COMPASS MAGAZINE #10
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DIE STIMME DER ERFAHRUNG Didier Evrard, Executive Vice President und Leiter des Airbus A350 XWB Programms

In der schnelllebigen Welt von heute, in der sich die Marktbedürfnisse rasch ändern, ist der Kontakt mit dem Kunden von entscheidender Bedeutung. Wir haben dies auf schmerzhafte Weise erfahren müssen, als unsere erste Definition des Airbus A350 nicht den Anforderungen unserer Kunden entsprach. Damit hatte unser Wettbewerber in einem hart umkämpften Umfeld die Nase vorn. Wir mussten die Lücke zu ihm schließen, und so entwickelten wir den A350 XWB (das Kürzel steht für Extra-wide Body, also einen besonders breiten Rumpf).

Uns war klar, dass der A350 XWB das gewaltigste und komplexeste Programm in der Geschichte der europäischen Luft- und Raumfahrt­industrie werden würde. Er ist das erste Airbus-Flugzeug, für dessen Bau reichlich Carbonfaser eingesetzt wurde – mehr als 50% des Rumpfes und der Tragflächen bestehen aus diesem Material. Dafür mussten viele neue Verfahren umgesetzt werden, und wir standen vor der Herausforderung, die Herstellung möglichst schnell voranzutreiben. Zudem mussten wir alle unsere Zulieferer anleiten, sich den Herausforderungen dieses neuen Flugzeugtyps anzupassen.

Wir mussten daher unsere Effizienz dramatisch steigern. Eine gute Zusammen­arbeit war entscheidend. Alle Beteiligten mussten von Anfang an miteinander vernetzt sein, um Ideen aus allen Disziplinen zu verwirklichen und Verfahren zu entwickeln, die sich von den für den A380 verwendeten Methoden radikal unterschieden. Zum ersten Mal überhaupt versammelten wir alle Abteilungen unter einem einzigen Programm-Management, um die Teams zu vereinen und dafür zu sorgen, dass sie sich alle einem gemein­samen Ziel verpflichtet fühlten.

Täglich greifen mehr als 3.000 Nutzer in Echtzeit auf unser digitales Mock-Up (DMU) zu, was extrem effizientes Arbeiten ermöglicht. Weil wir wirkungs­volle Brücken zwischen der Entwicklung und der Produktion schlugen und diese über ein virtuelles 3D-Modell auf einer einzelnen Plattform zusammenarbeiten konnten, war es uns möglich, die meisten Rückmeldungen frühzeitig zu klären. Wurde eine Änderung notwendig, wusste jeder ohne Verzögerung davon, auch unsere Zulieferer. Die ausgiebige Simulation von Strukturen und System­funktionen, die alle früheren Projekte in den Schatten stellte, trug ebenfalls zur außergewöhn­lichen Qualität der Spezifikations­- dokumentation für den A350 XWB bei.

Die Ergebnisse unserer innovativen Zusammenarbeit sind beeindruckend. Wir haben unsere Wettbewerber nicht nur eingeholt, wir haben sie überholt. Wir haben fast ein Jahr im Voraus den Jungfernflug unseres Flugzeugs angesetzt und diesen Termin am 14. Juni 2013 auch gehalten. Derzeit stehen bereits mehr als 700 Bestellungen in den Büchern, und seit dem ersten Flug wurden 270 Flugstunden absolviert, das Flugzeug verhält sich sehr gut.

„Alle beteiligten mussten von anfang an miteinander vernetzt sein. Zum ersten mal überhaupt versammelten wir alle abteilungen unter einem einzigen programm-management.“

Didier Evrard Executive Vice President Und Leiter Des Airbus A350 Xwb Programms

Wir sind sehr stolz auf das, was wir erreicht haben, sowohl für unsere Airbus-Mitarbeiter wie auch für unsere Zulieferer. Gerade für mich persönlich ist es ein besonderer Erfolg. Der A350 XWB ist das letzte Programm, das ich bei Airbus leite. Die Größe der Heraus­forderung an allen Fronten und die Möglichkeit, Airbus EADS auf dem Weg zu diesem Meilenstein in seiner Geschichte zu helfen, waren unglaubliche Motivations­­faktoren für mich.

Was wir erreicht haben – nicht nur auf das Flugzeug selbst bezogen, sondern auch auf die Arbeitsweise bei Airbus und mit unseren Zulieferern – ist ein Vermächtnis, von dem man auch bei künftigen Programmen profitieren wird.

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