COMPASS MAGAZINE #10
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MANAGEMENT DURCH METRIKEN Informationsmanagement wird wichtigstes Werkzeug im Bergbau

Selbst die technologisch fortschrittlichsten Bergbauunternehmen wissen inzwischen, dass Menschen, ausgestattet mit den richtigen Informationen, der Schlüssel zum Erfolg sind.

Im kanadischen Nunavut, circa 2.600 Kilometer nordwestlich von Toronto, ging in der Meadowbank-Goldmine kürzlich ein riesiger Muldenkipper kaputt. Es drohte ein Produktionsverlust von 5%, der das Unternehmen Millionen US-Dollar hätte kosten können.

Doch Agnico Eagle hat unlängst eine neue Software zur Minenplanung und Erzproduktion eingeführt.

Anstatt wochenlang mit alten Instrumenten zu hantieren, simulierte das Bergbauunternehmen verschiedene Pläne zur Lebensdauer der Mine, testete ihre Auswirkungen auf die Produktion und verlagerte den Betrieb innerhalb weniger Tage. „Tools wie diese sorgen für einen reibungslosen Workflow, mit dem wir uns unterschiedliche Optionen anschauen und mehrere Designs beurteilen können“, erklärt Eric Ramsay, Senior Mine Geologist bei Agnico Eagle.

„LEAN MINING“ IM VORMARSCH

Immer mehr führende Unternehmen in der Branche fordern, wie Agnico Eagle in neue Geschäftsprozesse zu investieren. Die Zukunft der Industrie hängt ihrer Meinung nach davon ab, wie gut Bergbaugesellschaften dynamische Informationen zu komplexen Abläufen koordinieren.

Der Begriff „Lean“ bezieht sich hierbei auf einen Herstellungsprozess, der in den 1970er und 1980er Jahren von Toyota geprägt wurde, sich weltweit verbreitete und die modernen Produktionsabläufe beeinflusste. „Lean“ steht für einfache Konzepte, die sich ständig weiterentwickeln – vor allen Dingen, weil sie darauf bauen, dass jeder Mitarbeiter genau die richtigen Informationen zum richtigen Zeitpunkt hat. Und so mit optimaler Effizienz arbeitet.

„Für den Bergbau und die Nutzer der Lean-Prinzipien ist es wichtig, klar zwischen schlanker Denkweise und schlanker Automation zu unterscheiden“, erklärt Paul Smith, Director von Shinka Management, einer australischen Beratungsfirma, die Bergbauunternehmen dabei hilft, Lean-Geschäftsmethoden zu entwickeln. „Eine schlanke Produktion meidet von jeher teurere Hightech-Lösungen für das Prozessmanagement und entscheidet sich für Verbesserungen zu geringen oder gar keinen Kosten, wann immer dies möglich ist.“

EINFÜHRUNG NEUER GESCHÄFTSMODELLE

Der Bergbau ist ein unbeständiges Geschäft. Je nach Laune der Natur, lokaler Politik und Aktienpreisen boomt oder kriselt er. Neue Technologien verbessern die Produktion, doch Branchenexperten sind sich einig, dass das nicht reicht. Nicht nur die Betriebsmethoden, sondern auch die Geschäftsmodelle müssen schlank sein, um Produktionsspitzen und Talsohlen auszugleichen, Unfälle zu vermeiden und sich auf das allgegenwärtige Unvorhersehbare einzurichten.

„Eine offene Grube ist einfacher zu automatisieren. Eine unterirdische Mine ist dagegen wie eine Mini-Stadt“, so Mike MacFarlane, mit 35 Jahren Minenerfahrung ein Branchenveteran, der als Berater Unternehmen eindringlich zum Umdenken auffordert. „Die Bedingungen verändern sich jeden Tag, sodass die unterschiedlichsten komplexen Entscheidungen spontan getroffen werden müssen. Der größte Stellhebel ist die Miteinbeziehung der Angestellten.“

„DIE BEDINGUNGEN VERÄNDERN SICH JEDEN TAG; DIE UNTERSCHIEDLICHSTEN KOMPLEXEN ENTSCHEIDUNGEN MÜSSEN SPONTAN GETROFFEN WERDEN.”

