COMPASS MAGAZINE #10
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WAS IM BERGBAU ZÄHLT Soziale Fragen haben für den Geschäftsführer von Anglo American höchste Priorität

Nach einer langen Karriere im Bergbau wurde Mark Cutifani im April 2013 Geschäftsführer des britischen Konzerns Anglo American plc, eines der weltweit größten Bergbauunternehmen und Muttergesellschaft von De Beers, dem bekanntesten Namen im Diamantengeschäft. 

Die Führungsgrundsätze des Geschäftsführers von Anglo American plc, Mark Cutifani, sind einfach und klar: Bestimmen Sie, was Ihnen wichtig ist, verbünden Sie sich mit den Gemeinden, wo sie tätig sind, inspirieren Sie Ihre Mitarbeiter und verbessern Sie unablässig Ihre Prozesse. 

Von solchen Regeln könnte jedes Unternehmen profitieren, doch nur wenige befolgen sie mit so viel Überzeugung wie Anglo American, ein führender Produzent von Platin, Diamanten, Schüttgut wie Eisenerz und Kohle sowie Grundmetallen wie Kupfer. Und Cutifani setzt Maßstäbe. 

Wenn man ihn fragt, wie er beispiels­weise Geschäftserfolg definiert, beginnt Cutifani bei Sicherheit und Umwelt­auswirkungen und erzählt, wie wichtig das Unternehmen seine Verantwortung gegenüber den Gemeinden nimmt. Erst dann schwenkt er über zu den bekannteren Geschäftsthemen: Kostenkontrolle, Erfüllung der Kundenan­forderungen und wettbewerbsfähige Renditen für die Investoren. 

„VIELFALT LIEGT UNS IN DEN GENEN.“ 

Mark Cutifani GESCHÄFTSFÜHRER, ANGLO AMERICAN PLC

EIN LEBEN FÜR DEN BERGBAU 

Cutifani, 57, wurde in Wollongong in Australien geboren und hat sein gesamtes Berufsleben dem Bergbau gewidmet, darunter auch eine Zeit als CEO von AngloGold Ashanti Limited, das seinen Hauptsitz in Johannesburg, Südafrika, hat. Seit 2013 arbeitet er bei Anglo American, dessen Umsatz rund 29 Milliarden US-­Dollar betrug. 

29 Milliarden US-Dollar

Der Umsatz von Anglo American betrug 2013 rund 29 Milliarden US-­Dollar.

Aber der Bergbau war nicht Cutifanis erster Berufswunsch. Am Anfang wollte er Anwalt werden. Doch nachdem er sich an der Wollongong University in New South Wales, Australien, einge­schrieben hatte, belegte er auch Kurse für Bergbau. Seinen Aha­-Moment erlebte er, nachdem er zwei Jahre lang Mineralien und die Lehre von ihrer Ge­winnung studiert hatte. „Allmählich wurde mir klar, welche Chancen der Bergbau bietet – Reisen um die Welt, Ingenieurtechnik, Arbeitskräfte“, erinnert er sich.

Da Cutifani sehr wortgewandt und offen ist, könnte man ihn für einen Fachmann für Personalwesen halten. Er interessiert sich beispielsweise brennend dafür, wie man das Potenzial einer Belegschaft erkennen kann. Cutifani zitiert dafür den ehemaligen US­amerikanischen Außenminister Colin Powell, der einmal sagte: „Führ­ungsstärke ist die Kunst, mehr zu erreichen, als die Betriebswirtschaftslehre für möglich hält.“ 

MITARBEITERIDEEN ALS ERFOLGSMOTOR 

Cutifani glaubt, dass man ein großes Unternehmen am besten führt, indem man die Menschen einbezieht, die die Prozesse täglich erleben. „Meist ent­decken sie Möglichkeiten, (aus einem Prozess) mehr herauszuholen, als je vorstellbar war. Bedenken Sie stets, das Engagement Ihrer Mitarbeiter wird Ihnen immer einen (Wettbewerbs­-) Vorsprung verschaffen“, sagt er.

