COMPASS MAGAZINE #10
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DIE GESCHICHTE ZWEIER STÄDTE Detroit und München: ähnliche Städte mit unterschiedlichen Problemen

Während sich die Vertreter der Städte auf den World Cities Summit in Singapur vom 10. bis 14. Juli 2016 vorbereiten, vergleicht Compass zwei Städte, geprägt von der Automobilindustrie, jedoch mit sehr unterschiedlichen Herausforderungen: Detroit und München. Dennoch ist eine realistische 3D-Modellierung für beide Städte unverzichtbar bei der Planung der jeweiligen Entwicklung.

Detroit in Michigan und München haben viel gemeinsam. Sie liegen auf ähnlichen Breitengraden (München: 48°13’ N Detroit: 42°3’ N). Beide Städte liegen am Wasser - in München gibt es die Isar, in Detroit verbindet der Detroit River die Seen St. Clair und Erie. Und seit der Wende des 20. Jahrhunderts dominiert die Automobilindustrie die Wirtschaft beider Städte.

1903 gründete Henry Ford die Ford Motor Company in Detroit. Ford folgten bald Dodge Brothers, Packard und Walter Chrysler: Detroit erhielt den Spitznamen „Motor City“. In München ist BMW mit 41.000 Beschäftigten mit Abstand der größte Arbeitgeber – der zweitgrößte Arbeitgeber der Stadt beschäftigt nur ein Drittel dieser Zahl.

Wirtschaftlich gesehen könnten die beiden Städte, die beide in fortschrittlichen, westlichen Staaten liegen, allerdings nicht unterschiedlicher sein.

Laut der Mercer-Vergleichsstudie 2015 zur Lebensqualität in Städten lag die Arbeitslosenquote in München 2007 bei 3% und das Pro-Kopf-Einkommen bei fast €27.000. Damit besitzt München den höchsten Lebensstandard in Deutschland und den vierthöchsten weltweit. Die Bevölkerung wuchs in den letzten 10 Jahren um 20% auf über 1,5 Millionen Einwohner. Dieser Erfolg bedeutet, dass die größte Herausforderung, der sich München stellen muss, das Wachstum ist. Wie kann es auf nur 310 Quadratkilometern weiter wachsen, ohne die Umwelt zu opfern oder dem Verkehrschaos zu erliegen?

Detroit dagegen hat nach wiederholten Rückschlägen der US-amerikanischen Automobilindustrie und einer Massenflucht aus den Vororten fast 60% seiner Einwohner verloren: von 1,8 Millionen in der Volkszählung in 1950 auf heute unter 700.000. Die Arbeitslosenquote liegt bei 14,5% und das Pro- Kopf-Einkommen 2010 bei 14.118 US-Dollar (€12.400). In den schlechtesten Zeiten standen 80.000 Gebäude leer, einschließlich 20% der städtischen Wohnungen. Im Dezember 2013 – mit marodem Arbeitsmarkt, ausgehöhltem Steuereinkommen und Schulden von 18,5 Milliarden US-Dollar – meldete Detroit Konkurs an.

Bei derart unterschiedlichen wirtschaftlichen Situationen würde es nicht überraschen, wenn Detroit und München beim World City Summit in Singapur im Juli keine gemeinsamen Interessen hätten. Beide Städte werden sich das Programm „Virtual Singapore“ der Gastgeberstadt jedoch sehr genau ansehen (http://bit.ly/VirtualSingapore). Dieses Programm befindet sich noch in der Entwicklungsphase, der Datenreichtum nimmt aber ständig zu: Wenn sich die Bewohner von einem Ort zum anderen bewegen, werden die automatisch erzeugten Smartphone-Daten in ein dynamisches virtuelles 3D-Modell eingespeist. Das Ergebnis ist eine sich ständig weiter entwickelnde Simulation von Singapur in Echtzeit. Diese hilft dem geschäftigen Stadtstaat bei der Zukunftsplanung und stellt seinen Bewohnern gleichzeitig hochwertige Interaktionsmöglichkeiten bereit.

