COMPASS MAGAZINE #10
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BUSINESS IN DER CLOUD Mobile, Social und Big Data-Konvergenz in der Cloud sorgen für neue Spielregeln im Wettbewerb

Die heutigen technologischen Umbrüche – unterstützt durch die innovative Methode der Cloud – ändern auch die Art und Weise, wie Unternehmen Geschäfte machen. Während kleine Firmen darauf brennen, die Vorteile der Cloud zu nutzen, verlieren große Organisationen, die zögern, möglicherweise ihren Wettbewerbsvorteil.

Unternehmen haben schnell erkannt, wie sehr Verbraucher mobile und soziale Apps mögen, und sputen sich, beide in ihre Geschäfts­ modelle zu integrieren. Auch Big Data ist auf dem Vormarsch. Vorangetrieben und ermöglicht werden all diese Trends durch die größte treibende Kraft: Cloud Computing.
Mobile, Social und Big Data konvergieren in der Cloud: Die Technologieberater IDC und Gartner nennen das Phänomen beim Namen. Gartner konzentriert sich dabei auf die Konvergenz und spricht von „The Nexus of Forces“ (im Deutschen etwa „Kraftverbund“).

IDC betont das neue Computing­Modell, das die Konvergenz ermöglicht, und nennt es „The Third Platform” („die dritte Plattform“) und prognostiziert, dass es eine breite neue Schicht an industrie spezifischen Lösungen unterstützen wird. Doch egal, wie man es nennt, beide Konzepte basieren auf der gleichen Realität: Die Art des Computerwesens im 21. Jahrhundert – und damit auch die Art, wie man Geschäfte macht – wird sich radikal ändern

KLEIN UND FLINK

Die Flut der Cloud lässt nicht alle Boote gleich gut schwimmen. Kleine und mittelständische Unternehmen (KMUs), die beim Zugang zu Technologie seit Jahrzehnten hinter den großen hinterher­ hinken, führen jetzt das Rennen „Go Cloud“ an.

Im Gegensatz zur ersten (Großrechner) und zweiten (Client/Server) Plattform kommt Cloud Computing ohne große IT-Budgets, Teams und Datenzentren aus, so dass die Kosten für den Start eines technologieintensiven Unternehmen mit einem lauten Knall gefallen sind. Jeder, der eine Idee, eine Kreditkarte oder eine Internetverbindung hat, kann Platz auf einem Server kaufen, eine oder zwei Anwendungen mieten (oder eigene aufbauen) und loslegen.

Da die Einstiegshürden deutlich niedriger sind, beflügelt die Konvergenz von Cloud, Mobile, Social und Big Data Innovationen, Wachstum und eine Rekordzahl an Unternehmen. Chief Analyst Frank Gen von IDC sagt vorher, dass bis 2018 ein Drittel der heutigen Top 20 der marktführenden Unternehmen in den meisten Industrien „von neuen Wettbewerbern und neu aufgestellten etablierten Firmen, die neue Services und Geschäftsmodelle mit der dritten Plattform kreieren, zerstört werden“.

Warum sind die heute erfolgreichsten Unternehmen in Gefahr? Eine Antwort könnte die Umfrage „State of the Cloud 2013“ liefern, die vom Cloud­Anbieter Rightscale (Santa Barbara, Kalifornien, USA) gesponsert wurde und ergab, dass es deutliche Unterschiede gibt, wie schnell große und kleine Unternehmen Cloud-Technologien annehmen. Die Studie zeigte, dass bereits 41% der kleinen und mittelständischen Unternehmen (KMUs) Cloud Computing umfassend nutzen. Im Gegensatz dazu befinden sich bei den großen Unternehmen ab 1.000 Mitarbeitern 32% noch in der frühesten, experimentellen Phase.

Während große Organisationen prüfen und zusehen, ernten frühzeitige Anwender die Vorteile, die das Wettbewerbsumfeld verändern könnten. Bei den erfahreneren Anwendern der Cloud berichten 80% von einem schnelleren Zugang zur Infrastruktur und einer verbesserten Skalierbarkeit; weniger als 30% der Cloud­Neulinge können dasselbe behaupten. Etwa 60% der routinierten Anwender berichten von einer optimierten Effizienz der IT-Mitarbeiter und einer größeren geografischen Reichweite im Vergleich zu weniger als 20% der Cloud­Anfänger.

 „ANSTATT DIE ARBEIT DEN TOOLS ANZUPASSEN, SOLLTEN DIE TOOLS AN DIE ART UND WEISE, WIE MENSCHEN HEUTE ARBEITEN WOLLEN, ANGEPASST WERDEN.”

JOHN HERSTEIN SENIOR VICE PRESIDENT CUSTOMER SERVICE, BOX

„Es ist nicht einfach nur in der Cloud oder außerhalb der Cloud, die Cloud ist überall“, beobachtet David W. Cearley, Vizepräsident und Partner bei Gartner, in einem Video, das die Top 10 der strategischen Technologietrends des Unternehmens für 2014, die von vier „Nexus of Forces“ („Kraftverbund“)­ Technologien angeführt werden, ankündigt. „Eine hybride Cloud ist die Zukunft. Der ‚Nexus of Forces‘ ist wichtig, weil diese Trends bahnbrechend für die Zukunft der IT sein werden.“

WARUM DIE CLOUD?

