COMPASS MAGAZINE #10
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BODENSCHÄTZE UNSICHERE ZEITEN : Minenbetreiber streben mit neuer Technik nach Kostenkontrolle

Im heutigen wirtschaftlichen Umfeld haben sich Rohstoffnachfrage und -preise grundlegend geändert; für Bergbauunternehmen ist es nun schwieriger, künftige Entwicklungen vorherzusehen. Zwar soll die langfristige Nachfrage nach Naturschätzen, insbesondere durch die Industrieländer, weiter ansteigen, dennoch müssen die Unternehmen aufgrund kurzfristigen Preisdrucks ihre Geschäftsbereiche neu durchdenken.

Während der zurückliegenden, vom Bergbauboom geprägten Jahre haben sich die Bergbau­unternehmen darauf konzentriert, soviel Material wie möglich in so kurzer Zeit wie möglich aus dem Boden zu holen. Strenge Kostenkontrolle und Gesamtproduktivität standen dabei kaum im Blickpunkt. Im Ergebnis profitierte die Bergbauindustrie zwar von steigenden Fördermengen, sicherte sich dabei aber nicht die Steigerungen des Grenzertrags, die normalerweise damit einhergehen sollten.

“Der Bergbau als Branche war für den Großteil des 20. Jahrhunderts von geringem Wachstum geprägt. Die Heftigkeit der Urbanisierung und Industrialisierung Chinas seit der Jahrhundertwende hat uns daher kalt erwischt“, sagte dazu Andrew Mackenzie, CEO des weltweit aktiven Rohstoffunternehmens BHP Billiton, in einer Rede vor dem Melbourne Mining Club im Juni 2013. „Die Nachfrage konnte teilweise nur mit sehr viel höheren Betriebskosten abgedeckt werden. Viele Betriebe haben schlechte Investitions­entscheidungen zum Nachteil ihrer Eigentümer getroffen. Als die Preise noch nach oben schossen, schien es nicht so wichtig, 5 Dollar Einsparpotenzial pro geförderter Tonne zu finden. Aber jetzt käme es wirklich darauf an.“

Da die am einfachsten zu erreichenden Vorkommen erschöpft sind, müssen Unternehmen in weiter abgelegene und nur sehr kostspielig zu erschließende Regionen vordringen. Arbeits­kräftemangel, politische Rahmen­bedingungen, inanzierungsfragen sowie Herausforderungen bei der Kontrolle und Sicherheit: Alle diese Aspekte verschärfen sich in weit entfernten Abbaugebieten.

TECHNOLOGIE NUTZEN

In ihrem kürzlich erschienenen Bericht „Tracking the Trends 2013“ stellte die Consulting-Firma Deloitte fest, dass die Kosten langsam „unwirtschaftliche Höhen erreichen; wenn es den Unter­nehmen nicht gelingt, die operative Effizienz zu verbessern, die Instand­haltungskosten aktiv zu kontrollieren und in kostensenkende Technologien zu investieren, dann wird sich diese Ent­wicklung wahrscheinlich fortsetzen.“

Die harten Bedingungen und Heraus­forderungen, die in vielen Bergbau­be­trieben vorherrschen, „setzen analyti­sche Fähigkeiten auf einem Niveau voraus, das vielen Unternehmen fehlt“, so der Deloitte-Bericht weiter. „Unter­nehmen, die heute investieren, können mit erheblichen Vorteilen rechnen.“

„Wir müssen fähig sein, Minen und logistische Systeme so aufzubauen, dass wir auf Nachfrageänderungen schnell reagieren können und dabei Risiken und Unsicherheit reduzieren.“

DR. JÖRG BENNDORF LEHRBEAUFTRAGTER FÜR ROHSTOFFMANAGEMENT AM INSTITUT FÜR GEOWISSENSCHAFTEN UND INGENIEURSWESEN AN DER TECHNISCHEN UNIVERSITÄT DELFT

Der Ruf nach Investitionen in neue Technologien verhallt nicht ungehört. Bis vor kurzem haben Bergbauunter­nehmen immer gutes Geld verdient, sie konnten gar nichts falsch machen. Aber das ändert sich gerade sehr schnell“, so Chris Holmes, Head – International bei IDC Manufacturing Insights, einem global agierenden Forschungs- und Consulting-Unter­nehmen. „Gerade überdenken die Unternehmen grundlegend ihre Organisations- und Arbeitsweise. Man fokussiert sich dabei vor allem auf Produktivität und Effizienz, was zu einer Diskussion über Technologie führt, einschließlich Projektmanagement- und Lieferkettenlösungen bis hin zu komplexen Kommunikations- und Simulations-Tools.“

