COMPASS MAGAZINE #10
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INNOVATIONEN INTEGRIEREN Praktische Maßnahmen zum Aufbau einer Innovationskultur

Großen und bodenständigen Unternehmen fällt es häufig schwer, den innovativen Esprit, der mit kleinen und dynamischen Start-up-Unternehmen verbunden ist, zu fördern. Experten erklären fünf einfache Maßnahmen, um Unternehmen wettbewerbsfähig zu halten.

Bei einem Start-up-Unternehmen besteht bereits per definitionem eine Innovationskultur, da es mit einer neuen Idee wahrgenommen werden will. Doch mit der Zeit und mit dem Wachstum kann die anfängliche Leidenschaft für neue Ideen verloren gehen. Experten erklären, wie Sie der Innovationskraft zu neuem Schwung verhelfen.

MÖGLICHKEITEN AUSLOTEN

Jedes Unternehmen ist anders. Um wirklich innovativ zu sein, ist es notwendig, die Bereiche zu finden, in denen sich für das Unternehmen Chancen bieten.

Jimmy Leppert, leitender Berater bei Kotter International, einer spezialisierten Unternehmensberatung mit Sitz in den USA, und sein Team stellen jeder Führungskraft, mit der sie zusammenarbeiten, dieselbe Frage: Wie können Sie das gesamte Unternehmen auf allen Ebenen und mit voller Kraft dazu bringen, die Kerngeschäftsstrategien zu erfüllen?

„Innovation ist abhängig vom Veränderungstempo“, so Leppert. „In einer schnelllebigen Welt wird Innovation zum Begriff für alles, was Sie tun. Dazu zählt z.B., wie Sie mit Talenten umgehen oder sich etwas einfallen lassen, das sich deutlich von dem unterscheidet, was bisher im Unternehmen oder in der gesamten Branche gemacht wurde. Diese Möglichkeiten zu erkennen und entsprechend zu handeln, ist das, was Innovation ausmacht.“

Zu wissen, was Sie mit der Innovation erreichen müssen, spielt dabei ebenso eine wichtige Rolle, so Bart Higgins, Partner bei ?What If! Innovation, einem weltweit tätigen Unternehmen, das Organisationen dabei unterstützt, eigene Innovationsfähigkeiten zu entwickeln. „Vorab Zeit zu investieren, um herauszufinden, was die Innovation Ihnen bringen soll, ist häufig der wichtigste Aspekt bei dem Prozess. Die richtigen Fragen zu stellen und eine klare Zielsetzung der Innovation zu definieren, wird einem Unternehmen helfen, sich für den richtigen Innovationsgrad zu engagieren.“

Der in New York ansässige Klavierbauer Steinway & Sons arbeitete beispielsweise mit ?What If! Innovation zusammen, um „Spirio“ auf den Markt zu bringen, ein hochauflösendes Selbstspiel-Piano, das Darbietungen großer Pianisten so einspielt wie bei einem Live-Konzert.

„Die Schlüsselelemente für ein innovationsfreudiges Umfeld sind die Führungskompetenz und Unterstützung der Unternehmensleitung, die Prioritäten für Innovationen setzt, diese fördert und dafür Anreize schafft.“

BART HIGGINS PARTNER, ?WHAT IF! INNOVATION

„Das finale Ziel der Innovation bestand nicht nur in der Entwicklung eines Produktes, es ging auch darum, die geschäftlichen Überlegungen rund um diesen neuen Markt umzustrukturieren“, so Higgins. „Indem Steinway die Innovation als Prozess nutzte, konnte es nachvollziehen, worin der Wert der neuen Technologie lag und wofür das neue Angebot aus der Sicht der Kunden stehen sollte.“

HIERARCHIEN ABBAUEN

Mit dem Wachstum neigt ein Unternehmen häufig dazu, professioneller vorgehen zu wollen. Dies führt zu einem hierarchischen Gebilde und zu Kommunikationslücken. Eine zu große Distanz zwischen der Führungsebene und den Mitarbeitern, die Ideen generieren, ist ein Innovationskiller.

„Wenn Unternehmen expandieren, setzen sie verstärkt auf einen Management-Ansatz“, so Leppert. „Um all ihre Verpflichtungen zu erfüllen und zu wachsen, müssen Unternehmen einen Ausgleich zwischen Innovation und starkem Einfluss der Führungsebene schaffen und die Lücken, die sich bilden können, schließen.“

Viele Start-ups und Unternehmen haben großartige Ideen und Pioniergeist, so Anke Kleinschmit, Vizepräsidentin der Direktion Konzernforschung und Nachhaltigkeit und Umweltschutzbeauftragte des Daimler-Konzerns. „Um Innovationen entwickeln zu können, müssen Unternehmen diese unbedingt in den Vordergrund rücken.“

INNOVATIONSFREUDIGES UMFELD

Damit Innovationen innerhalb eines Unternehmens gedeihen können, ist es für die Mitarbeiter wichtig, dass sie an eine Innovationsphilosophie glauben und in einem Umfeld arbeiten können, das Innovationen fördert.

