COMPASS MAGAZINE #10
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DIE DATENEXPLOSION Wissenschaftler erkennen die Tücken und Versprechungen von Big Data

Die Fähigkeit, große Daten­mengen zu jedem Zeitpunkt des Entdeckungs­-, Entwicklungs­- und Vermarktungszyklus zu verwalten, ist von entscheidender Bedeutung. Analysewerkzeuge unterstützen Forscher dabei, ihre Daten in Wissen zu verwandeln. 

Morten Meldgaard und Kaare Buch Petersen leben in einem kleinen Land, aber sie haben große Datenmengen bezwungen. 

Die beiden arbeiten für Chr. Hansen, einen dänischen Anbieter von Bioscience­basierten Ingredienzen für die Lebens­mittel­- und Gesundheitsbranche. Meldgaard ist Programm-­Manager, dessen Aufgabe es ist, die Verwaltung der explosionsartig gewachsenen Datenmengen des 140 Jahre alten Unternehmens zu verbessern, und Petersen ist IT­-Spezialist. Die beiden Herren haben mit ihren cloud­basierten Datenverarbeitungslösungen größere Konkurrenten aus der Branche abgehängt. Die monatlichen Gesamt­kosten für Infrastruktur und Software betragen rund 1.000 US­-Dollar. 

BAKTERIEN ENTSCHLÜSSELN 

Vor dem großen Durchbruch des Duos haben die Wissenschaftler von Chr. Hansen eine Probe manuell analysiert und ihre Ergebnisse auf Papier festgehalten. Dieses Vorgehen hat jahr­zehntelang funktioniert, bis die Datenflut aus anderen Quellen ihren Lauf nahm, beginnend mit einem elektronischen Laborjournal (ELN).

Bald waren leistungsstarke Tools verfügbar, die zeitgleich bis zu 500 Analysen durchführen konnten, es wurden Roboter in den Laboren eingesetzt und ein neues Verfahren ermöglichte das 500-­Fache an Versuchen.

„Den Forschern war klar, dass sie vor einer Herausforderung standen“, sagt Meldgaard. „Sie produzierten immer mehr Daten und diese waren immer komplexer.“ 

CLOUD­-COMPUTING ALS RETTUNG 

Die Datenexplosion ist für die gesamte Wissenschaft eine große Herausforderung, und Forschungsdaten machen da nur den Anfang. Andere Bereiche, einschließlich Entwicklung, Prüfung durch Zulassungs­behörden, Herstellung und Vertrieb, generieren jeweils eigene Berge an Informationen.

„Die Menschen werden von Datenmengen überflutet“, sagt Alan S. Louie, Forschungs­direktor bei IDC Health Insights in Framingham, Massachusetts (USA). Die Datenspeicherung sei eine Heraus­forderung, aber „die Fähigkeit, diese Daten zu verarbeiten und in schlüssige Theorien zu fassen, ist viel schwieriger“, sagt Louie.

Cloud­-Computing kann das Chaos be­zwingen. „Die Cloud ist nahezu perfekt“, meint Andrew Brosnan, ein Analyst des britischen Forschungsinstituts Ovum. „Sie ist leicht skalierbar und leicht erweiterbar. Wenn man ein zweijähriges Projekt mit einem Auftragsforschungsinstitut in der Schweiz bearbeitet, kann man die IT-Umgebung auf dieses erweitern. In diese Richtung geht es momentan.“ 

„DARK DATA“ ELIMINIEREN 

Meldgaard und Petersen haben auch festgestellt, dass die Nutzung der Cloud kostengünstiger ist als die einschlägige Infrastruktur. „Wir hätten 100.000 US-Dollar oder mehr dafür benötigt“, sagt Petersen. „Für die Cloud geben wir monatlich nur 1.000 US­-Dollar aus.“

Das Vorgehen von Chr. Hansen ermöglicht es den Wissenschaftlern, Muster in ihren Daten schnell zu erkennen. „Unsere Lösung war für sie wie ein Zauberstab, dank dem sie viel Zeit sparen konnten“, sagt Petersen. Viele Unternehmen leiden am „Dark­-Data“­-Syndrom; sie besitzen zwar nützliche Daten, können diese aber nicht durchsuchen oder allen internen Mitarbeitern zur Verfügung stellen. Doch die neuen Tools von Chr. Hansen haben auch dieses Problem behoben.

„Die Speicherung von Big Data ist nahezu perfekt für uns“, sagt Meldgaard. „Wir können die Daten speichern und dann damit herumspielen und sie interpretieren. Herkömmliche Datenbanken erforderten, dass wir uns vorab entscheiden, wie die Daten auszusehen haben und wie sie zu interpretieren sind.“ 

VERNETZT MIT DEN KONSUMENTEN 

Das nächste große Ziel für Chr. Hansen ist die Ausweitung des Systems auf andere Unternehmensbereiche. Produktentwickler verlangen den Zugriff auf Produktionsdaten und umgekehrt; auch der Verkauf, die Finanz-­ und Rechtsabteilungen möchten angebunden werden.

Der größte Traum des Unternehmens ist es, die Meinung der Konsumenten beispielsweise über den Geschmack eines bestimmten Joghurts zu erfassen, wenn sie sich auf Facebook oder Twitter darüber austauschen. Diese Informationen könnten dann den Forschern zur Verfügung gestellt werden, die an der Verbesserung der Produkte arbeiten.  

von William J. Holstein Zurück zum Seitenbeginn
von William J. Holstein

https://www.youtube.com/watch?v=8aNdydqdXPg