COMPASS MAGAZINE #10
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KRAFT FÜR INNOVATIONEN Mit Co-Creation und Crowdsourcing auf dem Vormarsch ist es an der Zeit, in dieses Spiel einzusteigen

Bluenove, ein Beratungs-­ und Dienstleistungsunternehmen auf dem Gebiet der „offenen Innovation“ für Firmen weltweit, hat eine Studie über kollaborative Innovation und ihre Anwendungen, insbesondere im Zusammenhang mit sozialen Themen, durchgeführt. Martin Duval, Präsident und COO von Bluenove, teilt seine Vision über die Zukunft der „Open Innovation“. 

Das Konzept der „Open Innovation“, entwickelt 2003 an der University of California in Berkeley, basiert auf Gemeinschaftstools oder Plattformen, wo Ideen miteinander geteilt und Innovationen angeregt werden. Heutzutage entstehen Innovationen mehr denn je in einem gemeinschaftlichen Prozess, wodurch Open Innovation – auch als Crowdsourcing bezeichnet – immer mehr an Bedeutung gewinnt.

Mit der zunehmenden Komplexität der Arbeitsumgebungen – einschließlich knapper Budgets und Ressourcen für Innovationen in allen Bereichen, der rasanten Weiterentwicklung von Technologie (Mobilfunk, Internet, angeschlossene Geräte usw.) und den Herausforderungen bei der nachhaltigen Entwicklung – ist es überlebenswichtig, die kollektive Intelligenz beherrschen zu lernen und die Zusammenarbeit bei diesen Prozessen der Co­-Innovation und der Co-­Creation innerhalb und außerhalb des Unternehmens zu fördern. 

Zu den fünf Trends, die aus der Open Innovation hervorgehen, zählen: 

VERSCHMELZUNG VON INTERNEM UND EXTERNEM 

Externe Kollaborationsplattformen bieten Zugriff auf – oder verschmelzen sogar mit – internen Plattformen für das Ideenmanagement, wodurch sich externe mit unternehmensinternen Ideen kombinieren lassen oder die Communities außerhalb intern entwickelte Ideen testen können.

SFR, die französische Telekom­gesellschaft, lässt beispielsweise Ideen, die im Unternehmen von den Marketing-­ und Innovationsteams entwickelt wurden, von externen Nutzer­- und Kunden­-Communities testen. Zukünftig möchte SFR noch mehr neue Ideen durch eine interne „Innovations­-Community“ entwickeln, die sich mit einigen externen Partner über eine moderierte Plattform austauscht, die sowohl für die Entwicklung neuer Ideen als auch für Feedback genutzt werden. 

DER CO­-CREATION­-PROZESS 

Co-­Creation­-Methoden basieren auf sich ergänzenden Online-­ und Offline­-Komponenten, mit denen sich neue Konzepte für Dienstleistungen und Produkte schneller, effizienter und in größerem Umfang hervorbringen lassen, als es ein Team oder ein Unternehmen alleine schafft. Als Teilnehmer und Mitwirkende kommen Mitarbeiter, Kunden, Fachleute, Designer oder Entwickler infrage.

Einige wichtige Erfolgsfaktoren sind:
• Ebenso viel Mühe in die Auswahl der Mitwirkenden zu investieren wie in die Arbeit an den Ideen/Inhalten
• Die Phasen für Wettbewerb und Co­-Creation zu verteilen und zeitlich einzuplanen
• Ergänzende Online­- und Offline­-Aktivitäten zu organisieren 

IMMENSE HERAUS­FORDERUNGEN UND WETTBEWERBE 

Wettbewerbe sind eine immer beliebtere Möglichkeit, neue Ideen zu entwickeln und Probleme zu lösen. In Zukunft werden die meisten Wettbewerbe gemeinsam von mehreren nicht konkurrierenden Unternehmen organisiert werden, um die Risiken und Kosten teilen zu können und die Effekte des Wettbewerbs zu steigern.

Das Aufkommen von sogenannten Open Data, das sind Daten, die für alle zur freien Verfügung, Weiterverwendung und Weiterverbreitung zugänglich sind, hat zu zahlreichen Wettbewerben für Entwickler geführt, in denen diese innovative Anwendungen erstellen. Für den Erfolg ist es entscheidend, einen oder mehrere geeignete Partner für eine Co­-Brand­-Beziehung auszuwählen, um einen solchen Wettbewerb zu organisieren und durchzuführen. Bei den besten Wettbewerben werden die Beiträge und Ressourcen der Partner gebündelt, um die einzelnen Punkte des Wettbewerbs zu bewältigen. Durch die Schaffung eines gesunden Gemeinschaftsgefühls wird das geistige Eigentum geschützt und die Flexibilität bewahrt. 