„Die Schlüsselelemente für ein innovationsfreudiges Umfeld sind die Führungskompetenz und Unterstützung der Unternehmensleitung, die Prioritäten für Innovationen setzt, diese fördert und dafür Anreize schafft“, so Higgins. Unternehmen müssen Instrumente und Prozesse für die Steuerung und Planung von Innovationen entwickeln, und Leistungsvorgaben und Know-how ausarbeiten. Und sie müssen Verhaltensweisen und Vereinbarungen über die Zusammenarbeit erarbeiten, die es Teams ermöglicht, innovativ zu sein.“

TECHNOLOGIE RICHTIG ANWENDEN

Moderne Technologien und Konzepte wie beispielsweise das „Internet der Dinge“ machen die Datensammlung und -analyse einfacher und leistungsfähiger denn je.

„Neue Technologien im Griff zu haben und zu wissen, was diese für das Unternehmen leisten könnten, ist von wesentlicher Bedeutung“, so Michael Ringel, Senior Partner und Geschäftsführer bei der Boston Consulting Group (BCG), einer weltweit tätigen Unternehmensberatung mit Hauptsitz in Boston. „Intelligente Überlegungen darüber anzustellen, wie vorhandene Technologien zu Ihrem Unternehmen und zur aktuellen Situation passen, kann Innovation fördern.“

Dank solcher Technologien sinken die Kosten für die Datenerfassung drastisch, so Ian Ferguson, Vizepräsident of Worldwide Marketing and Strategic Alliances bei ARM, einem führenden weltweiten Anbieter von Mikroprozessortechnologie. „Technologie ist inzwischen preiswert genug und die drahtlose Technologie inzwischen ausreichend verbreitet, um sie unsichtbar in das Umfeld und in die uns umgebende Infrastruktur einzubetten.“

Bei so vielen verfügbaren technologischen Berührungspunkten können Unternehmen, die Systeme zur Erfassung und Weitergabe dieser Informationen einrichten, neue Einblicke in ihr Geschäft gewinnen. Diese Erkenntnisse versetzen die Führungskräfte in eine bessere Lage, dynamische und innovative Entscheidungen zu treffen.

KALKULIERTE RISIKEN EINGEHEN

Das Pharmaunternehmen Gilead Sciences belegt Platz acht auf der BCG-Liste 2015 der innovativsten Unternehmen. Wesentlicher Faktor für diese Platzierung, so Ringel, war das profunde Verständnis des Unternehmens hinsichtlich relevanter Technologie und Wissenschaft sowie seine Bereitschaft, über den Tellerrand hinaus Ausschau nach innovativen Ideen zu halten.

So erwarb Gilead 2012 Pharmasset für 11 Mrd. US-Dollar ein Pharmaunternehmen, das Arzneimittelprojekte in klinischen Studien untersucht.

„Etwas, was sich andere Unternehmen in der Branche nicht trauten, da sie die Wissenschaft nicht ausreichend verstanden“, so Ringel. „Gilead besaß hinreichendes Knowhow, sodass es gegenüber externen Innovationen offen war. Seine Investition hatte sich bis 2014 rentiert. Gilead stand beim Kampf gegen Hepatitis C an vorderster Front und entwickelte die Medikamente, die zur wirksamen Heilung dieser Krankheit führten. Die Innovationen halfen, das Leben von Millionen Menschen zu verändern.“

ERSTE SCHRITTE

Analysieren Sie die Möglichkeiten. Bauen Sie Hierarchien ab. Schaffen Sie ein innovationsfreudiges Umfeld. Wenden Sie die Technologie richtig an. Gehen Sie auf Sachkenntnis gestützte Risiken ein.

Dieser Fünf-Punkte-Plan für Innovationen ist nicht leicht zu erreichen, während ein Unternehmen wächst. Räumen Sie diesen Faktoren stets Priorität ein und kommunizieren Sie sie im gesamten Unternehmen. So kann die innovative Leidenschaft zurückkehren, die ihr Unternehmen hat entstehen lassen.

von Sean Dudley Zurück zum Seitenbeginn