COMPASS MAGAZINE #10
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EXPERTENLÖSUNGEN Gemeinsame Werte sichern Olympus einen Wettbewerbsvorsprung

Der Name Olympus ist ein Synonym für Endoskope. Das Unternehmen aus Tokio besitzt fast 70% Marktanteil und ist zuversichtlich, dass diese Zahl noch steigen wird. Worin liegt der Schlüssel zu diesem Erfolg? Akihiro Taguchi, Business Management Officer für Medical Business beim Olympus-Konzern erläutert dessen Wachstumsstrategien.

Akihiro Taguchi ist ganz strikt – an der Qualität zu sparen, um die Kosten zu senken oder die Lieferzeiten zu verkürzen, kommt nicht infrage. „Wenn das Gerät nicht gut genug ist, dass Sie damit Ihre eigenen Angehörigen behandeln würden, sollten Sie es auch nicht herstellen oder gar verkaufen“, sagt Taguchi, Business Management Officer für Medical Business beim Olympus- Konzern, zu jedem neuen Mitarbeiter.

Dieser Qualitätsanspruch trägt dazu bei, dass das Unternehmen aus Tokio den weltweiten Markt für Endoskope dominiert. Der Fachbereich Medical Business des Olympus-Konzerns entwickelt, produziert und vermarktet Endoskope, die verwendet werden, um das Innere des menschlichen Körpers zu untersuchen, und das dazu passende Zubehör. 

Endoskope sind für Ärzte unersetzlich, um Läsionen frühzeitig zu erkennen und den Patienten minimalinvasiv behandeln zu können. Damit sinkt die finanzielle und psychologische Belastung für den Patienten und die Rückkehr ins normale Leben fällt ihm leichter. Aufgrund der steigenden öffentlichen Pro-Kopf- Ausgaben für medizinische Zwecke ist die Kostensenkung durch eine frühzeitige Diagnose und minimalinvasive Behandlung auf makroökonomischer Ebene von entscheidender Bedeutung.

VERBESSERUNG DER PRODUKTENTWICKLUNG

Ein Endoskop besteht aus einem wenige Millimeter starken Schlauch, der in den Körper eingeführt wird, um eine Läsion zu betrachten und zu behandeln. Aber um das Design zu verbessern, reicht es nicht aus, einfach den Durchmesser zu reduzieren. Für Ärzte ist die leichte Handhabung des Geräts ebenso wichtig wie die Größe der Eintrittsstelle, weil beide Faktoren die Manövrierfähigkeit (für die Ärzte) beeinflussen und letzten Endes auch zu weniger Schmerzen für die Patienten führen.

Olympus hat mehrere Verfahren entwickelt, um die Meinungen der Mediziner einzuholen und in das Produktdesign einfließen zu lassen. Eine Möglichkeit ist es, die Mediziner direkt zu befragen, um von ihren Schwierigkeiten zu erfahren und ihre Lösungsvorschläge anzuhören. Manchmal kommt auch ein Ingenieur aus der Entwicklungsabteilung von selbst auf eine neue Idee oder Technologie. Ob diese funktionieren würde, entscheiden Mediziner, denen diese Idee im Anschluss vorgestellt wird.

So war es auch bei der NBI-Farbfiltertechnologie (NBI = Narrow Band Imaging) von Olympus. Auf einem Bild mit weißem Licht ist es schwierig, Läsionen von gesundem Gewebe zu unterscheiden. Die NBI-Technologie verwendet nur blaues Licht, das gut vom Hämoglobin in den oberflächennahen Kapillargefäßen absorbiert wird, und grünes Licht, das vom Hämoglobin in den tieferliegenden Blutgefäßen absorbiert wird. Wenn das Licht durch einen speziellen Filter geleitet wird, kann man die oberflächlichen Blutbahnen besser von den andersfarbigen tieferen Blutbahnen unterscheiden. 

„WENN DAS GERÄT NICHT GUT GENUG IST, DASS SIE DAMIT IHRE EIGENEN ANGEHÖRIGEN BEHANDELN WÜRDEN, SOLLTEN SIE ES AUCH NICHT HERSTELLEN ODER GAR VERKAUFEN.”

AKIHIRO TAGUCHI

Dadurch lässt sich das charakteristische Kapillarwachstum, das beispielsweise durch Krebs ausgelöst wird, leichter feststellen. „Wenn man die durch Krebs und andere Krankheiten hervorgerufenen Läsionen frühzeitig aufspürt, kann manchmal eine Abdominaloperation verhindert werden“, sagt Taguchi. 

SERVICE UND INFRASTRUKTUR

Die Marktdominanz von Olympus ist auch auf die Schulungsmaßnahmen zurückzuführen, während denen die Mediziner die Verwendung des Endoskops erlernen, sowie auf das umfassende Reparatur- und Wartungsnetzwerk. Wenn ein Endoskop nicht richtig funktioniert, muss die Behandlung abgebrochen werden. Um dies zu vermeiden, hat Olympus ein weltweites Netzwerk aufgebaut, das Ersatzgeräte und schnelle Reparaturen anbietet. Olympus schult seine Vertreter auch dahingehend, dass sie die Geräte reparieren können. Dadurch liegt die Zahl der Servicezentren weltweit bei über 200.

„Insbesondere in Schwellenländern muss man auch an die Ausbildung und Reparatur denken, anstatt immer nur neue Produkte zu entwickeln. Andernfalls wird der Marktanteil nicht wachsen“, sagt Taguchi. „Endoskope sind empfindliche Instrumente, die tagtäglich im Einsatz sind. Wenn sie nicht richtig verwendet und gelagert werden, könnten sie kaputtgehen. Jedoch gehören sie (aus Sicht der Ärzte) schon fast zur Standardausrüstung. Wenn die Geräte defekt sind, müssen sie schnell repariert werden, um das Leben der Patienten nicht zu gefährden. Folglich besteht die Aufgabe des Herstellers nicht nur in der Bereitstellung des Produkts. Die Serviceinfrastruktur rund um Reparatur und Wartung ist die wahre Stärke von Olympus.“

Jedes gewinnorientierte Unternehmen muss Qualität gegen Kosten und Markteinführungszeiten abwägen. Das Product Lifecycle Management, das die Produkte von Beginn ihrer Konzeption bis zum Ende ihrer Lebensdauer betrachtet, versetzt Unternehmen in die Lage, neue Produkte auf den Markt zu bringen und zugleich die bestehenden Produkte zu warten. Das regulatorische Zulassungsverfahren am Ende jeder Entwicklungsphase kann je nach Region zwei bis drei Jahre dauern, bevor das Produkt verkauft werden kann. Und es kann ein Support über 20 Jahre oder länger gefordert werden.

Darum betont Taguchi immer wieder gegenüber allen Mitarbeitern des Unternehmens, wie wichtig Qualität und Service sind. „Es darf kein Gerät vermarktet werden”, sagt er ihnen, „wenn Sie nicht möchten, dass damit einer Ihrer liebsten Menschen behandelt wird.“

von Kenji Tsuda Zurück zum Seitenbeginn