Mark Cutifani, CEO des britischen multinationalen Bergbauunternehmens Anglo American, rät seiner Branche, einen Blick auf andere Industrien wie Erdöl, Luftfahrt und Fertigung zu werfen, bei denen bereits Technologien für solche Bedürfnisse eingesetzt werden, beispiels­weise Lösungen für Konstruktion, Ver­messung, Modellierung und Simulation. Seinen Aktionären sagte Cutifani bei der Haupt­versammlung im April 2013, dass „zwar vieles schon erreicht wurde, wir aber dennoch nicht einfach so weiter­machen können wie bisher. Unser Aktienkurs dümpelt im Vergleich mit unseren Wettbewerbern dahin und wir schaffen es nicht, von dem Potenzial zu profitieren, das eigentlich in unserem Ressourcen-Portfolio schlummert.“

STRATEGIEN OPTIMIEREN

Ansatzpunkte zur Effizienzsteigerung und Kostensenkung bieten sich viele: von der Standortmodellierung und der Optimierung der Lieferketten bis hin zur Automat­isierung von Bergbaubetrieben, Instandhaltungs­überwachung und strategischer Planung.

„Wir müssen fähig sein, Minen und logistische Systeme so aufzubauen, dass wir auf Nachfrageänderungen schnell reagieren können und dabei Risiken und Unsicherheit reduzieren“, so Dr. Jörg Benndorf, Lehrbeauftragter für Rohstoffmanagement am Institut für Geowissenschaften und Ingenieurs­wesen an der Technischen Universität im niederländischen Delft. „Es dauert 10 bis 15 Jahre ein Bergbauprojekt einzurichten, mit mehreren Milliarden an Investitionen. Man kann nicht einfach auf den Markt reagieren. Man braucht geeignete Strategien, um die Investitionen zu begründen und Projekte erfolgreich zu implementieren.“

Einige Bergbauunternehmen wenden sich an Fachleute aus anderen Branchen, die entsprechende Initiativen vorantreiben sollen. „Manche Rohstoffunternehmen setzen mittlerweile sogenannte Liefer­kettenmanager ein, die Erfahrungen aus den Einzelhandel- und Verbrauchs­gütermärkten mitbringen und einige Erkenntnisse aus dem Lieferketten­prozess sowie die zugehörigen Tech­nologien auch in der Bergbaubranche umsetzen“, so Holmes von IDC. „Ich denke, dieser Trend wird sich auch in Zukunft fortsetzen.“

Cutifani rät der Bergbaubranche dazu, „ein Betriebs- und Projektumsetzungsmodell zu entwickeln, das auch Lösungen aus anderen Branchen nutzt, um die Umsetzung der Pläne und Disziplinen zu unterstützen, die für die Ver­besserung unserer Fähigkeiten und die Durch­führung unserer Strategie notwendig sind. Dabei werden wir auch die erfor­derlichen zugrundeliegenden Prozesse entwickeln, um unsere Wett­bewerbsposition zu verbessern und Margen wie auch Kapitalerträge zu erhöhen.“

WANDEL BEWÄLTIGEN

Vor der Bergbauindustrie liegt nicht gerade ein leichter Weg. Holmes und Benndorf sind sich darin einig, dass die größte Herausforderung im Umgang mit Wandel liegen wird.

„Der Bergbau ist eine sehr konservative Industrie. Veränderungen umzusetzen, dauert erfahrungsgemäß eine ganze Weile“, stellt Benndorf fest. „Bisher fehlte dafür der Antrieb, denn Bergbau war einfach ein zu lukratives Geschäft. Aber nun sind wir gezwungen, uns mit Kosten­senkungen zu beschäftigen. Für die Unternehmen wird es zunehmend interessanter, Instandhaltung, Minen­planung und Produktionsumsetzung intelligenter zu gestalten, und der Wille zum Wandel ist gewachsen, aber letztendlich ist dazu das Engagement von ganz oben nötig.“

Nach Holmes’ Überzeugung ist eine Änderung der Unternehmenskultur eine Voraussetzung für die Übernahme neuer Technologien. „Wie in anderen Branchen müssen wir uns auch im Bergbau über Lean-Techniken unterhalten“, betont er. „Für Bergbau-Unternehmen ist es wichtig, sich andere Branchen anzuschauen und zu studieren, wie dort diese Entwicklung angegangen worden ist. Wir brauchen ein echtes Umdenken und eine kulturelle Veränderung, die von den Top-Etagen der Unternehmen ausgeht, damit die Dinge auch umgesetzt werden.“

von Lisa Rivard Zurück zum Seitenbeginn