COMPASS MAGAZINE #10
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LUFT- UND RAUMFAHRT OEMS UND ZULIEFERER: Verlagerung der Entwicklungsverantwortung bringt mehr Verpflichtungen für Luft- und Raumfahrtlieferanten

Die Hersteller der Luft- und Raumfahrt verlangen von kleinen Zulieferern, dass sie mehr Geschäfts- und Finanzrisiken bei Entwicklung und Produktion mittragen. Und das in einem Umfeld, in dem es um höchste Qualität und Zuverlässigkeit, Termintreue und stetige Kostenreduzierungen geht.

Die Zulieferer der Luft­ und Raumfahrttechnik sehen sich mit einem rasanten Umbruch konfrontiert. Ihre Fähigkeit, sich diesem anzupassen, könnte ihr Schicksal bestimmen.

Der Druck entsteht unter anderem durch die Globalisierung, neue Wettbewerber, Preise, hohe Produktionsraten bei Ver ­ kehrsflugzeugen, eine Verringerung der Verteidigungsausgaben in einem gesättigten Markt und die sich ändernden Beziehungen zwischen Original­ herstellern (OEMs) und nachgelagerten Lieferanten.

60%

Der von Lieferanten erstellte Anteil beträgt 50%–60% des Wertes eines Luft- und Raumfahrtsystems.

Heute beträgt der von Lieferanten erstellte Anteil 50%–60% des Wertes eines Luft­ und Raumfahrtsystems, und Bob Stevens, Vorstandsvorsitzender von Lockheed Martin, prophezeit, dass diese Zahl weiter wachsen wird. Der Preisdruck von Endverbrauchern, die ebenfalls erschwinglichere Produkte verlangen, bringt Unternehmen an der Spitze der Lieferkette dazu, mehr Verantwortung für Innovation und Produktivität auf nachgelagerte Lieferanten von Bauteilen und Subsystemen abzugeben. „Lieferanten [in der Verteidigungsbranche] sind heute einem enorm hohen Druck ausgesetzt“, erklärt Stevens. In den meisten Regionen schrumpfen die Verteidigungs märkte aufgrund eingeschränkter Ressourcen.

GEWINNER VON VERLIERERN TRENNEN

Um zu überleben, so sagen Experten, müssen Lieferanten die Betriebskosten besser managen, innovativer sein und enge Partnerschaften mit ihren OEM­Kunden eingehen.

„Unternehmen, die Prozesse vereinfachen, eine schlanke Produktion haben und ihre Infrastruktur neu gestalten, werden vermutlich am ehesten Erfolg haben“, sagt Scott Thompson, der das Consulting für den Bereich Luft­ und Raumfahrt bei PricewaterhouseCoopers leitet.

Gleichzeitig kaufen einige OEMs Lieferanten auf, um die Qualität besser kontrollieren zu können und strategische Expertise zu bekommen. So erwarb General Electric 2012 die italienische Avo S.p.A., einen Lieferanten von Niederdruckturbinen und Getrieben, und Morris Technologies, einen US­Hersteller von Präzisionsteilen. Beide Akquisitionen haben den Bereich 3D­Druck von GE deutlich erweitert.

SCHNELLIGKEIT ZÄHLT

Die wichtigste Triebfeder für Veränderungen ist die Notwendigkeit für OEMs und ihre Lieferanten, kostengünstigere Produkte schneller bereitzustellen.

Kent Statler, Executive Vice President und Chief Operating Officer für Commercial Systems bei Rockwell Collins, einem Anbieter von Bordelektronik und IT­Systemen, glaubt, dass Geschwindigkeit für OEMs bedeutet, Lieferanten früher in den Produktentwicklungsprozess einzubinden.

„Ein zunehmender Kostendruck und die steigende Komplexität von Luftfahrzeugen erfordert eine engere Partnerschaft in Sachen Risikoteilung zwischen Systemintegratoren und ihren Lieferanten, um die Kundener wartungen zu erfüllen“, so Statler. „Lieferanten haben eine Ver­ antwortung, sich an der Konzeptionsphase zu beteiligen und Ideen mit einzubringen.“

Michael Yates, Präsident von Tactair Fluid Controls, einem US­amerikanischen Hersteller von hydraulischen und pneumatischen Steuerungen, sagt, dass der Trend eine engere Beziehung zwischen OEMs und ihren Lieferanten erfordere. „Nachgelagerte Lieferanten müssen sich ihrer Verantwortung bewusst sein, und das passiert nur, wenn offen kommuniziert wird“, erklärt er. ◆

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von Tony Velocci