COMPASS MAGAZINE #10
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Maschinen- und Anlagenbau INTEGRIERTE UNTERNEHMEN: Integration stärkt die Wettbewerbsfähigkeit von Anlagenbauern

Immer ausgefeiltere Produkte, komplexere Lieferketten und anspruchsvollere Kundenwünsche setzen Anlagenbauer enorm unter Druck. Compass sprach mit Mike Evans, dem Gründer des Marktforschungs- und Beratungsunternehmens Cambashi, über Strategien zum Umgang mit der zunehmenden Komplexität der Branche.

COMPASS:  Vor welchen Heraus­forde­rungen stehen Maschinenbauer aktuell?

MIKE EVANS:  Anlagenbauer müssen die Markteinführungszeiten von neuen Maschinen verkürzen, dabei Kosten reduzieren und höhere Sicherheit und Zuverlässigkeit gewährleisten. Sie müssen darüber hinaus strenge Normen und Vorschriften einhalten.

Die Kunden fordern auch, dass moderne Maschinen mehr können als je zuvor und mit modernem Monitoring, Sensoren und Automatisierungs­technik eine höhere Funktionalität aufweisen. Diese hohe Komplexität ist eine große Herausforderung und erschwert es, effektiv am Wettbewerb teilnehmen zu können.

Wie die meisten Firmen müssen sich auch die Anlagenbauer innerhalb ihres Unternehmens, aber auch darüber hinaus, global vernetzen. Viele Unter­nehmen, die den Vertrieb, das Design, die Entwicklung und die Installation bisher intern bewältigt haben, gliedern solche Spezialgebiete nun aus. Aber die Koordination mehrerer Informations­kanäle ist problematisch. Werden diese nicht miteinander verknüpft, werden durch die Wiederholung von Tätigkeiten und durch Fehler in der Entwicklung und Produktion Arbeitszeit und Kapital vergeudet.

Wie können Anlagenbauer diese Komplexität bewältigen, um die Kundenzufriedenheit zu steigern?

ME: Die Firmen setzen verstärkt auf kundenzentrische Teams, bei denen sich die Fähigkeiten und Aufgaben der Teammitglieder an den Bedürfnissen des Kunden orientieren. Sie müssen im Interesse der Kunden Maschinen herstellen und einbauen, die keine Ausfallzeiten haben.

Das ist kein bescheidener Wunsch. Wie ist das zu realisieren?

ME: Dazu braucht es unbedingt eine integrierte Arbeitsmethodik, bei der die Kunden mittels einer Simulation genau sehen, was sie kaufen, weil die Maschinen bereits virtuell in die Fabrik des Kunden integriert werden können, bevor sie überhaupt gebaut werden. Dadurch passieren weniger Fehler und die Kunden sind zufriedener. Bei der integrierten Arbeitsmethodik kommen alle Teilbereiche eines Vor­ha­bens miteinander in Berührung. Kunde, Lieferkette, Produktdaten, Mechatronik und Software werden auf einer Plattform zusammengefasst, auf die alle Beteiligten Zugriff haben.

Welche wirtschaftlichen und technischen Vorteile hat das?

ME: Durch die Synchronisierung der Anforderungen steigt die Effizienz. Dadurch lassen sich die Funktionalität einer Maschine und gleichzeitig auch deren Leistung steigern. Mit der höheren Leistung der Maschinen steigt die Rentabilität weiter und es werden wiederum höhere Investitionen in neue Maschinen möglich, die noch mehr Arbeiter ersetzen können. Und diese Aufwärtsspirale dreht sich stetig weiter.

Die Technologie macht es möglich. Richtig eingesetzt führt moderne und integrierte Technologie zu höherer Präzision, ermöglicht Fernüberwachung und schafft Maschinen, die beispielsweise automatisch Verschleißerscheinungen ausgleichen, um die Genauigkeit zu erhöhen. Durch diese Fortschritte steigt die Leistung der Maschinen bei gleichen oder geringeren Kosten. Die Verknüpfung der Aktivitäten des gesamten Unternehmens vermeidet auch Verschwendung. Ein Ingenieur kann zum Beispiel mehr als nur eine Produktionsstätte leiten, weil er den Maschinenbetrieb und die Wartung auch aus der Ferne überwachen und optimieren kann.

„WIE DIE MEISTEN FIRMEN MÜSSEN SICH AUCH DIE ANLAGENBAUER INNERHALB IHRES UNTERNEHMENS, ABER AUCH DARÜBER HINAUS GLOBAL VERNETZEN.”

Mike Evans Cambashi

Welche Unternehmen können diese Art der Integration am besten nutzen?

ME: Viele glauben, dass dies nur den großen Unternehmen vorbehalten ist, aber auch kleine und neugegründete Firmen, die nur wenig oder gar nicht strukturiert sind, können ihre Vorteile daraus ziehen. Möglichkeiten bestehen immer und die Ergebnisse, was Leistung, Produktivität und Wettbewerbsvorteile angeht, können bahnbrechend sein.

Wie sieht es mit Fortschritten bei den Maschinen selbst aus?

ME: Mechanische, technologische und Workflow-Schnittstellen werden immer stärker standardisiert, während die Maschinen sowie die Systeme und Menschen, die sie erschaffen, immer besser aufeinander abgestimmt sind. Wissenschaftler suchen ständig nach Wegen, wie Software, Elektronik, Pneumatik und die Schnittpunkte zwischen Maschinen, Systemen und Menschen noch besser integriert werden können. Wenn diese große Aufgabe gelöst ist, sind absolute Konsistenz und Berechenbarkeit über alle Disziplinen gewährleistet.

Was müssen Maschinenbauer tun, um für diese Trends gerüstet zu sein?

ME: Sie müssen ein festes organisatorisches Fundament schaffen, das alle Funktions­bereiche umfasst. Maschinenbauer müssen sich organisieren und neue Technologien nutzen, sobald diese verfügbar sind. Unternehmen, die bereits Vorkehrungen getroffen haben und ihre Organisationsbereiche nahtlos mit ihren Produkten verknüpft haben, sind für eine erfolgreiche Zukunft gut positioniert.

Mike Evans, Gründer von Cambashi, hat sich auf die wirtschaftlichen Auswirkungen von Software­anwendungen auf Konstruktion, Produktion und Automatisierung spezialisiert. Seine Firma, die die Aufgaben einer Management- und Marketingberatung, eines Branchen­analysten und eines Marktforschungs­unternehmens miteinander verknüpft, ist als unabhängiger Berater für führende IT-Unternehmen und Regierungsbehörden weltweit tätig.

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von Nick Lerner