Wie kann also diese Technologie Detroit und München helfen, die jeweiligen Anforderungen zu erfüllen?

DETROITS WIRTSCHAFT DER PRODUZENTEN

Nach seinem urbanen Abschwung wächst Detroit nun wieder – mit einer „Macher- Kultur“. „Detroit ist die Stadt, die Amerika gemacht hat, und Detroit gibt nicht auf“, sagt Jacques Panis, Präsident von Shinola, einer Detroiter Firma, die er als „Maschine zur Schaffung von Arbeitsplätzen“ beschreibt.

Shinola gehört zu einer Schar junger Unternehmen, die am Wiederaufbau der Innenstadt von Detroit beteiligt sind. Es produziert hochwertige Armbanduhren, Fahrräder, Lederwaren und Notizbücher – und alle tragen die stolze Kennzeichnung „Built in Detroit“. Das Unternehmen mit fast 500 Arbeitnehmern ist klein, es fehlen aber nur noch 200 Arbeitnehmer, um in die Liste der 25 größten Arbeitgeber in Detroit aufzusteigen.

Die laut Panis größte Herausforderung ist es, den vielen neuen Mitarbeitern die Fertigkeiten zu vermitteln, die sie zur Bewältigung der komplexen Fertigung brauchen. „Wir haben schweizerische Uhrenproduzenten in die Fabrik geholt, um unsere Leute zu schulen und schweizerische Standards in den Betrieb einzuführen“, fügt er hinzu. „Wir sitzen alle im selben Boot: Innovation, Verständnis und ordentliche Produktion.“

„ORTE, DIE BISHER NICHT BEACHTET WURDEN, ERHALTEN NUN AUFMERKSAMKEIT UND RESSOURCEN. DIE GELEGENHEITEN FÜR INNOVATION SIND NICHT ZU ÜBERSEHEN.“

MAURICE COX DIREKTOR FÜR PLANUNG IN DETROIT

Shinola erhält keine Steuervergünstigungen, so Paris, genießt jedoch die frische Brise, die von der Stadtregierung ausgeht. „Dank der städtischen Geschichte bietet Detroit alles, was man als Unternehmen braucht, um international zu agieren, einschließlich Flughafen, Hafen und Bahnlinie. Außerdem besitzt es eine Regierung, die innovative Konzepte begrüßt und neue Unternehmen aus ganzem Herzen willkommen heißt“, fügt er hinzu. „Die Regierung hat Zeit zuzuhören und will beim Kreieren von geschäftlichen Chancen helfen. Die Stadt bietet eine große Chance.“

PROBLEM DER AUSDEHNUNG

Dies hört Maurice Cox gerne. Er wurde 2015 als Direktor für Planung in Detroit eingestellt, um Menschen und Investitionen in eine Stadt zu holen, die für Autos, Motown-Musik und den größten städtischen Konkurs in der Geschichte der USA bekannt ist. (Detroit erholte sich nach nur einem Jahr der Umstrukturierung bereits im Dezember 2014 vom Konkurs.)

Als Direktor für Planung in einer wirtschaftsschwachen Region geht es aber nicht nur um Planung: Cox fördert auch die Entwicklung und ist einer der führenden Anfeuerer der Stadt. Allein in 2013-2014 flossen 5,2 Milliarden US-Dollar in Form von neuen Investitionen in die Stadt. In wichtigen Bereichen in und am Rand der Innenstadt und in den benachbarten Stadtvierteln wächst die Bevölkerung wieder. Insgesamt hat sich der Rückgang der Einwohner von 2,5% auf 1% verlangsamt. Cox möchte diese Trendwende unbedingt erhalten.

