COMPASS MAGAZINE #10
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MUFURUKIS VISION Geschäftsmann aus Tansania drängt Afrikas Führungskräfte zur Schaffung „besserer, würdigerer Lebensumstände“

Ali A. Mufuruki, einer der freimütigsten Unternehmensführer Afrikas, ist Vorstandsvorsitzender und CEO der Infotech Investment Group Limited und Mitglied des Aspen Instituts, einer internationalen Bildungsorganisation. Compass sprach mit ihm über die Herausforderungen und Chancen für Afrika. 

Ali A. Mufuruki, einer der erfahren­sten Geschäftsführer in Afrika, ist der Meinung, dass auf seinem Kontinent ein Umdenken auf der Füh­rungsebene erforderlich ist. „Die tiefer liegende Ursache für das Chaos in Afrika ist das schlechte Führungsverhalten“, sagt er. „Das Volk ist enttäuscht von Afrikas Elite, und wir müssen mehr tun, damit unsere Kinder einmal ein besseres, würdigeres Leben führen können als wir selbst.“ 

Solch unverblümte Worte sind selten, ganz besonders in Afrika. Aber Mufuruki, der mit seiner Frau und den vier Kindern in Daressalam lebt, bezieht auch in der Öffentlichkeit gerne Position. Vor Kurzem schrieb er einen offenen Brief an einen Minister der Regierung mit dem Betreff: „Afrikanische Führungskräfte, die den Afrikanern keine großen Taten zutrauen, sollten ihren Hut nehmen!“ 

Sara Menker, eine frühere Rohstoff­händlerin aus New York, die nun Mufurukis Partnerin bei der Energie­beratungsfirma Gro-­Energy in Nairobi, Kenia, ist, sagt, dass Mufuruki die große Gabe habe, schonungslos seine Meinung äußern zu können. „Seine Fähigkeit, sich den Respekt von Menschen in der Politik und anderen Machtpositionen zu verschaffen, obwohl er sie kritisiert, macht Ali in Afrika einzigartig“, sagt sie. „Er ist furchtlos.“

Natürlich hilft es, dass Mufuruki außerdem einer der größten Fürsprecher für Afrika ist. Erst kürzlich hat er auf einer internationalen Investment­konferenz gesagt, wenn sich ausländische Analysten die afrikanischen Märkte etwas genauer anschauten, würden sie erkennen, dass „das, was Afrika der Welt an Investitionsmöglichkeiten zu bieten hat, weitaus größer und bedeutender ist, als wir bisher angenommen haben.“ 

EIN KLUGER INVESTOR

Mufuruki ist Vorstandsvorsitzender und CEO der Infotech Investment Group Limited, mit umfangreichen Beteiligungen in der Einzelhandels-, Telekommunikations- und Medienbranche Ostafrikas. Außerdem hat er die East Africa Capital Partners in Nairobi ge­gründet, war Mitgründer von Gro­-Energy, einer Firma, die Ostafrika bei der Nutzung seiner neu entdeckten Öl­ und Gasvorräte berät, und er ist Vorstandsvorsitzender von Wananchi Holdings, der eines der größten Kabel­-TV­-Netze Ostafrikas gehört. 

„WIR TRAGEN DAZU BEI, EINE NEUE GENERATION VON FÜHRUNGSKRÄFTEN FÜR AFRIKA ZU FORMEN.“ 

ALI A. MUFURUKI VORSTANDSVORSITZENDER UND CEO, INFOTECH INVESTMENT GROUP

Seine Ausbildung als Ingenieur absolvierte Mufuruki in Deutschland. Er startete seine Karriere bei Daimler­-Benz und wechselte danach zum nationalen Energieunternehmen Tansanias, wo er bis 1989 eine Führungsposition innehatte, bis er das Unternehmen verließ, um eine IT­-Firma zu gründen. Als die Computerbranche ins Straucheln geriet, schwenkte Mufuruki auf den Einzelhandel um; er besitzt mehrere Woolworth­-Kaufhäuser und das Alleinverkaufsrecht für Levi’s Jeans in Ostafrika. 

Mit seinen Partnern hat Mufuruki 350 Millionen US­-Dollar aufgebracht, um Zuku zu gründen, ein Unternehmen, das in Ostafrika Satellitenfernsehen und Internetdienste über Glasfaser­kabel anbietet. Und er ist auch an der ostafrikanischen Werbebranche beteiligt. 

