COMPASS MAGAZINE #10
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DIE HEIMKEHR DER JOBS Master Lock zeigt, wie das zu erreichen ist

In der westlichen Welt machten einige Unternehmen durch „Reshoring“ Schlagzeilen - in Billiglohnländer ausgelagerte Fertigungsjobs werden zurückgeholt. Aber die neuen Jobs stellen höhere Anforderungen an die Ausbildung der Mitarbeiter, als diejenigen, die sie ersetzen. Wie das US-amerikanische Unternehmen Master Lock herausfand, ist die Suche nach geeigneten Mitarbeitern eine echte Herausforderung.

Die in den Heimatmarkt zurückkehrenden Jobs sind nicht zwangsläufig dieselben, die einst ins Ausland ausgelagert worden sind. Master Lock Co., die im amerikanischen Milwaukee ansässige Tochter des Unternehmens Fortune Brands Home & Security, zog viel Aufmerksamkeit auf sich, darunter auch ein Besuch von US-Präsident Barack Obama, als sie 2012 bekannt gab, 100 zuvor nach China und Mexiko ausgelagerte Jobs zurück nach Milwaukee gebracht zu haben.

Als Gründe nannte das Unternehmen steigende Lohn- und Logistikkosten in Asien, Arbeitskräftemangel in China und eine stärkere chinesische Währung. Außerdem waren die Gesamtkosten am Werk von Master Lock in Milwaukee nicht so stark gestiegen wie in China – teilweise auch durch Zugeständnisse der Gewerkschaft. Zudem erlangt das Unternehmen durch die Heimkehr der Arbeitsplätze wieder mehr Kontrolle über seine Fertigung, wodurch die Kunden besseren Service erhalten.

Dabei stellt Master Lock nicht dieselben Montagearbeiter ein, von denen man sich einst bei der Verlegung der Jobs ins Ausland getrennt hatte. Stattdessen braucht man qualifizierte Arbeitskräfte mit den Fertigkeiten, die auf schlanke Produktion ausgerichteten Maschinen zu bedienen und die hochmodernen automatisierten Produktionssysteme zu überwachen. Diese ermöglichen dank geringerer Kosten überhaupt erst, die höherwertige Produktion im Bundesstaat Wisconsin zu belassen.

Das Unternehmen versucht zusätzlich, die Struktur seiner Lieferkette in den USA bedeutend zu verbessern, was hochentwickelte Fähigkeiten erfordert. Der Mangel an Arbeitskräften mit solchen Qualifikationen könnte die Rückkehr von weiteren Master Lock-Jobs behindern. „Der Pool an qualifizierten Arbeitskräften wird immer älter, immer weniger junge Menschen kommen über das Bildungssystem oder Familie und Freunde mit einer Fachkraftausbildung in Berührung“, so John Heppner, Chief Executive von Master Lock.

Um diese Lücke zu füllen, arbeitet Master Lock mit lokalen Fachschulen, den Technical Colleges, zusammen, um Mitarbeiter zu finden und auf die Fertigungstechnik bezogene Lehrpläne für ihre Ausbildung zu entwickeln. Doch Heppner sagt, dass das Klima für die US-amerikanische Fertigungsindustrie insgesamt weiter verbessert werden müsse.

„Wir haben lange gebraucht, um unsere Fertigungsbasis auszuhöhlen. Nun wird es auch einige Zeit brauchen, um sie wieder aufzubauen und neu zu beleben“, sagt Willy Shih, Professor an der Harvard Business School. Auch wenn die neuen Jobs Fertigkeiten fordern, die für die alten nicht vonnöten waren, zeigt Master Lock, dass diese Herausforderung zu meistern ist.

von William J. Holstein Zurück zum Seitenbeginn
von William J. Holstein