„Detroit hat die gleiche Fläche wie Manhattan, Boston und San Francisco zusammen, ist aber in vielen Bereichen nicht dicht besiedelt“, sagt Cox. „Daher ist das Entwicklungspotenzial riesig. Wir sind gerade dabei, die Stadt zu kartieren, um Grundstücke für innovative Startup-Unternehmen zu definieren.“

In dieser „Stadt der Übergröße“ haben einige Gegenden sogar einen echt ländlichen Charakter. „Wir müssen über neue städtische Formen nachdenken und die Landnutzung so festlegen, dass miteinander vernetzte wirtschaftliche Inseln entstehen“, sagt Cox. „Statt in der Innenstadt können sich diese neuen Unternehmen auf diesen Inseln ansiedeln, wachsen und mit den verschiedenen Stadtvierteln vernetzt sein. Es handelt sich um ein neues städtisches Paradebeispiel. Durch Investitionen schaffen wir Motoren für Wachstum, kulturelle Stützen und strategische Beschäftigungsmöglichkeiten.“

Auch die Wohnungssituation ist für das weitere Wachstum in Detroit sehr wichtig. Zur Schaffung familien- und unternehmensfreundlicher Wohnlandschaften einer mittleren Dichte und anderer, auf Fußgänger zugeschnittener Konzepte, schreibt Detroit Wettbewerbe für Entwickler und Architekten aus. „Die Zukunft von Detroit liegt in den Stadtvierteln und im Dorfmaßstab“ glaubt Cox. „Orte, die bisher nicht beachtet wurden, erhalten nun Aufmerksamkeit und Ressourcen. Die Gelegenheiten für Innovation sind nicht zu übersehen.“

„DIE STADT BIETET EINE GROSSE CHANCE.“

JACQUES PANIS PRÄSIDENT VON SHINOLA ÜBER DIE GRÜNDE WARUM SHINOLA SICH IN DETROIT ANGESIEDELT HAT

BERG DES WANDELS

Ein wichtiger Akteur der Detroiter Renaissance ist Rock Ventures, Muttergesellschaft von Quicken Loans. Quicken ist eine der größten Hypothekenbanken der Welt, gegründet von Dan Gilbert, einem waschechten Detroiter, der die 4.600 Mitarbeiter von Quicken Loans 2010 in der Innenstadt von Detroit zusammenführte. Quicken ist heute der drittgrößte Arbeitgeber der Stadt hinter einem großen medizinischen Zentrum und der Stadt selbst.

Auch Bedrock Detroit ist ein Unternehmen der Rock Ventures Gruppe und hat ganze Blocks leer stehender Gebäude in attraktive Räume für junge, aufstrebende Unternehmen verwandelt. Rock und Bedrock haben zusammen 2,2 Milliarden US-Dollar in Detroit investiert, haben Immobilien mit einer Nutzfläche von 1,3 Quadratkilometern erworben und 8.000 neue Arbeitsplätze geschaffen, darunter für Architekten, Immobilienverwalter, Wartungspersonal, Hypothekenbanker und IT-, Verkaufs- und Marketing-Berufe.

Steve Rosenthal, Leiter von Bedrock und Präsident der Rock Companies, leitet im historischen Viertel Brush Park nördlich der Innenstadt von Detroit ein Projekt zur Wiederbelebung, das vier Blöcke und eine Fläche von 0,34 Quadratkilometern umfasst. Seit 2011 hat das Unternehmen außerdem 90 Gebäude zur Sanierung gekauft und betreibt eine Reihe von weiteren wichtigen Bauprojekten in der Stadt. Rosenthal beschreibt dies als „die größte Entwicklung in Detroit seit 30 Jahren“.

MÜNCHEN IM AUFBRUCH

Während Detroit damit kämpft, sich vom Rand des Abgrunds zu lösen, hat München Probleme mit zu viel Erfolg. Dieser erhöht den Druck auf eine Stadt, die sich auf nur 310 Quadratkilometer verteilt, 1,5 Millionen Einwohner hat und im letzten Jahrzehnt um 20% gewachsen ist. München hat nicht nur eine Arbeitslosenquote von nur 3% und eines der höchsten Pro-Kopf-Einkommen in Europa, es ist auch die Stadt mit den höchsten Lebenskosten in Deutschland.

