COMPASS MAGAZINE #10
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SO MACHT FLIEGEN WIEDER SPASS Technik verändert das Flugerlebnis grundlegend

Von der 3D-Visualisierungstechnologie, mit der Ingenieure den Fluggastkomfort in Business Jets vorhersagen und optimieren, bis hin zu futuristischen Entertainment-Systemen in Verkehrsflugzeugen und personalisierten Navigationsinstrumenten, um Passagiere im Flughafen schnell zu ihren Gates zu führen: Die Luftfahrtindustrie kämpft darum, das Flugerlebnis zu verbessern.

Als das US-amerikanische Unternehmen Gulfstream Aerospace die neuen G500 und G600 Business Jets entwickelte, war eines der Ziele, das Flugzeug so zu optimieren, dass es eine einzigartige Kombination von Geschwindigkeit, Reichweite, dem modernsten Cockpit und einer erstklassigen Kabinenerfahrung bietet.

Zur Beurteilung, ob sie den besten Mix von Form, Funktion und Effizienz schaffen, nutzten die Techniker auch die immersive Umgebung der virtuellen Realität, oder CAVE, von Gulfstream. Hiermit wurden Designprüfungen durchgeführt und Supportsysteme integriert.

CAVE arbeitet mit einem hochauflösenden, aktiven stereoskopischen Projektor, um immersive 3D-Bilder an den Wänden eines raumgroßen Würfels anzuzeigen. In verschiedenen Phasen der Flugzeugentwicklung verwendeten die Ingenieure 3D-Brillen, die mit Bewegungssensoren ausgestattet sind, und ein Kontrollgerät, um mit den lebensgroßen Projektionen der 3D-Modelle der Flugzeugkabine in Echtzeit zu interagieren – Fehlerdiagnose im laufenden Betrieb, zahlreiche Designs ausprobieren, Stoffe und andere Materialien verändern, um das gesamte Erscheinungsbild zu erleben, das Kunden für ihr Flugzeug ausgewählt haben.

Die immersive Erfahrung wird von einer Echtzeit-3D-Visualisierungssoftware generiert, die Modelle verwendet, die vom Technikteam für das Flugzeugdesign erstellt wurden. Gulfstream will die Notwendigkeit von teuren physischen Prototypen drastisch reduzieren, wenn Ingenieure das entwickeln, wonach Kunden gefragt haben: ein Flugzeug für unterschiedliche Aufgaben, das immer noch typisch Gulfstream ist. Das erste auf diese Art entwickelte G500 ist zur Auslieferung 2018 geplant.

„Das ist eine äußerst leistungsstarke, erstklassige Technikanwendung, die uns hilft, den Designprozess zu beschleunigen. Wir optimieren sie allerdings noch“, meint Fernando Toledo, ein Ingenieur von Gulfstream Aerospace, der auf Simulationen in der virtuellen Realität spezialisiert ist. „Die Möglichkeit, das Produkt durch vollständiges Eintauchen in fotorealistisch wirkende drei Dimensionen zu erleben, ist für uns und unsere Kunden von unschätzbarem Wert.“

„DIE MÖGLICHKEIT, DAS PRODUKT DURCH VOLLSTÄNDIGES EINTAUCHEN IN FOTOREALISTISCHEN DREI DIMENSIONEN ZU ERLEBEN, IST FÜR UNS UND UNSERE KUNDEN VON UNSCHÄTZBAREM WERT.“

FERNANDO TOLEDO TECHNIKER UND VIRTUAL REALITY SPECIALIST, GULFSTREAM AEROSPACE

Der CAVE von Gulfstream ist nur ein Beispiel dafür, wie Luftfahrtunternehmen – von Originalgeräteherstellern (OEM) bis hin zu Flughäfen – Technologie einsetzen, um das Erlebnis ihrer Reisenden vom Abflug bis zur Ankunft zu verbessern.
Das Ziel: die Kunden erfreuen, sich vom Wettbewerb abheben und die Zeit und Kosten für Innovationen reduzieren.

BESSERE TECHNIK, BESSERE ERLEBNISSE

Innovationen, die den Appetit der Kunden auf technische Fortschritte und ein exzellentes Nutzungserlebnis anregen, fördern wilde Konkurrenzkämpfe zwischen den Herstellern von Firmenflugzeugen. Kommunikations- und Entertainment-Systeme während des Fluges stehen dem, was Verbraucher am Boden genießen, in nichts nach – ganz im Gegenteil.

