COMPASS MAGAZINE #10
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SMARTE KÜCHE Dank Vernetzung ist die Benutzung eines Hausgeräts von Miele eine neue Erfahrung

Miele, Deutschlands Premium-Hersteller von Hausgeräten, wurde 1899 mit dem Leitmotiv gegründet, „immer besser“ zu sein. Heute erfüllt das Unternehmen dieses Versprechen auf eine neue Art, mit smart vernetzten Hausgeräten, die dem Verbraucher das Leben leichter und angenehmer machen – eine ganz neue Hausgeräte-Erfahrung.

Dr. Eduard Sailer, Geschäftsführer Technik des deutschen Hausgeräte-Herstellers Miele, überlässt das Kochen meist seiner Frau und seinen Töchtern. Aber wenn er wissen will, wann das Abendessen fertig sein wird, um rechtzeitig das Büro zu verlassen, kann er den Status des Backofens mit der mobilen App Miele@mobil auf seinem Smartphone checken.

Der Backofen ist nicht das einzige vernetzte Gerät in Sailers Haushalt. Alle Miele-Hausgeräte sind vernetzt und können untereinander und mit ihm kommunizieren. Wenn man den Herd einschaltet, sendet er ein Signal, welches das Licht in der Dunstabzugshaube einschaltet.

Je nach Kochstufe und Anzahl der Kochstellen wird automatisch die Stärke des Gebläses angepasst. Ein nächster Schritt könnte sein, dass die Waschmaschine an den Trockner die Umdrehungszahl des Schleudergangs kommuniziert, und der kalkuliert in Abhängigkeit von der Wäschemenge die voraussichtliche Trockenzeit.

„In der smarten Küche 2020 werden die Geräte nicht nur untereinander, sondern auch nach außen vernetzt sein”, sagt Sailer. „Sie werden in ein Ökosystem eingebunden sein, das dem Kunden mehr Bequemlichkeit und ein spontaneres Leben ermöglicht.”

Was Sailer da beschreibt, ist das Endspiel des Internet of Things (IoT), eine Welt, in der alle Geräte nicht nur vernetzt sind, sondern ihre Umgebung wahrnehmen und auf diese Wahrnehmungen reagieren können, um Dienste zu leisten, die vorher unmöglich gewesen wären. Das Ergebnis? Ein Internet of Experience, in dem die Geräte, die der Verbraucher
sein Eigen nennt, die kleinen, aber wichtigen Details des täglichen Lebens aktiv erfassen und selbständig erledigen.

Im Rahmen des KogniHome-Projekts untersucht Miele – in Zusammenarbeit mit Hochschulen und anderen Unternehmen –, wie intelligente Anwendungen älteren Menschen helfen können, ihr tägliches Leben besser zu meistern. Miele entwickelt Assistenzsysteme für das Kochen: Habe ich den Herd ausgeschaltet, bevor ich das Haus verlassen habe? Wie viel mehr Hilfe braucht ein unerfahrener Küchenbenutzer im Vergleich zu einem Chefkoch?

EIN PIONIER DER VERNETZTEN GERÄTE

Lange vor der Erfindung des IoT entwickelte Miele schon Kühltruhen mit Pager, die den Kunden bei Stromausfall oder offen gelassener Tür alarmierten.

„Der wesentliche Unterschied zu früher ist, dass das Internet die technologischen Voraussetzungen geschaffen hat, um die Wertschöpfungsketten zu verlängern”, sagt Sailer. Er ist davon überzeugt, dass die Entwicklung des IoT zum Internet of Experience dem Kunden Erfahrungen bescheren wird, die er sich heute noch gar nicht vorstellen kann.

Wenn Sailer von der Verlängerung der Wertschöpfungsketten spricht, meint er unter anderem die Stärkung der Kundenbindung an die Marke. Das tat Miele in der Vergangenheit vor allem über die sprichwörtliche Langlebigkeit der Produkte. Smart vernetzte Produkte ermöglichen jedoch ganz neue Geschäftsmodelle. Statt sich eine Waschmaschine und einen Trockner anzuschaffen, könnte der Kunde beispielsweise nur noch x-mal Waschen und Trocknen kaufen – die Maschinen und Verbrauchsmaterialien würde Miele stellen.

„IN DER SMARTEN KÜCHE 2020 WERDEN DIE GERÄTE IN EIN ÖKOSYSTEM EINGEBUNDEN SEIN, DAS DEM KUNDEN MEHR BEQUEMLICHKEIT UND EIN SPONTANERES LEBEN ERMÖGLICHT.”

EDUARD SAILER GESCHÄFTSFÜHRER TECHNIK MIELE

Solche Szenarien führen schnell zu völlig neuen Dienstleistungsangeboten. Sailer gibt ein Beispiel: „Wenn Sie regelmäßig weiße Hemden tragen, die immer wie neu aussehen sollen, könnte man sie nach 40 oder 50 Waschgängen einfach gegen ein neues austauschen. Die Frage ist letztlich, ob der Kunde das goutiert. Das kann man nur ausprobieren. Im IoT wird viel ausprobiert werden müssen und nicht alles wird sich durchsetzen.”

ENTWICKELN FÜR VERNETZTE WELTEN

Mit fast 400 vernetzungsfähigen Hausgeräten bietet Miele gegenwärtig das breiteste und vielfältigste Sortiment der Branche. Wie Sailer sagt: „In ein paar Jahren werden alle unsere neuen Großgeräte internetfähig sein.” Doch sind die Miele-Kunden schon reif fürdiese smarte neue Küchenwelt?

