COMPASS MAGAZINE #10
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ÉCOLE D’ART AU VILLAGE

Pablo Picasso sagte einmal: „Als ich so alt war, konnte ich malen wie Raffael. Aber ich brauchte ein Leben lang, um so malen zu lernen wie ein Kind.” Für Sébastien Cailleux schwingen diese Worte in jedem Projekt der École d’Art au Village (EDAAV) mit.

Als international tätiger Reporter und Fotograf taucht Cailleux viele Monate in andere Kulturen ein. Als er 2008 nach Äthiopien reiste, lernte er Leikun Nahusenay kennen, einen Künstler, der Kindern in weit abgelegenen Dörfern das Zeichnen lehrte. Das war die Geburtsstunde des Vereins EDAAV. 

KÜNSTLER VON KLEIN AUF 

Cailleux und Nahusenay reisten mit ihrem Künstlerkollegen Eyerusalem Abera viel durch Äthiopien und suchten nach einer Möglichkeit, das Volk zu unterstützen. „Wir stellten fest, dass viele Dorfbewohner im Süden des Landes schon von frühester Kindheit an ihre Körper bemalten, um so ihre gesellschaftliche Position und ihre religiösen Überzeugungen auszu­drücken. Wir dachten, wir können noch einen Schritt weiter gehen und den Kindern zeigen, wie man Materialien verwendet, die sie noch nie benutzt hatten, und sehen, wohin sie das führt.“ 

Als Cailleux mit den Kinderzeichnungen nach Frankreich zurückkehrte, gründete er EDAAV, einen Verein, der Kinder dabei unterstützt, ihr kulturelles Erbe und ihre Umgebung zu zelebrieren. Seitdem hat EDAAV Projekte in 22 Ländern durchgeführt.

„Viele (Kinder) schenken den Pflanzen, Gebäuden oder Tieren auf ihrem Schulweg kaum Beachtung“, sagt Cailleux. „Wir Künstler möchten die Beobachtungsgabe der Kinder wecken und sie ermutigen, ihre Eindrücke und Gefühle festzuhalten.“

Cailleux fotografiert die Zeichnungen der Kinder und überblendet sie mit einem Foto des jeweiligen Kindes. „Die Konturen des Gesichts und die der Zeichnung überschneiden sich und lassen einen Dialog zwischen den beiden entstehen“, sagt er. 

VON PASTELL ZU PIXEL 

Die professionellen Künstler von EDAAV setzen neue Technologien ein, damit die Kinder ihre Kreativität besser entfalten können. „Die Kinder von heute werden in eine digitale Welt hineingeboren“, sagt Cailleux.

„Sobald wir ihnen die Grundlagen des Zeichnens mit herkömmlichen Materialien beigebracht haben, stellen wir ihnen ein Tablet oder einen Laptop zur Verfügung, damit sie ihr Werk mittels digitaler 3D­-Werkzeuge vervollständigen können.“

Eines dieser Projekte ist die digitale Rekonstruktion von Gondar, dem Palast der Königin von Saba in Äthiopien, der als verschwunden galt. „Die Kinder werden jeden Teil des Bauwerks ‘digital wiedererschaffen’ und damit ein Stück ihres kulturellen Erbes wieder zum Leben erwecken“, sagt Cailleux.

„Egal wo sie herkommen und unter welchen Bedingungen sie leben, ihre Vorstellung von der Welt ist weder düster noch grau, sondern sehr farbenfroh“, sagt Cailleux. „Durch unsere Arbeit mit Kindern aus allen Gesellschaftsschichten habe ich gelernt, selbst wieder zum Kind zu werden.“ ◆

Weitere Informationen:  www.edaav.org

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