So ist beispielsweise das kanadische Unternehmen Bombardier der erste Hersteller von Firmenflugzeugen, der das von Honeywell Aerospace entwickelte Satellitenkonnektivitätssystem JetWave Ka-Band für einige seiner Langstreckenmodelle, darunter auch die Global 5000 und Global 6000, anbietet. Ab 2016 wird diese Funktionalität Passagieren von Business Jets praktisch überall auf der Welt einen Highspeed-Internetanschluss während des Fluges bieten.

„Unsere Kunden wollen online sein – egal, wo sie gerade sind“, erklärt Tim Fagan, Manager für Industriedesign für die Global 7000- und Global 8000-Projekte. „Schon bald werden sie in der Luft die gleiche Konnektivität haben, wie sie sie von zu Hause oder aus ihrem Büro kennen.”

Laut Yann Barbaux, Chief Innovation Officer bei Airbus, wo man Verkehrsflugzeuge für Airlines weltweit baut, bekommen kommerzielle Fluggesellschaften von ihren Kunden ähnlich viel Druck, wenn es darum geht, neue Technologien schneller einzuführen.

Dementsprechend wolle Airbus die Zykluszeiten für die Integration von Innovationen für alle Flugzeuge, die man baut, verkürzen – von zwei bis drei Jahren auf nur wenige Monate, so Barbaux. Um dieses Ziel zu erreichen, setzt der Flugzeughersteller verstärkt auf Automation und Robotik. Zusätzlich erkundet Airbus mit der Unterstützung seiner Technologieanbieter den Einsatz fortschrittlicher Software, um Kunden aus dem Airline-Bereich dabei zu helfen, den Flugbetrieb zu verbessern – einschließlich der Festlegung, welches Flugzeug auf bestimmten Routen den wirtschaftlichsten Service liefert. „Digitale Technologien entwickeln sich immer schneller, und wir wollen diese Evolution anführen“, sagt Barbaux.

Auch British Airways will den Ton angeben. Die kommerzielle Fluggesellschaft hat die erste Klasse ihrer neuen Boeing 788-9 Dreamliner neu erfunden: Private Suiten ermöglichen den Passagieren, ein Entertainment von Gate zu Gate zu genießen, ohne dass ihr Fernseher zum Start oder zur Landung eingefahren wird. Das In-Flight-Entertainment lässt sich durch eine neue Handbedienung steuern, die einem Smartphone ähnelt und in den Sitz integriert ist. Zusätzlich können Passagiere die Bedienung eindocken, sodass sie eine Menü-Option wie beispielsweise die sich bewegende Karte nutzen können, während sie auf dem festen 23’’-Bildschirm etwas anders, z.B. einen Film, sehen. In dezenten Stauräumen neben jeder Armlehne verstecken sich komfortable Steckdosen.

DAS ERLEBNIS FLUGHAFEN

Am Boden steht im Herbst 2015 zum Thema Konnektivität ein Quantensprung an: Eine gemeinsame Task Force von Flughäfen, Airlines und SITA, einem Spezialisten für Kommunikation und Informationstechnologie im Lufttransport, wird Standards und Vorschriften veröffentlichen, wie die Drahtlostechnologie in Flughafenterminals genutzt werden soll.

Wenn sich ein Passagier in der Nähe eines iBeacon – kompakte, batteriebetriebene Bluetooth-Sender, die an strategischen Stellen im ganzen Terminal platziert sind – befindet, „erwacht“ eine von der Airline oder vom Flughafen entwickelte App auf seinem Handy. Am Londoner Flughafen Gatwick erkennen Beacons Reisende an ihrem Smartphone und liefern GPS-artige Richtungshinweise zu ihren Gates. Auf dem Weg dorthin wird auf Restaurants und Einkaufsmöglichkeiten hingewiesen.

Einige Flughäfen, darunter auch der Dulles International bei Washington DC, nutzen Gesichtserkennungssysteme, um Fluggäste schneller durch die Passkontrollen zu schleusen.

Das Ziel: Flughäfen gastfreundlicher machen, Reisezeiten verkürzen und den Luftreisenden ermöglichen, mit ihrer Umgebung zu interagieren und – so unglaublich das auch klingen mag – Fliegen wieder zu einem Vergnügen zu machen.

von Tony Velocci Zurück zum Seitenbeginn