Sailer bejaht das, „weil wir hier unser Angebot konsequent daran ausrichten, den Umgang mit Miele-Hausgeräten einfacher und komfortabler zu machen.“ Dazu gehöre auch ein intuitives Bedienkonzept, wie es die Menschen beispielsweise von ihren Smartphones kennen. Den Einwand, dass sich gerade ältere Kunden mitvernetzten Hausgeräten schwer tun könnten, möchte Sailer so nicht stehen lassen: „Auch meine Generation der heute 60-Jährigen ist aufgrund ihrer beruflichen und privaten Erfahrungen mit Internet und Mobilkommunikation bestens vertraut und relativ technikaffin.”

Das Denken in vernetzten Systemen ist aber selbst für ein Unternehmen mit so viel Vorsprung bei der Entwicklung vernetzter Geräte wie Miele eine Herausforderung. Hier geht es nicht nur um das klassische Produktmanagement, sondern auch um neue Vermarktungskonzepte oder gar Geschäftsideen: „Wir müssen uns mehr damit beschäftigen, eine größere Bandbreite von Kundenerwartungen abzudecken”, sagt Sailer.

3,49 Mrd. Euro Umsatz

Mieles 17.741 Mitarbeiter weltweit erwirtschaften einen Jahresumsatz von 3,49 Milliarden Euro; rund 70% davon wird außerhalb von Deutschland erzielt.

Vernetzte Produkte bestehen aus vielen Einzelsystemen, die so konzipiert sein müssen, dass sie perfekt zusammenspielen und zur Gesamtperformance des Produkts beitragen. Die Herausforderung wird noch größer wenn dieses komplexe „System der Systeme” Teil eines noch größeren Ökosystems, des IoT wird.

Wie man die Geräte in erweiterte Wertschöpfungsketten einbindet, überlegen bei Miele meist interdisziplinäre Teams in Sonderprojekten. Es gibt dafür noch keine durchgängige Unterstützung durch Werkzeuge und Methoden des Systems Engineering. Aber Miele arbeitet zusammen mit Partnern aus Forschung und Software-Industrie an der Entwicklung von Werkzeugen, um diese Vision zu verwirklichen.

ETHISCHER UMGANG MIT NUTZUNGSDATEN

Die Hausgeräte von Miele erfassen heute schon sehr viele Informationen über Bediener und Bedienung, wie Betriebsstunden, benutzte Programme, gewählte Temperaturen und Ähnliches. Diese Informationen verbleiben jedoch im Gerätespeicher und werden nur im Servicefall hervorgeholt.

Dank Vernetzung könnte man diese Daten auslesen und auswerten, um Rückschlüsse über das Kundenverhalten zu ziehen, aber Miele hat da klare Vorstellungen: „Uns ist wichtig, dass der Kunde immer weiß, dass diese Daten ihm gehören und wir nur mit seiner Zustimmung darauf zugreifen werden.”

Um mit dem IoT vernünftig umgehen zu können, muss sich nach Ansicht Sailers ein gewisser Verhaltenskodex herausbilden. Zu diesem Kodex gehört für Miele auch, dass man sich keine zusätzliche Einnahmequelle durch den Verkauf von Kundendaten erschließen wird. Man könnte sich vorstellen, dass Miele-Kühlschränke irgendwann Aussagen über die Nachfrage nach bestimmten Produkten machen können. „Das an Dritte weiterzugeben widerspricht aber unserem Grundsatz, dass der Kunde einen unmittelbaren Nutzen von der Auswertung seiner Daten haben sollte”, betont Sailer.

Mit zunehmender Vernetzung muss sich Miele auch Gedanken darüber machen, wie man verhindert, dass Hacker mutwillig in den smarten Haushalt eindringen und zum Beispiel den Waschkeller fluten. Sailer räumt ein, dass Sicherheit ein wichtiges Thema sei, hält die Gefährdung aber für kontrollierbar: „Unsere Waschmaschinen haben zum Beispiel ein Water Protection System mit einem klassischen, elektromechanischen Schwimmer und einem Relais, das die Wasserzufuhr sperrt, egal was ein Hacker mit der Elektronik anstellt.”

KOMMUNIKATION MIT WETTBEWERBSGERÄTEN

Einige Mitbewerber legen ihre smarten Hausgeräte so aus, dass sie nur mit Geräten aus dem eigenen Haus kommunizieren können – ein Versuch, die Kunden zu „besitzen”. Im Gegensatz dazu glaubt Miele, dass die eigenen Produkte in der Lage sein müssen, mit vernetzungsfähigen Geräten jedes anderen Herstellers zu kommunizieren.
„Unser Ziel ist ein offenes Ökosystem, denn alles andere wäre am Markt nicht durchzusetzen”, sagt Sailer. „Der Kunde will am Ende ein Hausgerät kaufen und keine Systementscheidung treffen, auch wenn man als Hersteller natürlich nichts dagegen hätte, wenn am Ende durchweg die eigenen Produkte auf dem Bestellzettel stünden.”

Offenheit ist noch aus einem anderen Grund unverzichtbar: Um die reichhaltige Erfahrung zu generieren, die den Verbrauchern das Leben erleichtern soll, müssen die Hausgeräte auch mit anderen haustechnischen Systemen kommunizieren, die Miele gar nicht anbietet. Man kann die Waschmaschinen zum Beispiel heute schon mit einer Photovoltaik-Anlage auf dem Dach vernetzen, um den Startzeitpunkt des Waschvorgangs in Abhängigkeit von der Sonneneinstrahlung zu programmieren.

„Es wäre deshalb absolut unsinnig, ein geschlossenes System zu haben”, sagt Sailer. „Das Internet of Experience können wir nur gemeinsam erschaffen.”

von Michael Wendenburg Zurück zum Seitenbeginn