ANTI­SOZIALISTISCHER AUFPASSER 

Mufuruki, der die Vorteile des Kapitalismus preist, ist besorgt, dass einige afrika­nische Länder möglicherweise in den Sozialismus abgleiten könnten, wenn die Gewinne aus den Bodenschätzen des Kontinents in die Staatskassen fließen. „Die Menschen glauben, dass sie jetzt, wo sie die Kontrolle über diese Ressourcen haben, zu einer staatlich gelenkten Wirtschaft zurückkehren können“, sagt er.

„Sie glauben, sie bräuchten keine ausländischen Investitionen mehr, was ein tödlicher Fehler ist.“

In seinem Heimatland Tansania hat die Regierung erst dann die freie Marktwirtschaft eingeführt, als das Land bankrott war. „Jetzt möchten die Leute wieder alles so haben, wie es einmal war“, sagt Mufuruki.

„Für mich sind das alles nur ein Haufen Politiker, die für immer an der Macht bleiben wollen. Doch das wird nicht geschehen.“ Er verweist auf Kenia und Uganda, die wirtschaftlich gesehen viel pragmatischer sind. 

IN DER TRADITION VERWURZELT 

Mufurukis Vorliebe für westlichen Kapitalismus geht Hand in Hand mit seiner Ehrfurcht vor afrikanischen Traditionen. Um sein Gleichgewicht wiederzufinden, besucht er einmal pro Jahr sein Heimatdorf. „Es hilft, dass das Dorf ein sehr ruhiger Ort ist“, sagt er. „Dort habe ich das Gefühl, wieder fest auf dem Boden zu stehen, und kann viel klarer denken als anderswo.“

Caitlin Colegrove, Kommunikations­ und Netzwerkmanagerin am Aspen Institute, einem weltweiten Führungs­kräftenetzwerk mit Hauptsitz in Washington, DC, ist ein großer Fan von Mufuruki; und er ist Mitglied dieses Instituts. „Ali vereint seine Rolle als globale Führungskraft problemlos mit seiner tiefen Verbundenheit zu seiner Heimat“, sagt sie. 

„Diese regionale Verwurzelung verleiht ihm seine Authentizität und Glaubwürdigkeit.“ Mufuruki ist der Meinung, dass die fehlende Infrastruktur, insbesondere bei der Stromversorgung, eines der größten Probleme Afrikas sei. „Das macht es Unternehmen oft unmöglich, Gewinne zu erwirtschaften“, sagt er. Doch auch geeignete Arbeitskräfte sind schwer zu finden, insbesondere mangelt es in vielen Betrieben an leitenden Angestellten.

Obwohl er ein Verfechter der freien Marktwirtschaft ist, glaubt er, dass Unternehmen ethische und moralische Werte vertreten sollten, „denn ohne diese ist das Leben bedeutungslos.“ Angesichts der derzeitigen Gewalt in Afrika beklagt er, dass noch immer extreme Armut und Korruption vorherrschen. 

AFRIKAS FÜHRUNGS­KRÄFTE FORMEN 

Nach Mufurukis Ansicht gründen all diese Probleme auf der fehlenden Führungskompetenz. Um dem entgegenzuwirken, gründete er gemeinsam mit anderen die African Leadership Initiative, die die kommende Generation afrikanischer Führungskräfte prägen möchte. Die derzeitige Klasse mit 20 Männern und Frauen aus Tansania, Kenia, Uganda und Ruanda setzt sich hauptsächlich aus Unter­nehmern und einigen Vertretern aus der Zivilgesellschaft und der Regierung zusammen.

Die Gruppe trifft sich innerhalb von zwei Jahren viermal an unterschiedlichen Orten in Partnerschaft mit dem Aspen Institute. Sie treffen sich auch mit Vertretern anderer Initiativen zur Führungskräfteentwicklung, um zu erfahren, was in anderen Regionen funktioniert, und welche Probleme
es gibt.

„Wir tragen dazu bei, eine neue Generation effektiver, kompetenter, werteorientierter und aufgeklärter Führungskräfte für Afrika zu formen“, sagt Mufuruki.

von Charles Wallace Zurück zum Seitenbeginn