John Herstein, Senior Vice President für den Customer Service bei Box (Los Altos, Kalifornien, USA), Anbieter von Cloud Storage and Collaboration, merkt an, dass Unternehmen Technologie traditionell für eine Realität der zweiten Plattform kaufen: Menschen, die in ihren vier Wänden arbeiten. Heute jedoch sind mobile und soziale Anwendungen die Norm und Big Data wächst an. Dennoch versuchen viele Unternehmen noch immer, die neuen Arbeitsmuster mit veralteten Systemen zu unterstützen. „Anstatt die Arbeit den Tools anzupassen, sollten die Tools an die Art und Weise, wie Menschen heute arbeiten wollen, angepasst werden“, rät Herstein.

Doch viele IT-Experten tun sich schwer damit, den Wechsel in die Cloud zu akzeptieren, meint Stephane Maarek, Vizepräsident Nordamerika beim Cloud Infrastructure Provider Outscale in Frankreich. Letztendlich, so sagt er, werden die Vorteile der Cloud aber ihre Einwände überwiegen.

„Eine Cloud­Infrastruktur verspricht, neue Produkte und Lösungen schneller und kostengünstiger bereitzustellen“, sagt Maarek. „Die Flexibilität der Ressourcen und Automatisierungstools für die Infrastruktur ist bei der Nutzung der Cloud einzigartig und wird jetzt durch fähigere und dynamischere Teams unterstützt, die eine Reduzierung der Kosten und Produkteinführungszeiten erlauben.“

Wenn Maarek die Möglichkeiten der Cloud präsentiert, weist er darauf hin, dass ein Unternehmen alleine schon Wochen braucht, um ein Modell der zweiten Plattform um eine nur kleine Server­Gruppe zu ergänzen. Outscale kann dagegen in weniger als fünf Sekunden 1.000 Windows-Server zuschalten. Das sei ein Beispiel, sagt er, das Skeptiker häufig überzeugt.

STOLPERSTEINE

Dennoch kämpfen immer noch viele große Unternehmen mit ihrer Haupt­ sorge zum Cloud Computing: der Sicherheit (siehe hierzu auch den Artikel auf Seite 50). Die „State of the Cloud“­Studie zeigt allerdings, dass die Bedenken zur Sicherheit mit zunehmender Erfahrung mit der Cloud schwinden: „Der Prozentsatz der Unternehmen, die berichten, dass die Sicherheit ein erhebliches Problem ist, sank von 38% der Cloud­Anfänger auf 18% der Cloud­Fortgeschrittenen.“
 

Auch die Schwierigkeiten mit der Unternehmensführung, der Beachtung von Vorschriften und der Integration in interne Systeme waren bei cloud­ fokussierten Unternehmen rund 50% niedriger als bei Anfängern.

CHANCEN DER CLOUD

Wäre der Einstiegspreis höher, könnten sich die IT-Abteilungen von Unter­ nehmen für einen langsamen Übergang entscheiden. Doch in der sich unmittelbar ändernden Welt von heute drängen viele Manager ihre IT-Abteilungen dazu, schneller zu wechseln.

Stephen Orban, CTO beim Informations­ anbieter für Finanzmärkte Dow Jones and Company, gibt zu, von den Anwendern des Unternehmens unter Druck gesetzt zu werden. „Hier weiß es einfach jeder besser“, erklärte Orban kürzlich auf einer Konferenz. „Jeder arbeitende Mensch weiß genug über Technologie, so dass alle beeinflussen wollen, was wir bauen.“

Diese Veränderung, so Orban, hätte seine Abteilung dazu gezwungen, innovativer und inklusiver zu sein. Dementsprechend geht er zu agileren Entwicklungsprozessen über und bewegt viele der Prozesse des unternehmenseigenen Datenzentrums in die Cloud.

Führungskräfte wie Orban erkennen, dass die Vorteile von Cloud Computing einfach zu groß sind, um sie zu ignorieren. Auch wenn niemand vorschlägt, dass ein Unternehmen sein Datenzentrum von heute auf morgen schließt, empfehlen Experten dennoch, mit dem Übergang zu beginnen. Genau wie IDC prophezeit, dass auf ein Drittel der Top 20­Unternehmen in den meisten Industrien Probleme zukommen: Organisationen, die – ganz gleich aus welchem (guten) Grund – zu langsam sind, laufen Gefahr, von den kleinen und flexiblen Unternehmen überholt zu werden. ◆

„DIE FLEXIBILITÄT DER RESSOURCEN UND AUTOMATISIERUNGSTOOLS FÜR DIE INFRASTRUKTUR IST BEI DER NUTZUNG DER CLOUD EINZIGARTIG.”

STEPHANE MAAREK VICE PRESIDENT NORDAMERIKA, OUTSCALE
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von Ron Miller
  • Ron Miller ist ein freiberuflicher Technologie­Journalist, Blogger (byronmiller. typepad.com) und Redakteur von zahlreichen tech nischen Publikationen. Er ist Mitbegründer von socmedianews.com und schreibt seit 2008 über die Cloud.
  • Weitere Informationen: http://bit.ly/1km6mU7