COMPASS MAGAZINE #10
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DALE CHIHULY Träume aus Glas

Ausstellungen des Künstlers Dale Chihuly trotzen allen Definitionen von Größe und Form, doch sie bringen Farbe, Textur und Licht in Balance und erschaffen neue und magische Erlebnisse: Kunstwerke, die Korallenriffe nachahmen, die auf Flüssen gleiten, Gärten verschönern und öffentlichen Glashäusern Farbe und Glanz verleihen. Compass hat mit Chihuly über seine Kunst und Inspirationen gesprochen.

COMPASS: Sie sind bereits seit über 30 Jahren Glaskünstler. Wodurch erhalten Sie immer wieder Ihre Inspiration?

DALE CHIHULY: Ich werde von vielen Dingen inspiriert, und ich folge stets meinem Bauchgefühl und versuche, etwas zu erschaffen, was noch keiner jemals gesehen hat. Meine wichtigste Inspirationsquelle ist das Glas selbst – der Vorgang des Glasblasens. Dieses wundersame Ereignis, bei dem der Atem durch ein Rohr fließt ... und am anderen Ende entsteht diese Form.

Glauben Sie, das Glas hat Sie gefunden, oder war es umgekehrt? Und warum ausgerechnet Glas?

DC: Als ich an der University of Washington (USA) Innenraumgestaltung und Architektur studierte, besuchte ich einen Webkurs, wo ich Glasscherben in Wandteppiche einband. Eines Abends habe ich in meinem Keller experimentiert und dabei meine erste Glas­kugel geblasen. Seitdem war ich fasziniert und wollte alles über das Glasblasen lernen.

Für mich ist Glas der magischste aller Werk­stoffe. Seit Jahrhunderten sind die Menschen von Glas fasziniert. Ich arbeite mit transparenten Materialien – Kunststoff, Glas, Eis und Neon – weil sie lichtdurchlässig sind. Das Licht scheint hindurch und man sieht Farben, kobaltblau, rubinrot – alle möglichen Farben.

Nach zwei Unfällen haben Sie im Glas­bläserteam eine andere Position ein­genom­men, die eher leitende/aufsicht­führende Tätigkeiten umfasst. Was haben Sie dabei gelernt?

DC: 1976 hatte ich einen Autounfall, bei dem ich mein linkes Auge verlor. Einige Jahre später habe ich mir beim Surfen die Schulter ausgekugelt und musste dann das Glasblasen endgültig aufgeben. Ich habe mit dem Zeichnen begonnen, um für das Team etwas zu tun. Ursprünglich habe ich die Zeichnungen angefertigt, damit die Glasbläser die Formen, die sie herstellen sollten, sehen und verstehen konnten.

Als ich noch selbst geblasen habe, hatte ich viel weniger Kontrolle als jetzt. Manchmal vergleiche ich meine Tätigkeit mit dem Filmemachen. Wenn ich der Regisseur wäre, müsste ich nicht ständig selbst durch die Kameralinse schauen. Ich würde den besten Kameramann engagieren und hätte dadurch die Möglichkeit, mich am Set frei zu bewegen.

Bitte erläutern Sie das Teamkonzept beim Glasblasen und warum es so entscheidend ist, das Glas als Team zu blasen.

DC: Ich habe diesen Teamgedanken beim Glasblasen während meiner An­stellung in der Venini-Glasfabrik im italienischen Murano übernommen. Er ist für meine Tätigkeit wichtig, weil ich dadurch in großem Maßstab arbeiten kann. Je nach Kunstwerk besteht das Team aus 8 bis 15 Glasbläsern.

Ihr Team lässt sich von Ihren Zeichnungen inspirieren, die sie dann durch das Glas­blasen zum Leben erwecken. Können Sie erklären, wie dieser Prozess begann und sich entwickelte?

DC: Es begann damit, dass ich wollte, dass die Zeichnungen wie Glasarbeiten aussehen. Darum habe ich mit unter­schiedlichen Techniken experimentiert, bis ich schließlich bündelweise Bleistifte und Buntstifte in den Händen hielt. Beim Zeichnen kann ich über Dinge nachdenken. Ich kann mit vielen Farben zeichnen und arbeiten und das inspiriert mich sehr.

„ICH HABE STÜCKE IN DEN FLUSS GEWORFEN, DIE FINNEN SIND IN IHRE RUDERBOOTE GESTIEGEN UND HABEN SIE EINGESAMMELT, UND SIE HABEN PHANTASTISCH AUSGESEHEN.”

DALE CHIHULY DARÜBER WIE ER BEM ARBEITEN IN FINBLAND ZU SEINEN RUDERBOOT-INSTALLATIONEN INSPIRIERT WURDE

http://www.youtube.com/watch?v=fNVo3Vp5VOQ&feature=youtu.be

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von Rachel Callery