COMPASS MAGAZINE #10
COMPASS MAGAZINE #10

ARCHITEKTUR UND BAUWESEN MASSGESCHNEIDERTE EFFIZIENZ

Die in Italien ansässige Permasteelisa Group plant, erstellt und montiert weltweit Gebäudehüllen und Innenausstattungen. Compass sprach mit Permasteelisas IT-­Prjektmanager Federico Momesso und Kommunikationsmanager Massimiliano Fanzaga darüber, wie sich die Nachfrage nach individuellen Gebäudesystemen bei kurzen Projektlaufzeiten besser erfüllen lässt. 

COMPASS: Welchen Herausforderungen müssen Sie sich stellen, um die Erwartungen der Kunden erfüllen zu können?

FEDERICO MOMESSO: Jedes Bauvorhaben ist einzigartig und muss viele Beteiligte – Eigentümer, Architekten, Ingenieure, Bauunternehmer, Subunternehmer und Lieferanten – mit ihren unterschiedlichen Fähigkeiten unter einen Hut bringen. Diese Branche ist sehr fragmentiert und sie nutzt die Möglichkeiten der 3D-Modellierung von der Konzeptplanung bis zur Fertigstellung noch nicht im selben Maße, wie es zum Beispiel der Fahrzeug­- und Flugzeugbau tun. Zum Teil liegt das an den inhärenten Besonderheiten. Denn in der Bau­branche ist jeder Entwurf anders.

MASSIMILIANO FANZAGA: Außerdem werden die Projekte immer komplexer. Obwohl jedes Bauvorhaben anders ist, möchten die Eigentümer, Architekten und Bauunternehmer die Projekte immer schneller geplant, realisiert und gebaut haben. Permasteelisa muss darüber hinaus noch die Herausforderung bestehen, seine Dienstleistungen den Bedürfnissen von Kunden aus verschiedenen Kulturkreisen anzupassen – mit jeweils ganz eigenen Erwartungen, Ressourcen und Kenntnissen. 

Wie laufen Ihre Projekte für gewöhnlich ab?

FANZAGA: Die Branche geht vermehrt zu einer frühzeitigen Entwurfsprüfung über, ähnlich wie in den Frontloading­-Planungsprozessen in der Automobilindustrie, um die Kommunikation und Zusammenarbeit zwischen allen Parteien, insbesondere zwischen Architekt und Bauunternehmer, zu verbessern.

Im Idealfall arbeiten wir von Beginn der Planung an Hand in Hand mit dem Eigentümer und dem Projekt­team, um eine technische Lösung zu entwickeln, die den Bedürfnissen und dem Budget des Projekts entspricht.

„DIE PERMASTEELISA GROUP TRANSFORMIERTE FRANK GEHRYS LEGENDÄREN ENTWURF MITTELS 3D-MODELLIERUNG IN REALISIERBARE ELEMENTE.“ 

FEDERICO MOMESSO IT-PROJEKTMANAGER, PERMASTEELISA GROUP

MOMESSO: Eine der größten Herausforde­rungen bei der Erstellung unserer technischen Rahmenbedingungen ist es, ein Programm (zur 3D-­Modellierung) zu finden, das mit allen unterschiedlichen Modellierungssystemen, die unsere Kunden weltweit verwenden, kompatibel ist. Wir müssen in der Lage sein, mehr Informationen und Funktionen zu nutzen, um unsere Vorlaufzeit zu verkürzen, Ausschuss und Nacharbeit zu reduzieren sowie unsere hohen Qualitätsansprüche aufrechtzuerhalten.

Was leistet die Technologie dabei, die Forderungen des Marktes zu erfüllen?

MOMESSO: Wir vertrauen schon seit vielen Jahren auf virtuelles Design und 3D­-Technologie. Zum ersten Mal setzten wir 3D­-Modellierung bei der goldenen Fisch-­Skulptur von Frank Gehry für die Olympischen Spiele 1992 in Barcelona, Spanien, ein. Unsere Projektingenieure und ­-planer verließen sich bei der Kollisionsprüfung und der Qualitäts­prüfung auf die Fähigkeiten dieses Systems. Heute verwendet Permasteelisa das virtuelle Modell, um mit den Kunden zu kommunizieren und die Planungs­konzepte zu teilen, damit diese sich den Entwurf besser vorstellen und die Kosten abwägen können.

FANZAGA: Unsere Stärke ist es, jederzeit und überall die besten Ressourcen für einen bestimmten Auftrag zu nutzen, um die speziellen Anforderungen jedes Projekts zu erfüllen. Es ist noch gar nicht so lange her, dass jedes unserer 50 Büros unterschiedliche CAD­- und Konstruktionsprogramme, andere Technologien und Ansätze verwendet hat, um einen Auftrag zu bearbeiten. Doch heute sprechen wir dank 3D dieselbe Sprache, egal wo wir uns befinden. Wir sind an einem Punkt angelangt, wo die gesamte Planung/ Konstruktion auf einer standardisierten IT­-Umgebung basiert, dank der jeder an jedem Projekt mitarbeiten kann.

Womit vermitteln Sie den Monteuren, welches Bauteil wohin gehört?

MOMESSO: Für jedes Projekt stellen wir detaillierte Arbeitsanweisungen für den Einbau der unterschiedlichen Module zur Verfügung. Und wir liefern Montagepläne, aus denen die korrekte Montagereihenfolge für jede Etage/ Fassade hervorgeht.

Wie möchten Sie Ihre Prozesse weiter verbessern?

FANZAGA: Für die Montage haben wir den Einsatz funkgestützter Identifizierungschips (RFID) getestet, um die Einbaulage jedes Bauteils präzise angeben zu können. Wir planen außerdem, die Vorteile von 3D auch unseren Kunden und Lieferanten zugänglich zu machen. Seit Beginn der 3D­-Modellierung in der Bauindustrie hat sich viel verbessert, insbesondere durch die Anwendung des Building Information Modeling (BIM).

Obendrein verlangen unsere Kunden nach Lösungen, die sich mit ihren 3D­-Modellen verknüpfen lassen. Derzeit implementieren wir Technologien für den Produkt­lebenszyklus. Diese bieten eine auf Zusammenarbeit basierende Plattform, die ein zentralisiertes Projektmanagement ermöglicht, wodurch wir unsere Online­-Planungs­- und -Kooperationsfähigkeiten ausbauen und Lean Construction Methoden fördern. 

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von Vicki Speed

Vicki Speed ist eine freiberufliche Autorin aus Colorado, spezialisiert auf Technik und Bauwesen.