Der Automobilhersteller BMW ist bereits der größte Arbeitgeber in der Stadt und möchte nun seine Forschungsaktivitäten in der Innenstadt ausbauen, verbunden mit 15.000 zusätzlichen Arbeitsplätzen. Das Forschungs- und Innovationszentrum (FIZ) soll ausgebaut und eine leer stehende, militärische Anlage mit einer Fläche von 2 Quadratkilometern in einen Campus verwandelt werden, auf dem an Innovationen des zukünftigen Transportwesens gearbeitet werden soll.

„Das FIZ wird unser wichtigstes Forschungszentrum für technische und ökologische Herausforderungen in den nächsten 30 Jahren sein“, sagt Markus Baumgartner, Leiter des BMW-Projekts FIZ Future. „Bisher war das FIZ für die Öffentlichkeit nicht zugänglich. Das soll sich in Zukunft ändern; in einigen Bereichen werden die Mauern der Gebäude die einzige Schranke darstellen. Um den Austausch von Ideen zu fördern, soll das Design des FIZ so viele persönliche und zufällige Begegnungen herbeiführen wie nur möglich. Um das FIZ sind öffentliche Räume sowie ein öffentlicher Garten über 5 Hektar geplant.“

„DAS FIZ WIRD UNSER WICHTIGSTES FORSCHUNGSZENTRUM FÜR TECHNISCHE UND ÖKOLOGISCHE HERAUSFORDERUNGEN IN DEN NÄCHSTEN 30 JAHREN SEIN.“

MARKUS BAUMGARTNER LEITER DES PROJEKTS FIZ FUTURE, BMW

Bei der Planung des BMW-Projekts steht die Kommunikation im Mittelpunkt. „Frühzeitige und kontinuierliche Kommunikation ist entscheidend, um ein Ziel gemeinsam zu definieren, die entsprechende Unterstützung gewinnen und einen beschleunigten Impuls für Veränderungen zu erzielen“, sagt Baumgartner. „Wir haben mit unseren Nachbarn und der Stadt zusammengearbeitet, um die Ästhetik, die Funktion und die Integration des FIZ in die städtischen Strukturen zu definieren und um Verbesserungen für alle zu erzielen. Dazu gehören auch bessere Bus-, U-Bahn-, S-Bahnund Bundesbahnanbindungen und Verbesserungen von Straßen und Fußwegen.“

WACHSTUM IN GRENZEN

Volker Brambach, Stadtplaner im Referat für Stadtplanung und Bauordnung der Landeshauptstadt München, leitet die Bemühungen zur Verflechtung des FIZ in das umliegende Stadtgebiet von München. „Als Vermittler bei der Kommunikation der vielen Interessengruppen wurde ein Masterplan erstellt, der die Strukturen und zukünftige Entwicklung definiert, sodass alle profitieren“, sagt er. „Das Hauptziel ist die Stärkung und Verbesserung von lokalen Räumen, die so attraktiv und so grün wie möglich aussehen sollen.“

In dieser schnell wachsenden Stadt ist die Unterbringung von neuen Leuten eine Priorität. „Aktuell beschäftigt BMW 41.000 Menschen in München“, weist Brambach hin. „Und das FIZ lässt diese Zahl in den kommenden Jahrzehnten um 15.000 steigen. Dies erhöht den Bedarf nach Wohnungen. Daher wird die Wohndichte wahrscheinlich steigen, da nicht genug Grundstücke zur Verfügung stehen.“