„WIR WERDEN ERLEBEN, WIE DIE FOKUSSIERUNG AUF OPEN INNOVATION, SOZIALE VERANTWORTUNG UND KOLLEKTIVE INTELLIGENZ DURCH DIE ENTSTEHUNG NEUARTIGER PLATTFORMEN WEITER ZUNIMMT.“ 

MARTIN DUVAL PRÄSIDENT UND COO, BLUENOVE GROUP

IDEENMANAGEMENT­PROZESSE 

Zu Beginn des Ideenmanagement­prozesses müssen die wichtigsten Mitwirkenden für jede Phase ausgewählt werden, um zu vermeiden, dass alle Teilnehmer während des gesamten Prozesses komplett eingebunden sind. Ebenso müssen Belohnungen und Anreize sorgfältig ausgesucht, definiert und je nach Beitrag des Teilnehmers vergeben werden.

Während immer mehr Unternehmen sowohl das externe Crowdsourcing als auch die internen Wettbewerbe ausbauen, ist das gegenseitige Vertrauen zwischen Organisator und Teilnehmern von größter Wichtigkeit. Damit die Beziehungen, Erwartungen und Vorteile klar definiert werden können:

• sollten nur Teilnehmer zugelassen werden, die aufgrund ihrer Qualifikation etwas beitragen können. Ressourcen würden vergeudet, wenn diese Teilnehmer zu früh oder zu spät hinzugezogen werden.
• sollten die Mitwirkenden einem Profiling unterzogen werden, um zu ermitteln, wie viel von den Teilnehmern während der diversen Projektabschnitte gefordert werden kann.
• sollten die Anreize/Belohnungen sowohl für interne wie auch für externe Mitwirkende sorgfältig an den Wert ihres Feedbacks angepasst, vorhandene Mittel voll ausgeschöpft und wiederverwendbare Elemente hinzugefügt werden. 

BRANCHENÜBERGREIFENDE ZUSAMMENARBEIT 

Open Innovation impliziert disruptive Innovationen, die meistens von außerhalb des „Kerngeschäfts“ einer Firma kommen. Große Unternehmen und Institutionen müssen lernen, sich durch die Initiierung und Umsetzung komplexer Kollaborationen auszuzeichnen, in denen weitreichende Probleme bearbeitet werden.

Bei all den Herausforderungen für Unternehmen nimmt die Bedeutung von Innovationen stark zu, insbesondere bei dem großen Druck, den alle angesichts des beginnenden weltweiten Konjunktur­rückgangs spüren, von dem praktisch jedes Unternehmen, jeder Bereich und jede Branche betroffen ist.

Um diesen Herausforderungen zu begegnen, müssen die großen Gruppen und Institutionen lernen, komplexe, umfangreiche Gemeinschaftsprojekte mit mehreren Partnern anzustoßen und umzusetzen, wie zum Beispiel Smart City, wo Unternehmen aus dem Transportwesen, der Energie­-, Architektur­-, Telekommunikations­- und anderen Branchen gemeinsam die Probleme der städtischen Infrastruktur angehen.

In solchen Gemeinschaftsprojekten ist es wichtig, das „Partnerschaftsprofil“ (Fortune 500, Jungunternehmen usw.) und die Motivation jedes potenziellen Teilnehmers zu bewerten, um eine Partnerschaft aufbauen zu können. Potenzielle Partner allein aufgrund ihrer Positionierung innerhalb der Branche anzusprechen, reicht nicht aus. Sobald eine Partnerschaft geschlossen wurde, sollten möglichst schnell einige Erfolge verzeichnet werden, um dem Projekt eine positive Grundstimmung zu verleihen. Dies kann durch Pilotphasen, Tests/Prototypentwicklung/Modelle geschehen, durch die sich schnell Erfahrungen sammeln und Fort­schritte verzeichnen lassen.

In einer solchen Umgebung kann sich das Konzept der Open Innovation entfalten und wir werden erleben, wie die Fokussierung auf Open Innovation, soziale Verantwortung und kollektive Intelligenz durch die Entstehung neu­artiger Plattformen weiter zunimmt.

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