COMPASS MAGAZINE #10
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VORTEILE ERSCHLIESSEN CEO von Anglo American plädiert für nachhaltige Innovationen im Rohstoffbereich

Mark Cutifani, Geschäftsführer eines der weltweit führenden Bergbauunternehmen, Anglo American plc, glaubt, dass Technologie und Innovation den entscheidenden Beitrag dieser Branche zu unserem modernen Leben stärken und unterstützen können. 

COMPASS: Welche Bedeutung hat Ihrer Meinung nach der Bergbau für den globalen Wohlstand?

MARK CUTIFANI: Ohne den Bergbau wäre das Leben, wie wir es kennen, nicht möglich. Das Smartphone, das Sie in der Hand halten, besteht aus 76 unterschiedlichen Mineralien. In Zahlen ausgedrückt, tragen wir mit 8% bis 10% zum weltweiten Bruttoinlandsprodukt (BIP) bei. Wenn Sie unsere Erzeugnisse und deren entscheidende Bedeutung für andere Branchen betrachten, basieren 45% der Weltwirtschaft direkt oder indirekt auf dem Bergbau. 

Andererseits ist der Bergbau weltweit eine der Branchen mit den geringsten Umweltauswirkungen. Wir stellen Produkte her, die Ihr Trinkwasser trinkbar machen und die Luft reinigen, die Sie atmen. Wir beanspruchen weniger als 1% der Erdoberfläche. Wir erzeugen weniger als 2,5% des weltweiten Kohlendioxidausstoßes und dank der Düngemittel, die wir herstellen, wird für die Versorgung der Weltbevölkerung nur halb so viel Ackerfläche benötigt.

Machen Sie sich Sorgen darüber, dass wir die Ressourcen der Erde plündern?

MC: Die technologischen Entwicklungen der letzten 5.000 Jahre haben uns auf dreierlei Art weitergeholfen. Erstens konnten wir dadurch die Rohstoffe viel effizienter abbauen und auch niedriggradigere und qualitativ schlechtere Rohstoffe nutzen. Wir sind weit davon entfernt, die Ressourcen zu erschöpfen.

Zweitens benötigen wir dank der Fortschritte in den Materialwissen­schaften heute für das gleiche Resultat viel weniger Metall als noch vor 100 Jahren, was bedeutet, dass unser Pro­-Kopf­-Verbrauch (an mineralischen Rohstoffen) gesunken ist. Höchstwahrscheinlich werden wir schon bald nicht mehr so viel Eisenerz wie heute für bestimmte Dinge benötigen, weil wir beispielsweise andere Materialien gefunden haben, die denselben Zweck erfüllen.

Drittens gibt es so große Lagerstätten und die Technologie entwickelt sich so rasant weiter.

Wir wissen nicht, was die Zukunft bringt. In hundert Jahren könnten wir in der Lage sein, Materialien mit Technologien abzubauen, die wir uns heute noch gar nicht vorstellen können. Vielleicht schürfen wir sogar auf dem Mond? Wer weiß? 

„WIR MÜSSEN UNS VON UNSEREN KOLLEGEN AUS ANDEREN BRANCHEN VIEL ABSCHAUEN.“ 

MARK CUTIFANI GESCHÄFTSFÜHRER, ANGLO AMERICAN PLC

Sie haben mit sehr deutlichen Worten ausgedrückt, dass die Bergbaubranche von den, wie Sie es nennen, „rastlosen Erneuerern“ aus anderen Industriezweigen lernen muss. Was kann der Bergbau von der Fertigungsindustrie lernen?

MC: In der Fertigungsbranche hatte während der letzten 70 bis 100 Jahre derjenige einen Wettbewerbsvorteil, der innovativ war, dessen zugrunde­liegende Prozesse effektiv abliefen und der extrem gut auf Marktver­änderungen reagierte. Wir müssen uns von unseren Kollegen aus anderen Branchen auf diesen drei Gebieten viel abschauen. 

Gibt es bestimmte Fähigkeiten, die Ihrer Meinung nach die Bergbaubranche einsetzen muss, um innovativer zu sein?

MC: Es gibt drei Bereiche, in denen wir viel lernen müssen. Als erstes müssen wir konzipieren und modellieren, wie wir innovativer werden können. Verschiedene Szenarien, die wir erstellen und die uns dabei helfen, in einem dynamischen Umfeld effektiver zu sein, werden uns auch dabei helfen zu erkennen, wie wir etwas verbessern können. Der zweite Bereich ist, die Ideen unserer Mitarbeiter in unsere Prozesse zu integrieren, wie es auch Toyota macht. Und drittens müssen wir unsere Verarbeitungstechnologien verbessern, damit unsere Produkte sowohl für die Kunden wie auch für die Anteilseigner einen größeren Wert generieren. In diesen Bereichen muss der Bergbau meiner Meinung nach viel von anderen Branchen lernen.  

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von Tony Velocci