Genau wie BMW ist die Stadt überzeugt, dass Kommunikation das wichtigste Instrument ist, Einwände zu verstehen und aus dem Weg zu räumen. „Wir haben es mit sehr komplexen Problemen zu tun und müssen unsere Pläne sehr klar vermitteln“, erklärt Brambach. „Dies hat zu einer überaus positiven Einstellung zum FIZ beigetragen, denn nahezu alle haben bekommen, was sie wollten. Auch wenn die wachsende Verkehrsbelastung ein ewiges Problem darstellt, das gelöst werden muss, haben sich sehr wenige Menschen beschwert. „Das Ergebnis ist, dass BMW den gewünschten Standort ausbaut. Das ist gut für die Stadt und hilft, mehr finanzielle Mittel zur Verbesserung der Infrastruktur anzuziehen, von der sowohl die Unternehmen als auch die Bürger profitieren. Der Erfolg des Projekts zieht weitere Erfolge nach sich.“

3D-VISUALISIERUNG DER ZUKUNFT

3D-VISUALISIERUNG DER ZUKUNFTDetroit erfindet sich neu und München will ein Projekt integrieren, das sich wesentlich auf die Innenstadt auswirken wird – und beide Städte benutzen 3D-Technologie zur Visualisierung der Zukunft.

In Detroit nutzte Bedrock 3D-Visualisierung intensiv, um die Wirkungen seiner Entwicklungsprojekte auf die Stadt und das städtische Leben aufzuzeigen. Dabei werden Gebäude und die geplante Nutzung zuerst simuliert und dann erst gebaut. Die universelle Sprache von 3D hilft Bedrock, um lokalen Interessengruppen Pläne zu erläutern, Verständnis zu erzeugen und Akzeptanz und Unterstützung zu gewinnen, so Rosenthal. „Wir haben ein besonders qualifiziertes Team, das monatliche Treffen organisiert. Dort reden wir über unsere Vision und hören, was die Leute zu sagen haben. Wir respektieren, was in der Vergangenheit da war, und arbeiten zusammen an einer großartigen Umgebung, in der wir arbeiten, Spaß haben und leben.“

Der aus einem Wettbewerb hervorgegangene Masterplan für das FIZ in München stammt von dem Architekturbüro HENN GmbH, München, Berlin & Peking. HENN stellte den gesamten Standort und alle Gebäude in digitalen 3D-Modellen dar. Die Preisrichter prüften anhand der 3D-Modelle die Integration des Projekts mit der bestehenden städtischen Infrastruktur.

Milagros Caiña-Andree, Vorstandsmitglied bei der BMW AG, Personal- und Sozialwesen, sieht die Vorteile des Siegerentwurfs mit Blick auf die Integration des FIZ in die umgebenden Viertel im Norden Münchens und mit Blick auf die Verbesserung der Kommunikations- und Arbeitsprozesse. „Das Konzept der offenen Räume mit grünen Höfen, kleinen Parks, Plätzen und begrünten Dächern wird das Arbeitsumfeld für unsere Mitarbeiter qualitativ verbessern“, sagt sie. „Und die Wahrzeichen – wie der zugängliche öffentliche Park im Norden des FIZ und das Mehrzweckgebäude mit öffentlicher Nutzung – werden die Vernetzung mit der umgebenden Stadt verstärken.“

Die 3D-Visualisierung half bei der Erläuterung der FIZ-Projektpläne gegenüber den Interessengruppen – einschließlich der Stadtverwaltung, den Nachbarn, den Grundbesitzern in der Umgebung und den Menschen, die sich mit Blick auf den Verkehr und die Umwelt Sorgen machen.

„Das FIZ ist ein Langzeitprojekt der BMW AG“, betont Baumgartner. „Es ist schwierig, aus der heutigen Perspektive die Welt von 2040 zu begreifen. Wir werden anders kommunizieren und zusammenarbeiten. Daher müssen unsere Pläne flexibel sein, da wir nicht wissen, was uns die Zukunft bringt.“