Anglo American beschäftigt rund 120.000 Mitarbeiter auf sechs Konti­nenten. Die Chance für Anglo American liege seiner Meinung nach darin, sich mit den Menschen in jedem Teil des Unternehmens in Verbindung zu setzen. „Unsere Prozesse könnten eine Produkt­ivitätssteigerung um 30% bis 50% erfahren, wenn wir diese Verbindung herstellen können. Wir müssen unsere Vision nur klar zum Ausdruck bringen.“

Natürlich bedürfe es mehr als einer wohl formulierten Vision, um Mitarbeiter zu inspirieren, merkt Cutifani an. Das Management muss auch gewähr­leisten, dass die Mitarbeiter eine wichtige Aufgabe haben, die sie verstehen, sie müssen ihnen direktes Feedback geben und gute Arbeit anerkennen. „Es geht darum, persönliche Beziehungen zu knüpfen und dafür zu sorgen, dass sich die Menschen als Teil des Ganzen fühlen“, sagt er. „Es ist wichtig, die Menschen spüren zu lassen, dass Sie sich wirklich für sie interessieren.“

Natürlich ist es dann nicht verwunderlich, dass auch Cutifani selbst die Mitarbeiter einbindet, wann immer er die Chance dazu hat. Die an vorderster Front tätigen Arbeiter „können Ihnen sagen, ob Ihre Botschaften, die durch sechs oder sieben Instanzen weitergeleitet werden, auch bei ihnen ankommen“, sagt er. „Ist dies nicht der Fall, erfahre ich das vor Ort ziemlich schnell.“ 

GROSSE INTERNATIONALE ERFAHRUNG 

Anglo American hat sein Geschick zum „Kontakteknüpfen“ durch die Verwaltung seiner Vielzahl an Produkten, Märkten und weltweiten Niederlassungen entwickelt. Soziales Engagement in den Gemeinden ist eine der größten Leistungen. Zum Beispiel war Anglo American das erste Unternehmen in Südafrika, das HIV­-positiven Menschen eine antiretrovirale Therapie geboten hat, und es war ein Vorreiter bei der Ge­sundheitsvorsorge für seine Mitarbeiter, sogar mit eigenen Krankenhäusern in weit abgelegenen Gebieten.

„Wir verstehen außerordentlich viel von Diversität, globaler Geschäftstätigkeit und wie man mit der Gesellschaft selbst in entlegenen Gegenden in Kontakt kommt. Vielfalt liegt uns also in den Genen“, sagt Cutifani.

Auf geschäftlicher Ebene ist Anglo American durch seine umfangreiche Erfahrung im Süden Afrikas und in entlegenen Teilen von Südamerika in der Lage, in ganz unterschiedlichen Geschäftsumgebungen, ungeachtet des Orts und der lokalen Kultur, tätig zu sein – das ist ein unschätzbares Plus für einen multinationalen Konzern. 

„DIE ARBEITER KÖNNEN IHNEN SAGEN, OB IHRE BOTSCHAFTEN, DIE DURCH SECHS ODER SIEBEN INSTANZEN WEITERGELEITET WERDEN, AUCH BEI IHNEN ANKOMMEN.“

Mark Cutifani GESCHÄFTSFÜHRER, ANGLO AMERICAN PLC

INNOVATION FÜR EIN NEUES ZEITALTER 

Eine weitere besondere Fähigkeit von Anglo American ist es laut Cutifani, Konzepte für eine effektive Markt­teilnahme in einem dynamischen Umfeld zu entwickeln. Beispielsweise setzt das Unternehmen modernste Betriebswirtschaftssoftware ein, um Innovationen anzuregen und die betriebliche Effizienz zu steigern. 

Gewöhnlich sei das Identifizieren und Prototyping von Ideen sehr zeitaufwendig, sagt Cutifani, weshalb die optimale IT-­Plattform die Möglichkeit bieten sollte, Ideen dynamisch zu testen und Konzepte schneller zusammenzufassen. Die Innovationsplattform von Anglo American habe gezeigt, dass sie dieser Aufgabe gewachsen sei, meint Cutifani.

Die Herausforderung für die Bergbau­industrie als Ganzes ist es nach seiner Meinung, Personen zu fördern, die den Weitblick und die Fähigkeiten haben, solche Technologien zu nutzen. „Das Gute ist, dass der Anbieter unserer Innovationsplattform die richtigen Leute hat, die uns zum Ziel führen können.“ 

EIN WOHLÜBERLEGTES VORGEHEN 

Die möglichen Vorteile sind riesig: Wenn Anglo American es schaffe, das gesamte Potenzial seiner Prozesstechnologien auszuschöpfen, könne das Unternehmen seine Umsätze um bis zu 20% steigern und damit seinen Wert verdoppeln, meint Cutifani.

Doch auch wenn es wichtig ist, seine Investoren glücklich zu machen, so sei dies laut Cutifani nur ein Baustein für den Erfolg. „Man muss die Kennzahlen, die man für das Geschäft wählt, sorgfältig definieren und seine Vision, seine Mission und seine Werte nach ihnen ausrichten“, sagt er. „Die Menschen müssen verstehen, dass sich die Dinge, die ihnen wichtig sind, positiv auf alle Beteiligten auswirken werden, nicht nur auf die Anteilseigner.“

von Tony Velocci Zurück zum Seitenbeginn
von Tony Velocci

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