produkte schnell finden. Oft übernehmen neue Mitarbeiter oder Praktikanten die Kom- missionierung und können bei Tausenden von geführten Artikeln oft nicht genau wissen, wo sich das gewünschte Produkt befindet. Dies ist ein Problem, da ein Artikel, der falsch platziert ist, eine verpasste Absatzchance bedeuten kann.

Darüber hinaus müssen Einzelhändler darauf achten, Marken wie vertraglich vereinbart zu positionieren. Herkömmliche Einzelhändler und Läden müssen sich anpassen und die digitalen Möglichkeiten nutzen, um produktiv und effektiv zu bleiben.

PROFIL

Guillaume Portier ist Vice President der Marketing-Abteilung bei SES-imagotag. Dieses Unternehmen spezialisiert sich auf elektronische Regaletiketten für den Einzelhandel. Er verantwortet diesen Bereich seit fast fünf Jahren und hat die Markteinführung vieler innovativer Produkte für die Einzelhandels- industrie begleitet. „Ich arbeite mit den R&D- und Verkaufsabteilungen zusammen, um neue Produkte ins Leben zu rufen und auf den Markt zu bringen“, so Portier. „SES-imagotag investiert viel in R&D, und meine Aufgabe ist es, eine Idee von der Innovation bis zur Markteinführung zu begleiten, damit sie Wirklichkeit wird.“

 
 
Was ist der Hintergrund des gemeinsamen Projekts von SES-imagotag, Atos und Dassault Systèmes?

GP: Es gibt großartige Synergien zwischen den Projektpartnern. Unsere Vision ist es, unser Wissen und unsere Fähigkeiten zu kombinieren, um das Ladengeschäft in 3D virtuell nachzubilden und Echtzeit- Informationen zu jedem Produkt anzuzeigen. Dies erfolgt mit elektronischen Regaletiketten (ESL) und 3D-Modellen, um das physische Geschäft mit dem virtuellen Modell zu verknüpfen.

Wir haben das Konzept vor drei Jahren in einem kleinen Ladengeschäft in Frankreich zum ersten Mal getestet. Heute nutzt auch ein Supermarkt in der Nähe von Paris dieses System. Bei dem Projekt geht es zunächst hauptsächlich um die Optimierung der Lieferkette und darum, dem Supermarkt helfen, alle vorrätigen Produkte zu lokalisieren, um Click&Collect-Dienste effizient zu gestalten.

Wie werden innovative Technologien bei diesem Projekt eingesetzt?

GP:Elektronische Regaletiketten (ESL) werden bereits heute benutzt, um Ver- brauchern Informationen intelligent bereitzustellen. Nun kombinieren wir diese ESL mit einem Ortungssystem, um den Mitarbeitern die genaue Position jedes Produkts im Supermarkt zu melden. Die Informationen werden von der Software gesammelt und ermöglichen eine perfekte 3D-Ansicht des Ladengeschäfts. Der Einzelhändler kann so zu jedem Zeitpunkt sehen, wo sich die Produkte befinden. Sobald ein Produkt umplatziert wird, kann dies in 3D nach- verfolgt werden, mit allen damit verbundenen Kennzahlen. Durch die Bündelung der Technologien kann darüber hinaus bei allen mit diesem System ausgestatteten Ladengeschäfte der theoretische Plan mit der Realität im Geschäft verglichen werden. Das Ergebnis zeigt in Echtzeit, ob die Auflagen für die Vermarktung beachtet wurden, und erlaubt den Einzelhändlern schnellere und intelligentere Entscheidungen.

Welche Vorteile hat das Projekt bis jetzt geschaffen?

GP: Das Projekt liefert präzise Echtzeit- Informationen über die Position von Produkten. Daher kann die Kommissionierung von Produkten im Laden verbessert werden. Vor Beginn des Projekts konnten Mitarbeiter des Supermarkts im Schnitt 50 Produkte pro Stunde kommissionieren, nun sind es über 100. Außerdem konnte die Warenkorbgröße erhöht werden: Wenn ein Artikel falsch platziert ist, kann er trotzdem gefunden werden. Damit senkt sich die Zahl der scheinbar nicht vorrätigen Produkte.

Das System erlaubt außerdem Berichte in Echtzeit über die Einhaltung von Marken-Verträgen. Zudem ist eine neue Art und Weise der Zusammenarbeit mit den Markenunternehmen möglich: Einzelhändler können im 3D-Modell Alternativen ausprobieren und sehen, ob eine andere Lösung vielleicht besser funktionieren würde. Auch die Arbeits- weise der Einzelhändler kann sich durch mehr Daten, höhere Genauigkeit und bessere Vertragseinhaltung ändern – was eine deutlich bessere Rentabilität ermöglicht.

Durch die digitale Entwicklung ist heute eine Transformation der Lieferkette vom Anfang bis zum Ende möglich. Außerdem gibt es viele Produktdaten und Daten über die Interaktionen der Kunden mit ESL. Die Einzelhändler können alle diese Daten in Echtzeit erfassen und analysieren, um die Produktpositionierung im Regal zu verbessern und ein besseres Einkaufserlebnis zu schaffen.

Welche Errungenschaften der Zusammenarbeit erfüllen Sie mit Zufriedenheit?

GP: Eine innovative Lösung in einem realen Ladengeschäft mit echten Kunden sieben Tage in der Woche in die Praxis umzusetzen, ist eine echte Herausforderung. Wegen des Pilotcharakters wird das virtuelle Ladenprojekt kontinuierlich beurteilt um zu sehen, wie das Projekt läuft, und bei Bedarf entsprechend Korrekturen vornehmen zu können. Es ist wichtig, mit einem echten Ladengeschäft zu arbeiten, um zu zeigen, wie Unternehmen in der Praxis von der Lösung profitieren können. Ich bin stolz auf das, was wir erreicht haben. Das Projekt hat bei allen Beteiligten sehr viel Begeisterung ausgelöst.

Was ist der nächste Schritt?

GP: Im Moment ist das primäre Ziel, den Vermarktungsexperten, den Supply- Chain- und IT-Managern den Bau von hocheffizienten Ladengeschäften zu ermöglichen.

Letztendlich liefern wir eine leistungs- fähige Applikation für die OmnikanalRevolution, indem wir die Transformation im Einzelhandel beflügeln. Es besteht die Möglichkeit, weitere Module und Funktionen zu integrieren, und Einzelhändler könnten das 3D-Ladenmodell benutzen, um das Online-Einkaufserlebnis der Kunden weiter zu verbessern. Auch die Vermarktung eines Produkts könnte mit 3D-Modellen völlig neu gestaltet werden.

Wir freuen uns auf die gemeinsame Teilnahme mit Atos und Dassault Systèmes an der Messe Retail‘s BIG Show der National Retail Federation 2017 in den USA. ◆

von Jacqui Griffiths Zurück zum Seitenbeginn
von Jacqui Griffiths

SES-imagotag unter:
www.ses-imagotag.com
 
Atos unter:
www.atos.net
 
Perfect Shelf unter: 
http://bit.ly/APerfectShelf