Brambach ist der gleichen Meinung. „Wir haben es mit sehr komplexen Problemen zu tun und müssen unsere Pläne unbedingt sehr klar vermitteln“, sagt er. „3D-Visualisierung hilft den Stadtplanern ungemein. Und uns, wenn wir den Masterplan Politikern, Planern, lokalen Gruppen und der Öffentlichkeit erklären. Wir benutzen auch physikalische Modelle von Teilen der Stadt, insbesondere vom Olympischen Park und der Altstadt. Digitale 3D-Modelle können jedoch einfach angepasst und verändert werden und vermitteln einen guten Eindruck der Maßstäbe und Dimensionen.“

EINE HOCHLEISTUNGSPLATTFORM

Die gemeinnützige US-Organisation Sunlight Foundation fördert die Online- Transparenz von behördlichen Daten in Echtzeit und betont die Vorteile einer standardisierenden Plattform für alle Stadt- und Regierungsdaten, die mit erheblichen Effizienzvorteilen verbunden ist. Solche Plattformen verkürzen die Zeit für den Zugriff auf Daten deutlich, die sich allerdings in den meisten Städten noch in verschiedenen, voneinander getrennten Standorten und Computersystemen befinden. 3D-Visualisierung machen Daten durch einen visuellen und intuitiven Kontext besser zugänglich und verständlich. So können Beteiligte die urbanen Herausforderungen identifizieren und geschäftliche, soziale und finanzielle Chancen simulieren, analysieren und vor der Umsetzung testen.

„Für München wäre es ein Traum, ein vollständiges, interaktives, digitales Modell der ganzen Stadt auf einer einzigen standardisierten Plattform zu haben“, sagt Brambach. „Ein Modell, das Infrastruktur, Services, Verkehr und Transport, Schulen und Krankenhäuser, aber auch die Besitzverhältnisse von Gebäuden und Grundstücken zeigt, würde die Transparenz verbessern, und Planungsaufgaben könnten effizienter erledigt werden. Auch die Kombination von Daten aus den vergangenen Jahrzehnten und verschiedenen Abteilungen wäre sinnvoll, da die Auswirkungen von historischen Veränderungen deutlicher erkennbar wären und die Menschen eine bessere Grundlage für Entscheidungen über die Zukunft der Stadt hätten.“

Auch Cox in Detroit ist von den Möglichkeiten einer 3D-Visualisierungsplattform fasziniert. Er stellt sich eine umfangreiche Online-Ressource vor, die es „den Menschen ermöglicht, sowohl städtisches Entwicklungsgelände als auch Anfragen an die Stadt zur Landnutzung anzuzeigen“, also eine Art Forum für Entwicklungsideen.

Wegen seines Hintergrunds in Architektur hat Cox großes Interesse an Design, und 3D-Visualisierungen helfen nicht nur der Öffentlichkeit sondern auch den Planern, ein Projekt in der Entwicklungsphase umfassender zu verstehen. „Gutes Design gesetzlich vorzuschreiben ist schwierig“, sagt Cox. „Also arbeiten wir mit einem größer werdenden Expertenteam von neuen, frischen Talenten, Architekten, Fachleuten für die Erhaltung von historischen Gebäuden und Planern zusammen. Das Team überrascht potenzielle Investoren mit seiner kommerziellen Wahrnehmung und seinen intelligenten Ideen. Wir heben die Messlatte an und bieten Chancen.“ Wenn die Beamten von Detroit und München in diesem Sommer Singapur besuchen, können sie aus erster Hand erfahren, wie der Gastgeber die Plattform Virtual Singapore entwickelt: durch Zusammenführung bestehender städtischer Daten und deren visueller Darstellung und mithilfe des Internets der Dinge, um komplexe räumliche und zeitliche Eckdaten des Stadtlebens zu erfassen und zu kommunizieren. Durch Analyse der Muster und Interaktionen der Menschen mit ihrer Umgebung, einschließlich Daten aus dem Verkehrsund Abfallmanagement, steht Singapur an der Spitze einer städtischen Zukunft, die effizienter, lebenswerter und nachhaltiger ist. ◆

von Nick Lerner Zurück zum Seitenbeginn