MIKE MACFARLANE INGENIEUR UND INDUSTRIEBERATER

Hier liegt die Chance – und es geht nicht nur um Erdbewegungen, die gemanagt werden müssen. Auch Regierungen und Gemeinden müssen involviert werden. 2014 sagte Mark Cutifani, CEO von Anglo American, einem der weltweit größten Bergbau-Unternehmen mit Sitz in London, anlässlich einer Präsentation für sozialverantwortliche Analysten, dass sich „Bergbauprojekte im Wert von schätzungsweise 25 Milliarden US-Dollar aufgrund von Problemen mit der Nachhaltigkeit oder mit Interessenvertretern verzögern oder auf Eis gelegt sind.“

VON ANDEREN INDUSTRIEN LERNEN

Cutifani sitzt einer Arbeitsgruppe des Kellogg Innovation Network (KIN) vor. Dort versucht man, die Meinung von Bergbauunternehmen, wie ihr Geschäft in einem größeren Ökosystem von ökologischen, kommerziellen und kulturellen Interessen funktioniert, zu verändern.

„Die Industrie ist durch konventionelle Denkweisen beschränkt“, erklärt Cutifani in einem Strategiepapier, das nach den Beratungen des KIN veröffentlicht wurde. „Wir müssen das außerhalb der normalen Industriestruktur machen, indem wir branchenfremde Ideen und Erfahrungen einbringen. Wir wollen die Branche anführen und das Tempo für den Wandel vorgeben.“ Einige Unternehmen arbeiten bereits daran, ihre Geschäftsmodelle umzurüsten. So ist beispielsweise der Minenriese Rio Tinto das branchenweit erste Unternehmen, das in seinem neuen Analytics Excellence Centre in Pune, Indien, enorme Mengen an Forschungs-, Produktivitäts- und von Sensoren erfassten Daten mit festen und mobilen Geräten analysiert. Ziel dabei ist es, Ausfallzeiten vorherzusagen und zu verhindern und die Sicherheit und die Produktivität zu verbessern.

„Das Zentrum wird uns helfen, die Betriebsleistung unserer Anlagen mit einer unglaublichen Genauigkeit zu bestimmen“, meint Greg Lilleyman, Chief Executive of Technology and Innovation bei Rio Tinto. Sam Walsh, ein ehemals hochrangiger Manager in der Autobranche und leidenschaftlicher Befürworter der Lean-Prinzipien, ist Chef von Rio Tinto. Er konzentriert sich auf Big Data des Bergbaus, um größere Gewinne zu erzielen und mit Computersimulationen dessen Zukunft vorherzusagen und zu planen.

DER WERT VON „LEAN MINING“

In der offenen Meadowbank-Goldmine in Nordkanada, die seit ihrer Betriebsaufnahme 1,2 Millionen Unzen nachweislicher und mutmaßlicher Reserven verzeichnet hat, verdeutlicht Agnico Eagle die Position von Walsh. Die Mine hat in den letzten Monaten 1,4 Millionen US-Dollar eingespart und den Ausstoß um 70.000 Unzen gesteigert, allein durch das bessere Management von Informationen zur Realisierung eines effizienten Designs der Deponie.

Das ist genau das Ergebnis, dass sich Taiichi Ohno, der japanische Wirtschaftsingenieur und Vater des Lean Manufacturing, in den späten 1940er-Jahren vorstellte, als er beobachtete, dass die korrekte Kommunikation von Informationen der Schlüssel zu einem reibungslosen Betrieb moderner Supermärkte in den USA war. Ohno brachte seine Ideen bei Toyota ein und veränderte die Welt. Der Bergbau ist heute mit den gleichen Konzepten und neuen Informationsmitteln ausrüstet – und hat eine ähnliche Chance, sich für die Zukunft neu aufzustellen.

von Dan Headrick Zurück zum Seitenbeginn
von Dan Headrick

Erfahren Sie hier, wie Dundee Precious Metals auf Kennzahlen im Bergbau setzt:
https://www.youtube.com/watch?v=r5gsaO99Hmo