COMPASS MAGAZINE #10
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EDUARDO KOBRA Kunst für alle

Das bezaubernde Zusammenspiel lebendiger Farben und ikonischer Bilder sorgt dafür, dass man die Arbeiten des brasilianischen Straßenkünstlers Eduardo Kobra weder übersehen noch vergessen kann. 

Eduardo Kobras Werke auf Wänden, Unterführungen und Häusern kontrastieren Schwarz-Weiß-Zeichnungen mit lebendigen Farbkompositionen und komplexen Mustern und lassen dadurch eine einzigartige künstlerische Signatur in modernen Stadtlandschaften entstehen. 

Kobra wurde 1976 in Sao Paulo, Brasilien, geboren und begann schon in jungen Jahren mit „Pichação“, besser bekannt als Graffiti Tagging.

Das Leben in Sao Paulo und die Hip-Hop-Kultur hatten wesentlichen Einfluss auf seine Ent- wicklung als Straßenkünstler, sagt er und macht damit die Verbindung zwischen seiner Arbeit und der Stadt zu einem konstanten und wichtigen Element seiner Kreationen.

„In meinem Fall war es ganz natürlich, die Stadt als unterstützendes Element zu nutzen, weil ich es so in den Außenbezirken von Sao Paulo gelernt habe“, sagt er. „Ich fühle mich geehrt, meine Arbeiten den Menschen zeigen zu dürfen, die noch nie in einem Museum oder einer Galerie waren. Zu wissen, dass viele Menschen tagtäglich meine Werke sehen, ist ein schöner Lohn.“

Für neue Projekte studiert Kobra die Geschichte des Ortes und zieht seine Inspiration aus alten Bildern, historischen Fakten und klassischen Szenen. Er nutzt auch seine aus über 500 Bänden beste- hende Buchsammlung mit Werken aus diversen Ländern und Epochen für seine Arbeit. 

 

„ICH FÜHLE MICH GEEHRT, MEINE ARBEITEN DEN MENSCHEN ZEIGEN ZU DÜRFEN, DIE NOCH NIE IN EINEM MUSEUM ODER EINER GALERIE WAREN.” 

EDUARDO KOBRA STRAßENKÜNSTLER

Ein bemerkenswertes Beispiel ist seine Interpretation des berühmten Fotos von Alfred Eisenstaedt „V-J Day in Times Square“. Das Original ist eines von Kobras Lieblingsstücken und zeigt einen amerikanischen Matrosen, der am Tag des Siegs über Japan 1945 eine Frau im weißen Kleid küsst. Das Wandgemälde an einer Häuserwand unweit des Times Square in New York City besteht aus leuchtenden Farben, die strahlenförmig von diesem symbolischen Paar ausgehen – ein starker Kontrast zum umgebenden Stadtbild. 

Viele von Kobras anderen gefeierten Werken stellen angesehene Personen der Geschichte dar, wie Albert Einstein und Abraham Lincoln, aber auch Prominente der heutigen Zeit, wie den amerikanischen Rapper, Songwriter und Schauspieler Tupac Shakur.

„Die wichtigsten Aspekte meiner Arbeit sind die Geschichte und die Erinnerung“, sagt Kobra. „Obwohl sie ästhetische Fragen aufwerfen, ist das Hauptanliegen dieser Wandgemälde der Kontrast zwischen Vergangenheit und Gegenwart, und manchmal verdeutlichen sie auch die Notwendigkeit, das historische und kulturelle Erbe zu bewahren. Dies wird in vielen Ländern, wie Brasilien, leider nicht sehr ernst genommen.“

In jüngerer Vergangenheit wurde Kobra von Auftraggebern wie PRHBTN aus Lexington, Kentucky, und No Limit Street Art Borås aus Schweden darum gebeten, neue Werke für organisierte Feste der Straßenkunst zu erschaffen. Kobra war auch einer von 12 Künstlern, die von McDonald’s beauftragt wurden, ein neues Design für die Pommes-frites- Verpackung während der FIFA Fußball- WM 2014 zu entwerfen, die in seinem Heimatland Brasilien stattfand.

Zwar wird Kobra von der Vergangenheit inspiriert, aber er kennt sich auch mit neuester Technologie aus, insbesondere den sozialen Netzwerken, wo er seine Arbeiten zeigt. Auf Instagram hat er über 74.000 Follower und auf seiner Facebook-Seite über 97.000 Gefällt- mir-Klicks.

Über soziale Medien und Technologie sagt Kobra: „Sie sind für meine Kunst nicht überlebenswichtig, aber ich glaube, es ist nachlässig, die Vorteile der verfügbaren Technologien nicht zu nutzen. Technologie kann und sollte positiv eingesetzt werden.“

Für 2015 plant Kobra, in sieben unter- schiedlichen Ländern zu arbeiten. Einbegriffen ist eine Rückkehr nach New York City, um acht neue Werke zu erschaffen. ◆ 

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von Sean Dudley